David Bernold, Aspen
'Das ist doch nichts gegen Armstrong oder Maier'
publiziert: Montag, 29. Nov 2004 / 15:19 Uhr / aktualisiert: Montag, 29. Nov 2004 / 16:09 Uhr

Der Ausfall im zweiten Slalom am Sonntag und die in Aspen (USA) noch erfolgreichere Finnin Tanja Poutiainen ändern nichts daran: Nach nur vier Weltcup-Rennen verneigt sich die Skiwelt schon wieder vor Janica Kostelic.

Janica Kostelic will jetzt auch mal im Super-G oder Riesenslalom gewinnen.
Janica Kostelic will jetzt auch mal im Super-G oder Riesenslalom gewinnen.
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Der "Wiederauferstandenen" schienen die Lobeshymnen nach ihrem Slalom-Sieg am Samstag, 630 Tage nach dem zuvor letzten Triumph (8. März 2003 in Are/Sd), fast peinlich zu sein. Sie relativierte den Stellenwert ihrer Rückkehr und wollte nichts wissen von "einem der grössten Comebacks der Sportgeschichte".

Vergleiche mit Lance Armstrong oder Hermann Maier schlug sie in den Wind. Ihre Zeit der Rekonvaleszenz sei nichts gewesen gegen das, was der an Krebs erkrankte Amerikaner und der nach dem schweren Motorradunfall zurückgekehrte Salzburger hätten durchmachen müssen.

Müdigkeit und zittrige Hände

Gleichwohl bagatellisiert Janica Kostelic ihre schwierige Zeit nicht, "in der ich vorerst nicht wusste, was los war. Mir war nur klar, dass es abnormal ist, wenn du als junge Frau immer müde bist und dir die Hände zittern."

Entdeckt wurde das Übel, die nicht richtig funktionierende Schilddrüse, bei einer Untersuchung nach dem Weltcup-Final im März 2003 in Kvitfjell/Hafjell (No). "Doch auch nach der Diagnose blieben wir verunsichert und wussten nicht, was wir tun sollten", erinnert sich die 22-Jährige.

Klarheit herrschte erst nach Kontakten mit der slowakischen Schwimmerin Martina Moravcova und der amerikanischen Sprinterin Gail Devers, welche die gleichen gesundheitlichen Probleme hatten. Im letzten Februar wurde schliesslich die Schilddrüse operativ entfernt.

"Nach der Operation war ich nur noch Haut und Knochen", erzählt Janica Kostelic, die mittlerweile ihr "Kampfgewicht" wieder erreicht hat. Ihren Hormonhaushalt bringt sie mit Medikamenten ins Lot. "Ich weiss, dass ich jetzt ein Leben lang Pillen schlucken muss. Ich nehme sie jeden Morgen wie andere ihren Kaffee trinken."

Ihre grandiose Rückkehr auf die Weltcup-Bühne erklärt Janica Kostelic mit ihrem grossen Talent. Dass sie nach ihren langen, gesundheitsbedingten Absenzen jeweils derart schnell wieder ganz vorne in den Ranglisten aufscheint, erweckt bei den Gegnerinnen verständlicherweise nicht nur Bewunderung, sondern lässt da und dort im Geheimen wohl auch Neid aufkommen.

Die Doppel-Weltmeisterin von St. Moritz ist sich darüber im Klaren, ja hat Verständnis dafür. "Ich kann mich gut in die Lage der anderen Fahrerinnen versetzen. Das ist doch so, wie wenn dir als Slalomspezialistin plötzlich eine Allrounderin um die Ohren fahren würde."

"Depremierend: fast nur Slalom-Siege"

Janica Kostelic hofft, der Konkurrenz bald nicht mehr nur im Slalom "um die Ohren zu fahren". "17 meiner 20 Siege, neben drei gewonnenen Kombinationen, habe ich im Slalom errungen. Das ist doch irgendwie deprimierend, oder nicht?" gibt sie sich selbstkritisch. Dass sie auch im Riesenslalom und im Super-G zum Gewinnen befähigt ist, hat sie mit Gold und Silber an den Olympischen Spielen 2002 gezeigt.

Im Weltcup dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein. Am letzten Freitag im Riesenslalom war sie mit Bestzeit im ersten Lauf und dem 3. Schlussrang jedenfalls auch in ihrer zweitstärksten Disziplin schon sehr nahe dran.

(fest/Si)

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