Satellitenbilder
Das «ewige» Eis schmilzt weniger stark als vermutet
publiziert: Donnerstag, 9. Feb 2012 / 00:26 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 9. Feb 2012 / 00:49 Uhr
Ob stark oder etwas weniger - das Eis schmilzt.
Ob stark oder etwas weniger - das Eis schmilzt.

London - Gletscher, Eisschilde und Eiskappen auf den Landmassen der Erde sind in den letzten Jahren weniger stark geschmolzen als bisher vermutet. Das berichten Forscher nach detaillierten Auswertungen von Satellitenbildern im Fachmagazin «Nature».

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Vor allem in den Hochgebirgen Asiens sei der Verlust geringer als in früheren Studien errechnet, schreibt das Team um Thomas Jacob und John Wahr von der Universität von Colorado in Boulder. Insgesamt habe sich der Meeresspiegel wegen der Eisschmelze zwischen 2003 und 2010 um etwa 1,5 Millimeter pro Jahr erhöht.

Die Forscher werteten Aufnahmen der Grace-Satelliten-Mission aus und ermittelten so über die monatlichen, globalen Schwerefeldmessungen Masseveränderungen auf der Erde. Die Wissenschaftler konzentrierten sich zunächst auf Gletscher und Eiskappen mit einer Fläche von mehr als 100 Quadratkilometern.

«Unerheblicher Verlust»

Zu den untersuchten Regionen gehörten etwa die Gletscher in Hochgebirgen wie den Alpen oder dem Kaukasus, das patagonische Inlandeis oder die kanadischen Eiskappen. Demnach verloren Gletscher und Eiskappen etwa 148 Gigatonnen Masse pro Jahr von Januar 2003 bis Dezember 2010.

Dieser Verlust verursachte gemäss der Untersuchung einen Meeresspiegel-Anstieg von 0,4 Millimetern pro Jahr. Die gut untersuchten riesigen Eisschilde Grönlands und der Antarktis sowie angrenzende Gletscher und Eiskappen sparten die Forscher zunächst aus.

Der Masseverlust sei um knapp ein Drittel geringer als bislang angenommen, schreibt das Team. Mit nur vier Gigatonnen (4'000'000'000 Tonnen) pro Jahr sei er in den Hochgebirgen Asiens, wie dem Himalaya oder der Tibetischen Hochebene, unerheblich.

Kurze Zeitspanne

Bisher gab es nur wenige Daten darüber, wie viel Masse diese Eisflächen pro Jahr hinzugewonnen oder verloren hatten. Einige Experten hatten aber angenommen, dass sie erheblich zum Anstieg des Meeresspiegels beitrügen.

Anschliessend ermittelten die Forscher auch den Masseverlust des grönländischen und der antarktischen Eisschilde. Beide haben zusammen im Untersuchungszeitraum mehr als 380 Gigatonnen pro Jahr an Masse verloren und den Meeresspiegel um etwa 1,1 Millimeter jährlich ansteigen lassen, wie die Wissenschaftler errechneten.

Schmelzende Gletscher gelten als ein Symbol des Klimawandels und können zum Beispiel die Trinkwasserversorgung in angrenzenden Gebieten langfristig gefährden. Mit acht Jahren sei der Zeitraum der Studie kurz, schreibt Jonathan Bamber Universität Bristol (GB) in einem Kommentar. Dennoch trage sie dazu bei, den Einfluss der Gletscher und Eiskappen auf den Meeresspiegel besser zu verstehen.

(bert/sda)

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