Das grösste WM-Feuerwerk aller Zeiten
publiziert: Donnerstag, 28. Apr 2005 / 13:24 Uhr

Dem NHL-Lockout sei Dank: Noch nie delegierten so viele Top-Nationen so viele Top-Spieler an eine Weltmeisterschaft. Das Turnier in Wien und Innsbruck verspricht das grösste Eishockey-Feuerwerk aller Zeiten auf dem alten Kontinent.

A Wohnsinn: Winni, das Maskottchen der Eishockey WM.
A Wohnsinn: Winni, das Maskottchen der Eishockey WM.
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"A Wohnsinn." Manch ein Wiener oder Innsbrucker staunt beim Betrachten der WM-Spielerliste. Tatsächlich stehen die Eishockey-Fans zwischen dem 30. April und 15. Mai vor einem Spektakel allererster und einzigartiger Güte. Während in "normalen" Jahren die Coaches meist grösste Mühe haben, ihre Stars nach einer ermüdenden NHL-Saison von der Notwendigkeit einer Zusatzschicht in den grösseren europäischen Arenen zu überzeugen, fehlt es nach der ersten Komplett-Absage einer nordamerikanischen Profi-Liga den Spielern diesmal nicht an Motivation.

Der gesteigerten Qualität zum Trotz hat sich an den Kräfteverhältnissen nichts Entscheidendes geändert, die üblichen sieben Topnationen dürften den Titel unter sich ausmachen, während die Schweiz gegen die weiteren acht Teams um den Titel "Best of the Rest" kämpft. Ein Überblick über die Favoriten:

Kanada:
Die "Ahornblätter" überliessen der Konkurrenz in letzter Zeit nur noch Brosamen. Sie gewannen Olympia-Gold in Salt Lake City, triumphierten an den letzten beiden Weltmeisterschaften und holten zum "Dessert" im vergangenen September noch den prestigeträchtigen World Cup. Kanada mit Trainer Marc Habscheid (ehemals Zug und Bern) wird auch diesmal die zu schlagende Mannschaft sein. Den WM-Hattrick streben auch vier "Schweizer" an, Spieler, die in der vergangenen Saison die NHL-lose Wartezeit (zumindest teilweise) in der Nationalliga A überbrückten (Rick Nash, Joe Thornton, Dany Heatley, Mike Fisher). Thornton könnte als erster Kanadier aller Zeiten vier Titel in einer Saison holen (World Cup, Spengler Cup, Schweizer Meisterschaft, WM).

Tschechien:
Der erste Vorrundengegner der Schweiz (Sonntag) fährt mit grobem Geschütz auf. Vorzeigespieler ist einmal mehr Jaromir Jagr, neben ihm hat Coach Vladimir Ruzicka aber nicht weniger als 20 weitere NHL-Spieler aufgeboten. "Das ist wohl das beste Team, das Tschechien je hatte", schürt Ruzicka, ein weiterer ehemaliger Zuger, eine hohe Erwartungshaltung. Alles andere als eine Medaille wäre diesmal inakzeptabel, schliesslich endeten schon die drei letzten WM-Expeditionen mit "Nullern". Zudem geniessen die Osteuropäer praktisch Heimvorteil; Tausende werden zu jedem Spiel in die Wiener Stadthalle pilgern.

Slowakei:
Was Tschechien recht ist, ist der Slowakei billig. Der "kleine Bruder" darf ebenfalls auf gewaltigen Support zählen, die Hauptstadt Bratislava ist weniger als 45 Autominuten von Wien entfernt. Und der Weltmeister von 2002 hat ein sensationelles Kader zur Verfügung. Spieler wie Miroslav Satan, Marian Hossa, Ziggy Palffy, Pavol Demitra und Marian Gaborik lassen das Herz eines jeden Eishockey-Liebhabers und jedes gegnerischen Torhüters schneller schlagen.

Schweden:
Die schwedische Nationalmannschaft ist derzeit nicht in: Peter Forsberg, Mats Sundin und Markus Näslund führen die Absenzenliste an, die insgesamt 22 Spieler umfasst. Der frühere Langnauer Bengt-Ake Gustafsson hat dennoch ein Kader zusammen bekommen, das der "Tre Kronor" einige Ambitionen lässt. Der grösste Teil der Hoffnungen ruht nun auf den Schultern der Frölunda-Spieler Daniel Alfredsson, Samuel Pahlsson und P.J. Axelsson sowie von Henrik Zetterberg. Vieles wird davon abhängen, ob Henrik Lundqvist ähnliche Glanztaten zeigt wie zuletzt im Kasten der Meisterequipe aus Göteborg.

Russland:
Die russische Nationalmannschaft gibt einmal mehr Rätsel auf. Vom Potenzial her stellt Russland eine absolute Topmannschaft mit einer idealen Mischung aus Unbekümmertheit (Alexander Oweschkin, Ilja Kowaltschuk), Skorefähigkeiten (Maxim Afinogenow, Pavel Datsjuk) und Routine (Alexej Jaschin, Viktor Koslow). Aber innere Zerwürfnisse sorgten in den letzten Jahren fast immer dafür, dass die Prognosen in Sachen "Sbornaja" wenig wert waren.

Finnland:
Suomi geht praktisch mit einer zweiten "Schweizer" Auswahl an den Start, nicht weniger als acht Finnen verdien(t)en ihre Brötchen in der Nationalliga A (Peltonen, Nummelin, Kapanen, Hagman, Eloranta, Hentunen, Pärssinen, Söderholm). Ausser der Goldmedaille 1995, gewonnen ausgerechnet im Land des Erzfeindes Schweden, blieb Finnland bisher aber der grosse Wurf verwehrt. Auch heuer bleibt innerhalb der Favoriten nur die Aussenseiterrolle.

USA:
In Prag gewannen die Amerikaner vor Jahresfrist überraschend die Bronzemedaille. Wieder mit an Bord ist der damalige Baumeister des Sensationssieges gegen Gastgeber Tschechien und der Bronzemedaille gegen die Slowakei, Goalie Ty Conklin. Weitere Hauptstärken des Sternenbanner-Teams sind Superstar Mike Modano und das grosse Herz.

Gruppeneinteilung, Spielplan Eishockey-WM 2005 in Wien und Innsbruck. Vorrunde. Gruppe A (in Wien): Slowakei (Vorjahresklassierung: 4.), Russland (10.), Österreich (11.), Weissrussland (Aufsteiger). -- Gruppe B (in Innsbruck): Kanada (1.), USA (3.), Lettland (7.), Slowenien (Aufsteiger). -- Gruppe C (in Innsbruck): Schweden (2.), Finnland (6.), Dänemark (12.), Ukraine (14.). -- Gruppe D (in Wien): Tschechien (5.), Schweiz (8.), Deutschland (9.), Kasachstan (13.).

Der Spielplan:

Samstag (30.4.):
Russland - Österreich (14.45 Uhr/W). Lettland - Kanada (16.15/I). Slowakei - Weissrussland (20.15/W). Finnland - Dänemark (20.15/I).
Sonntag (1.5.): Schweiz - Tschechien (16.15 Uhr/W). USA - Slowenien (16.15/I). Deutschland - Kasachstan (20.15/W). Ukraine - Schweden (20.15/I).
Montag (2.5.): Slowakei - Russland (16.15 Uhr/W). Finnland - Ukraine (16.15/I). Weissrussland - Österreich (20.15/W). Schweden - Dänemark (20.15/I).
Dienstag (3.5.): Kasachstan - Schweiz (16.15 Uhr/W). Kanada - Slowenien (16.15/I). Tschechien - Deutschland (20.15/W). USA - Lettland (20.15/I).
Mittwoch (4.5.): Russland - Weissrussland (16.15 Uhr/W). Dänemark - Ukraine (16.15/I). Österreich - Slowakei (20.15/W). Schweden - Finnland (20.15/I).
Donnerstag (5.5.): Tschechien - Kasachstan (16.15 Uhr/W). Slowenien - Lettland (16.15/I). Deutschland - Schweiz (20.15/W). Kanada - USA (20.15/I).

Zwischenrunde (vom 6. - 11. Mai). Gruppen.

Gruppe E (in Wien): 1. Gruppe A, 2. Gruppe A, 3. Gruppe A, 1. Gruppe D, 2. Gruppe D, 3. Gruppe D.

Gruppe F (in Innsbruck): 1. Gruppe B, 2. Gruppe B, 3. Gruppe B, 1. Gruppe C, 2. Gruppe C, 3. Gruppe C. -- Die vier Gruppenvierten der Vorrunde bestreiten die Abstiegsrunde (zwei Absteiger).

Viertelfinals am 12. Mai (Donnerstag), Halbfinals am 14. Mai (Samstag), Finalspiele am 15. Mai (Pfingsten).

Modus:

- Vorrunde in vier Vierergruppen, 3 Teams pro Gruppe erreichen Zwischenrunde und nehmen Punkte aus Direktbegegnungen mit.

- Zwischenrunde in zwei Sechsergruppen, die Qualifizierten der Gruppen A und D bilden die Gruppe E, die Teams der Vorrundengruppen B und C die Gruppe F, vier Mannschaften pro Gruppe erreichen die Viertelfinals.

- Für die Vorrunde dürfen 3 Torhüter und 20 Feldspieler gemeldet werden, nach der Vorrunde dürfen zwei Spieler nachnominiert werden.

- Abstiegsrunde mit den vier Gruppenletzten der Vorrunde um die WM-Plätze 13 bis 16, zwei Teams steigen in die WM-B-Gruppe ab.

- Viertelfinals, Halbfinals und Spiel um Platz 3: Unentschiedene Partien nach 60 Minuten werden maximal um zehn Minuten verlängert (sudden death) und allenfalls im Penaltyschiessen entschieden. Die Overtime wird mit vier gegen vier Feldspieler absolviert.

- Final: Die Verlängerung dauert maximal 20 Minuten; wenn kein Tor fällt, entscheidet ein Penaltyschiessen.

(Marco Keller/Si)

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