Das unbegreifliche Wunder von Toronto
publiziert: Mittwoch, 3. Aug 2005 / 11:49 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 3. Aug 2005 / 16:30 Uhr

Toronto/New York - "In unserem gesamten Netz gibt es keine besonderen Vorkommnisse." Noch etliche Stunden nach dem schaurigen Ende des Unglücksflugs AF 358 stand das so auf der Nordamerika-Webpage der Air France.

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Kein Wort von dem, was sich am Dienstag vor den Augen von Millionen Fernsehzuschauern auf dem Flugplatz der kanadischen Metropole Toronto abgespielt hatte. Kein Wort über das schier unbegreifliche Wunder.

Keine Silbe über die furchtbare Angst von 309 Insassen jenes Airbus A340, der für diese Menschen um ein Haar zur Todesfalle geworden wäre. "Die Flammen kamen vom hinteren Teil", sagt Corey Marx, einer der Passagiere.

Aber da seien die meisten Leute schon in Sicherheit gewesen. Es sei falsch, was einige Sender behaupteten, nämlich dass das Flugzeug schon lichterloh brannte, als die Evakuierung begann.

"Das Feuer ging erst nach 15 Minuten oder so los. Am schlimmsten war nach dem Krach und Gerüttel der Bruchlandung zunächst, dass ich das Cockpit nicht mehr sehen konnte. Es war nach unten weggebrochen."

Grösstes Wunder der Luftfahrt?

Roel Bramer war als einer der ersten auf die Rettungsrutsche am Notausgang gesprungen. Am Abend gab er mit Siegerpose Interviews. "Wir feiern mit Champagner!" sagt er mit heiserer, ein wenig trunkener Stimme, als er Larry King von CNN am Telefon hat. "Würden Sie morgen wieder fliegen?", fragt King. Bramer zögert keine Sekunde: "Na klar!"

"Was wir hier erlebt haben", sagt Bruce Farr, der Chef des Rettungsdienstes von Toronto, "das ist nichts geringeres als ein einziges grosses Mirakel." Farr ist nicht der einzige, der den 2. August 2005 für den Tag hält, an dem sich das grösste Wunder in der Geschichte der zivilen Luftfahrt ereignet hat.

Lebensretter Besatzung

Ein Mirakel freilich, bei dem nicht nur viel Glück, sondern auch grosses Können und enorme Beherztheit einer gut geschulten Besatzung zu den Zutaten gehörte. "Ich kann vor dieser Crew nur den Hut ziehen", sagt Jennie Ziesenhenne.

Sie war einst bei der US-Fluggesellschaft Delta verantwortlich für die Notfall-Schulung der Besatzungen. "Bei allen grossen Airlines wird die Evakuierung über die Notausgänge wieder und wieder trainiert, aber der Ernstfall ist doch etwas anderes. Die Air-France-Besatzung hat Grossartiges geleistet."

"Unwahrscheinlich schnell" habe die Crew reagiert, berichtete der Fluggast Olivier Dubois. "Sobald die Maschine zum Halten gekommen war, haben sie alle Ausgänge aufgemacht. Wir sahen nicht viel, aber sie befahlen uns zu springen und zu rennen."

Ursache menschliches Versagen?

Dennoch: Ob hier nicht menschliche Grösse und menschliches Versagen dicht beieinander lagen, dürfte erst eine Untersuchung des "Wunders von Toronto" klären.

Experten aus Kanada und Frankreich werden bohrende Fragen stellen, darunter diese: Sind die schweren Gewitter mit gefährlich starken Blitzen im Luftraum von Toronto auf die leichte Schulter genommen worden? War die Landebahn viel zu rutschig? Hat der Pilot eine zu schnell landende Maschine nicht mehr zum Halten bringen können?

Rolle der Medien

Vielleicht sollte es noch eine andere Untersuchung geben. Eine, die fragt, ob es nicht leichtfertig von den Journalisten mancher Fernsehsender war, tausende Angehörige und Freunde der 309 Insassen des Air-France-Fluges schon auf den sicheren Tod ihrer Lieben einzustimmen.

"Da kann wohl kaum jemand überlebt haben", war zu den Schreckensbildern des zerbrochenen und brennenden Flugzeugs zu hören. Als ob es heutzutage keine Wunder mehr gäbe.

(Thomas Burmeister/dpa)

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