Das eherne Gesetz der Oligarchie
publiziert: Mittwoch, 23. Nov 2011 / 09:30 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 23. Nov 2011 / 09:53 Uhr
Architekt als Feuerwehrmann aufgeboten: Mario Monti
Architekt als Feuerwehrmann aufgeboten: Mario Monti

Italien geht seinen Weg des ehernen Gesetzes der Oligarchie (Robert Michels) weiter. Zunächst setzen ab 1945 die us-amerikanischen Regierungen die Mafia gegen die demokratisch gewählten Links-Regierungen ein. Dann wurde die Mafia unter Guilio Andreotti in mindestens 33 Regierungen bis 2011 toleriert, begünstigt und gefördert.

6 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Wikipedia zum «ehernen Gesetz der Oligarchie»
Artikel über das von Michels formulierte Gesetz der Oligarchie-Bildung
wikipedia.org

Wikipedia über Robert Michels
Der Eintrag zum Politwissenschaftler Michels
wikipedia.org

Im Klartext hiess das: Die Mafia liess die direkten Regierungsverantwortlichen und Teile des Rechtsstaates intakt, solange ihre Geschäfte nicht wesentlich tangiert wurden. Ab und an wurde der eine oder andere Staatsanwalt doch ermordet (Giovanni Falcone, Paolo Borsellino als prominenteste Opfer) - ohne irgendwelche Konsequenzen.

Seit dem Bestseller «Ghomorra» wissen wir, dass der Mafia seit 1989 der Sprung von der italienischen «Demokratie» in die Brüsseler «Demokratie» gelungen ist: Im europäischen Raum mordet das organisierte Verbrechen zwar weiterhin lokal, «verdient» aber ganz prächtig und global. Ghomorra zeigt, wie das Geld aus dem organisierten Verbrechen schliesslich seinen Weg in unsere Grossbanken findet.

Erleichtert wird das dreckige Spiel, das sich übrigens vor unser aller Augen abspielt, durch das klägliche, peinliche Scheitern der italienischen und europäischen Linken, die sich lieber selber auslöscht, bekämpft oder nur nach Milliardengenossen wie Schröder schielt, statt ihrem Programm, die Demokratie endlich zu verwirklichen, gerecht zu werden.

Verlorene Jahrzehnte liegen hinter uns, die auch von uns ganz nach dem Motto: «It?s the end of the world as we know it and I feel fine» (REM) gelebt wurden. Resultat ist überall dasselbe: Die italienische Gesellschaft ist völlig entpolitisiert, die europäische folgt ihr in ihrem Verdruss auf die real existierenden kläglichen Politiker nach.

Angela Merkels Strategie der technokratischen Herrschaft, die ausschliesslich ihren eigenen Lobbyinteressen und ihrer Wiederwahl verpflichtet ist, ist mittlerweile europäisches Herrschaftsmodell. Die bunte Widerstandsbewegung Occupy, die friedlich auf ein «So nicht mehr» aufmerksam machen wollte, ist inzwischen auch in einer frappant gleichzeitigen, globalen Räumungsaktion in vielen Städten plattgemacht worden.

Italien geht, wie immer, wenn es sich um das Unfassbare handelt, punkto Oligarchie noch ein Stück weiter: Die Regierung Monti besteht nur noch aus sogenannten Experten. Deren einzige Aufgabe besteht darin, Italien aus der Finanzkrise zu retten. Sie soll dies tun, ohne die Finanzdiktatoren auch nur um einen Millimeter in ihrer Macht zu beschränken.

Das erinnert an ein Haus, das in Flammen steht und statt die Feuerwehrmänner zu rufen, die Architekten zusammentrommelt. Mit deren Wissen hofft man, im brenneden Gebäude den Brandherd und die Struktur des Feuers zu analysieren. Nach stundenlangen Verhandlungen wird man dank der Architekten auch wissen, weshalb das Haus so brennt und nicht anders, man hat eventuell sogar den Brandherd gefunden, doch hoppla: Das Haus ist unterdessen schon längst im Feuer verschwunden.

So geht es der italienischen Demokratie. So geht es der europäischen Demokratie. Demokratie ist übrigens ein zu starker Begriff für diese Farce, die u.a. von Angela Merkel wie eine Umfrageinstitution und Gefälligkeitsdienstleisterin für Finanz- und andere Lobbyinteressen inszeniert wird. Wie meinte schon wieder Robert Michels vor über hundert Jahren? «In der Demokratie feudalisiert sich das Bürgertum. Es lässt sich vom Adel aufsaugen und bildet mit ihm zusammen die Oligarchie, welche die Macht im Staat unter sich aufteilt. (...) Wer Organisation sagt, sagt Tendenz zur Oligarchie. (...) Die Organisation ist die Mutter der Herrschaft der Gewählten über die Wähler, der Beauftragten über den Auftraggeber, der Delegierten über die Delegierenden.»

Mehr gibt es nicht zu sagen. Robert Michels wusste zu seiner Zeit nur nicht, dass «Adel» heutzutage Finanzaristokratie, organisiertes Verbrechen und medial hochgepuderte Staatslakaien heissen. Literatur: Robert Michels, Zur Soziologie des Parteiwesens in der modernen Demokratie. Untersuchungen über die oligarchischen Tendenzen des Gruppenlebens, Original 1911.

(Regula Stämpfli/news.ch)

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Was soll man von einem Kolumne-Beitrag halten, der ein Buch zur Grundlage hat, dessen Verfasser ein elender Faschist ist? (1928 trat Robert Michels dem "Partito N* (nicht erlaubtes Wort)onale Fascista" (PNF) von Benito Mussolini bei).

P.S.: Unter dem Deckmantel der "Political Correctness" (diktatorische Zensur) darf man nicht mehr das sagen (bzw. schreiben) was Sache ist. Nicht mal PNF kann ausgeschrieben werden! Das Widerliche dabei ist, dass diejenigen die Zensuraufträge geben, selbst in grösste Korruption verwickelt sind. (u.a. die EU-Komission).

Zur Erinnerung:

Sowohl Kommunismus wie extremer Nationalismus entwickelten sich aus dem Gedankengut und der Praxis der Französischen Revolution. Besonders der von den Verfechtern des marxistischen Kommunismus und des nationalistischen Faschismus eingesetzte Terror hat seine Entsprechung in den extremistischen Ideen und Taten der Aufklärer und der Jakobiner wie Robespierre (1758-1794). Im Faschismus haben wir ein Herrschafts- und Gesellschaftsmodell vor uns, das sozialistisch-kommunistische und nationalistisch-traditionalistische Elemente in sich vereint. Deshalb ist die deutsche Bezeichnung "Nationalsozialismus" durchaus sachgerecht. Allerdings wäre ist es eine Verharmlosung des deutschen Nationalsozialismus, würde man diesen nur als eine Spielart des international auftretenden Faschismus bezeichnen. Vielmehr war der deutsche Nationalsozialismus eine heidnisch und darwinistisch geprägte, besonders extreme und besonders terroristische Form des Faschismus.

Andere Ausprägungen des Faschismus, besonders im slawischen Bereich, nehmen auch klerikales Gedankengut, etwa der Orthodoxen (Pan-Slavismus) oder der Römisch-Katholischen Kirche (Ustascha in Kroatien) auf. Der Faschismus vertritt auf der einen Seite scheinbar solide konservative Werte wie Moral, Selbstaufopferung für höhere Werte, den Kampf für allgemeine Sicherheit und Ordnung oder völkische Traditionen. Gleichzeitig tritt er sozial-revolutionär, antiliberal, antiparlamentarisch und antikapitalistisch auf. Zur Durchsetzung seiner Ziele nutzt er wenn nötig Revolutionen, Putsche, Umstürze, Bürgerkrieg und jede Form inneren und äußeren Terrors. Soziale und politische Krisensituationen treiben ihm einfach strukturierte Menschen, verunsicherte Gesellschaftsgruppen und Verlierer der aktuellen Entwicklungen zu. So kamen in den wirtschaftlichen Krisen und moralischen Wirren nach dem Ersten Weltkrieg sowohl der Kommunismus in Russland wie der Faschismus in Italien und später in Deutschland und anderen Staaten als revolutionäre Bewegung an die Macht.

http://www.bible-only.org/german/handbuch/Faschismus.html
Armut . . .
. . ., ist der grösste Nährboden für mafiöse Strukturen. Wir können uns gar nicht vorstellen, was es heisst, in Süditalien eine Familie zu ernähren. Da nimmt man auch mal eine fütternde Hand in Kauf, die blutige Finger hat. Es ist die ausgewogene Mischung von Unternehmertum und Staatshaushalt, die uns diesen langjährigen Wohlstand bescheren. Jedes Ungleichgewicht würde auch bei uns zu mafiöse Strukturen führen. Egal ob zu Gunsten der Linken- oder der Rechten.
Und dann dies
Da ärgert sie mich zuerst mit iher EU Gesundbeterei und nun das. Ich bin verblüfft. Ein Artikel, der weit aus dem Handelsüblichen ragt und Mut zeigt.
Lobbyisten-Virus ist nicht an eine Partei gebunden
Stimmt nicht ganz. Nehmen Sie mal als Beispiel einen der grössten Kostenblöcke, da haben SP und CVP am meisten Vertreter im Parlament http://www.parlament.infocube.ch/#ib=&nw=&dv%5BclassName%5D=TabIndustr....

Der Lobbyisten-Virus ist nicht an eine Partei gebunden. Es gibt auch noch weitere Gründe, so z.B. die Tatsache, dass viele Politiker von der Entschädigung für ihr Amt leben: http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Das-ist-wie-eine-fristlose-.... Was meinen Sie, warum der Spesenweltmeister und SP-Dinosaurier nochmals kandidiert hat? http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/fernsehen/TVKritik-Auf-dem-Misthauf...; usw. usw.
Gar nicht
lieber Big Brother, gar nicht.
Denn wir haben 500 Lobbyisten in Bern, auf 246 Parlamentarier.
Kommen all die Gewählten dazu, die eigentlich auch Lobbyisten sind. Rund ein Drittel davon, hauptsächlich in der SVP und FDP, wenige in CVP und linken Parteien.

Die Pharma, die Hochfinanz, die Grosskonzerne. Diese regieren und lenken. Zum Teil via Economiesuisse, die das Sagen hat und der FDP und einigen anderen der SVP und auch CVP vorschreiben wie Abzustimmen ist.

Auf eine Reform, die Lobbyismus einschränkt oder Transparenz in Parteienfinanzierung bringt, hoffe ich nicht mehr. Dafür gibt es keine Mehrheit im Parlament. Evtl. in 4 Jahren, wenn FDP und SVP in etwa weitere 10 Sitze abgeben müssen (so hoffe ich).
Papierdemokratie, auch in der Schweiz
Nicht nur die Mafia in Ländern wie Italien, Russland usw. herrschen ungestraft, nein, bei uns haben die Hochfinanz und die Grosskonzerne ebenfalls das Sagen.

Otto Ineichen machte bei Schawinski eine interessante Aussage, indem er feststellte, dass die Gesundheitspolitik vorwiegend von Lobbyisten geprägt wird.

Die Frage ist und bleibt aber, wie wir endlich wieder Volks- und nicht Interessenvertreter nach Bern entsenden können?
.
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