Das Spiel mit dem Tod
publiziert: Dienstag, 6. Feb 2007 / 13:41 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 26. Jul 2007 / 13:39 Uhr

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Der Mord vom vergangenen Freitag in der sizilianischen Stadt Catania ist nur das letzte einer Reihe von vielen und unnötigen Verbrechen rund um italienische Fussballstadien.

Der Polizeikommissar Raciti musste sterben, weil er für einen Stundenlohn von 12 Euro wild gewordene Bestien – die sich Ultràs nennen – zur Gesinnung bringen musste. Wie fast jedes Wochenende irgendwo in Italien, war wieder einmal die Hölle los und nichts bei der Bastonade erinnerte mehr an Fussball.

Wie so oft explodierte die Gewalt zwischen angeblichen Fussballfans und Polizei anlässlich eines Derbys; Catania gegen Palermo – zwei sizilianische Städte, die in der Welt oft ausschliesslich mit der Mafia assoziiert werden. Aber Gewalt gibt es auch bei Derbys von Mannschaften aus den Regionen Kampanien, Lazio oder Lombardei.

Das Problem gehört nicht in die Schublade des ärmeren Südens, des sogenannten Mezzogiorno. Es wuchert im gesamten Stiefel und widerspiegelt die latente Gewaltbereitschaft von gewissen Individuen.

Was tun? In Italien wird das englische Modell oft lobend zitiert. In England hat man zuerst aus den Stadien Zoos gemacht, mit Käfigen für die tobenden Hooligans. Danach, als in den achtziger Jahren innert kürzester Zeit viele Zuschauer in Stadien erdrückt wurden, kam man auf die Idee, Sitze statt Stehplätze in den Stadien zu bauen, Alkohol und Wurfgeschosse zu verbieten.

Es folgten aber auch Hooligan-Datenbanken und ausgeklügelte Videokameraüberwachungen, die den Mob in den Stadien in den vergangenen zwanzig Jahren besonders beruhigt haben. Der einzig kleine Nachteil ist, dass England international den Ruf eines Überwachungsstaats hat – aber diese Entwicklung ist wohl nirgends auf der Welt mehr aufzuhalten.

Das englische Modell ist eine Möglichkeit, es garantiert aber keine gewaltfreien Fussballspiele in Italien. Es würde zudem viele Leute in diesem fussballverrückten Land verärgern, wo viele mächtige Interessengruppen den Calcio fest im Würgegriff haben. Angefangen bei dem ehemaligen Premier Silvio Berlusconi mit seiner immensen Medienmacht. TV-Rechte, Werbung, Merchandising, Wetten.

Wenn ein Wochenende lang der Ball nicht rollt, gehen Einnahmen von bis zu 14 Millionen Euro verloren. Fussball ist in Italien ein überlebenswichtiger Industriezweig und Liga-Boss Matarrese hat vermutlich mit seiner zynischen Bemerkung recht, wenn er sagt, dass die Toten ein Teil des italienischen Fussballsystems sind.

Der Calcio also ein Sumpf von Korruption (siehe Calciopoli im vergangenen Jahr), Mord und Verwilderung? Etwas muss getan werden, darüber sind sich alle einig. Was auf längere Zeit auch gegen solche Phänomene wie die Mafia helfen kann, dürfte auch für den vergleichsweise harmloseren Fussball ein Erfolgsrezept sein: Bildung.

Holt die Jungs von der Strasse! Gebt ihnen Jobs, Hoffnung, Zukunft. Repressive Massnahmen werden nur eine temporäre trügerische Ruhe über die Fussballgewalt bringen, wie das Auge eines Orkans. Sobald die Medien wieder andere Interessen haben, wütet der Sturm weiter und wirbelt bald die nächsten Opfer in den Tod.

(von Maurizio Minetti/news.ch)

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