Das kleine Grounding
publiziert: Donnerstag, 23. Jun 2005 / 10:06 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 23. Jun 2005 / 23:52 Uhr

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"Geschätzte Fahrgäste, auf Grund eines Stromausfalls, verkehren zurzeit in der ganzen Schweiz keine Züge!" Mittwochabend 17.23 Uhr es kommt im Tessin zu einem Spannungsabfall im Stromnetz, kurze Zeit später ist das gesamte Schweizer Schienennetz betroffen. Ein 5000 km langes Netz ohne Saft. In der langen Geschichte der SBB ein Novum.

100 000 Zugreisende stehen an den Bahnhöfen und warten. So auch in Luzern. Es ist einer der heissesten Tage im Jahr. Vielerorts zeigt das Thermometer über 30 Grad. Der Tag im Büro war anstrengend, drückend. Jetzt nur noch nach Hause, auf den Balkon, in den lauschigen Garten, etwas Kühles trinken.

Das muss jetzt warten. Da auch die zahlreichen Kundenbetreuer der SBB nicht wissen, wann wieder gefahren wird, macht man es sich in der Bahnhofshalle bequem. Überall wird telefoniert. "Schatz, ich sitze hier fest, kannst du mich abholen kommen."

Jeder trägt sein kleines Schicksal: Sabina Wüthrich sollte eine Wohnung in Zürich besichtigen. Jetzt stehen ihre Karten schlecht. Karl Seger und seine Frau sind zum Grillieren eingeladen, "aber das kann warten". Die meisten trösten sich mit Humor, einige Lachen zusammen, Fremde kommen miteinander ins Gespräch. Nervös geht Martha Friedmann aus Horw auf und ab. Ihre Enkelkinder warten in Zürich. Ihr sei egal wie, aber sie müsse jetzt dringend da hin.

Plötzlich, nach über einer Stunde, heisst es aus den Lautsprechern, es gäbe einen Bus der von Luzern nach Zürich fahre. Jetzt rennen sie. Weg mit dem Handy, weg die Ruhe. "Ich muss da rein", keucht ein Mann, der sich von seiner Krawatte befreit. Sekunden später ist das Platzangebot erschöpft.

Verschwitze Leiber drücken in den extra-langen Bus. Chauffeur Alois Frei erkundigt sich beim Chef, wo er überall halten dürfe und dann geht’s los. Die Stimmung ist gut, immerhin hat das Warten ein Ende, es geht vorwärts. Mit 60 über die Autobahn.

Frei lächelt, die Extraschicht scheint ihm nichts auszumachen. "Ich habe schon einige regionale Stromausfälle erlebt", erzählt er, "so etwas aber noch nie." Und so kommt es, dass Alois und sein Luzerner Bus zum ersten Mal in die Grossstadt nach Zürich fahren.

Er sei froh um die Hilfe der ortskundigen Fahrgäste, die ihn durchs unbekannte Strassennetz leiten. Aus seinem Radio wird verkündet, dass noch immer kein Zug rollt. Wasserflaschen machen die Runde, ständig klingeln Telefons. "Ja Mami, ich bin unterwegs." Zuhause macht man sich Sorgen um die 12-jährige Tina aus Kloten.

20.20 Uhr – Ankunft am HB Zürich. Auch dort herrscht Chaos. Wer kann, lässt sich mit dem Auto abholen. Extrabusse ersetzen die Züge, Staus blockieren die Strassen. Der Schweizer Verkehr scheint zu kollabieren.

Aber so weit kommt es nicht. Wenig später fliesst wieder etwas Strom und kurz darauf rollen wieder einzelne Züge. Noch weit nach Mitternacht ist der Bahnhof Zürich reich mit Wartenden bevölkert. Hin und wieder wird ein Zug angekündigt. Erleichtert springen sie dann auf, es geht nach Hause. Was für ein Tag.

Heute Donnerstag überbieten sich die Zeitungen mit fetten Schlagzeilen: In riesigen Lettern titelt der Blick "Black-Out" und spekuliert ob die Hitze oder gar Sabotage am Ausfall Schuld tragen. Der Bund schreibt vom "schwarzen Mittwoch", die Aargauer Zeitung von einem "Super Gau", der weh tue. Le Matin verkündet eine "monstre panne" und das Tagblatt ist besonders einfallreich: "Grounding der SBB". Wie kann man das noch überbieten?

Schön wie dieses Ereignis entrüstet, schockiert, verblüfft. Schön aber ebenso, dass uns das auch mal passiert. Dem sicheren und best organisierten Land Schweiz. In Italien wurde gleichentags gestreikt. Die sind sich längst gewohnt, dass mal keine Züge mehr fahren. Wir nicht. Entsprechend hohe Wellen wird dieser Fall heute und in den nächsten Tagen noch werfen.

Nach Hause kamen trotzdem alle. Und hatten erst noch einiges zu erzählen. Auch Chauffeur Alois Frei, der gestern zum ersten Mal mit seinem Bus in Zürich war.

(von Martin Oswald/news.ch)

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