«Das wird Jahre wirken»
publiziert: Montag, 6. Feb 2006 / 07:56 Uhr / aktualisiert: Montag, 6. Feb 2006 / 10:44 Uhr

Kopenhagen/Damaskus - Die Dänen müssen ihre Nationalfahne «Dannebrog» nun plötzlich im Fernsehen vor der in Brand gesteckten Botschaft des Königreiches in Damaskus und ebenfalls brennenden Konsulat in Beirut in Flammen sehen.

Schockierende Bilder flimmerten in die dänischen Wohnstuben.
Schockierende Bilder flimmerten in die dänischen Wohnstuben.
40 Meldungen im Zusammenhang
Eigentlich waren sie es doch gewohnt, die rote Flagge mit weissem Kreuz immer und überall als harmlosen Schmuck zu Kindergeburtstagen auf Torten zu pflanzen oder vor dem Sommerhäuschen an der See im Wind flattern zu lassen.

Spätestens mit den gewaltsamen Protesten in Gaza, Damaskus oder Beirut gegen die Mohammed-Karikaturen in Dänemarks grösster Zeitung «Jyllands-Posten» dürfte diese Unschuld endgültig der Vergangenheit angehören.

«Es wird viele, viele Jahre dauern, ehe wir davon wieder loskommen», sagte Jrgen Nielsen, Chef des Dänischen Kulturinstitutes in Damaskus mit Bitterkeit in der Stimme im Radio aus Damaskus. Er sei seit Jahrzehnten im Nahen Osten, und stets habe man die Dänen dort einfach als Hersteller sehr guter Butter und als «freundliche und anständige Leute» geschätzt.

Mehr Trauer, grosse Unsicherheit, aber auch Hoffnung auf das «freundliche» Dänemark war am Abend bei den Abendnachrichten aus den Gesichtern von hier lebenden «ganz normalen Muslimen» abzulesen. Sie wurden in einem Kopenhagener TV-Studio nach ihrer Reaktion befragt.

Ein türkischer Busfahrer, eine Studentin und eine Sozialarbeiterin mit unterschiedlichen religiösen Bindungen waren sich einig, dass die Karikaturen in «Jyllands-Posten» sie verletzt hatten, die Gewaltakte von Damaskus aber durch nichts, aber auch nichts zu rechtfertigen seien.

Moderate formieren sich

Kurz zuvor hatten sich im Kopenhagener Parlamentsgebäude 200 Zuwanderer zur Gründung eines Netzwerkes moderater Muslime getroffen. «Diese Imame sprechen doch nur für eine ganz kleine Minderheit von dänischen Muslimen und ganz bestimmt nicht für uns», sagte der liberale Parlamentsabgeordnete Naser Khader.

Der gebürtige Syrer ist zum Wortführer derjenigen geworden, die dem Wirken stark religiöser Imame einen erheblichen Teil der Verantwortung für die derzeitige Eskalation geben. Die Attacken in Damaskus konnte sich Khader nur als gezielte Aktion der syrischen Machthaber erklären: «In diesem Polizeistaat kann so etwas nicht passieren, ohne dass die Regierung das auch selbst will.»

Dänemarks führende Medien liessen sich am Sonntag auch durch die dramatischen Nachrichten aus Damaskus nicht von der Fortführung ihrer seit Jahren extrem hart geführten innenpolitischen Debatte in Sachen Zuwanderung und Islam abbringen.

Agressive Tonlage bleibt trotzdem

«Jyllands-Posten», wo die zwölf Karikaturen mit dem Propheten Mohammed Ende September zuerst erschienen waren, drosch im Leitartikel förmlich auf die beiden anderen landesweiten Blätter «Politiken» und «Berlingske Tidende» ein, weil sie die Zeichnungen nicht aus Solidarität nachgedruckt hatten.

«Kollektive Heuchelei und Scheinheiligkeit» warf das Blatt den Kollegen vor und blieb damit in der betont aggressiven Tonlage, die Dänemarks Ausländerdebatte seit vielen Jahren zu einer Besonderheit in Europa gemacht hat.

«Politiken» schlug zurück und warf ihrerseits Politikern aus dem Regierungslager von Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen «komplette politische Taubheit» vor, weil sie die Ausweisung von Imamen als Anheizer beim Karikaturenstreit verlangt hatten.

Das Blatt langte bei dieser Gelegenheit auch noch mal in Richtung «Jyllands- Posten» zu: «Ein kleines Happening in einem Land kann sich blitzschnell oder aber mit Verzögerung kreuz und quer über den Erdball ausbreiten, wenn nur der kulturkriegerische Sprengstoff ausreichend explosiv ist.»

(Thomas Borchert/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Kopenhagen - In Dänemark sind drei aus Nordafrika stammende Männer ... mehr lesen
Die Verhaftungen erfolgten laut Polizei präventiv.
Gewaltsame Proteste laufen «dem Islam zuwider».
Manama - Als Reaktion auf den ... mehr lesen
Dänemark sei mit Absicht gewählt worden, weil es ein Kreuz in der Fahne hat, meinte der Konferenzvorsitzende Mohammedi-Araki.
Isfahan - Bei einer Konferenz zum ... mehr lesen
Karachi - In der pakistanischen Stadt Karachi haben zehntausende von Menschen ... mehr lesen
Viele Demonstranten riefen US-feindliche Parolen.
Weitere Artikel im Zusammenhang
St. Gallen - Europa und die Schweiz sollten nach Ansicht der OSZE- ... mehr lesen
Gret Haller fordert einen gesamtschweizerischen Diskurs.
Doha - UNO-Generalsekretär Kofi Annan sowie Politiker aus dem Westen und der islamischen Welt haben sich bei einer Versöhnungskonferenz in Katar um eine Schlichtung im Karikaturen-Streit bemüht. mehr lesen 
Müssen die Mohammed-Karikaturen als Krieg gegen den Islam verstanden werden?
London - In London haben tausende Moslems erneut friedlich gegen die Mohammed- Karikaturen protestiert. Die Organisatoren sprachen von bis zu 40 000 Demonstranten. mehr lesen
Die Proteste blieben diesmal friedlich. (Archivbild)
Teheran - Die Proteste gegen die in ... mehr lesen
Strassburg - Im Streit um die ... mehr lesen
José Manuel Barroso mahnte eine «verantwortlichen Nutzung» der Pressefreiheit an.
Demonstranten setzten ein Schnellrestaurant, zwei Kinos und dutzende Autos in Brand. (Archivbild)
Islamabad - Bei gewalttätigen ... mehr lesen
Islamabad/Teheran - In Pakistan sind die gewaltsamen Proteste gegen die in ... mehr lesen
In Lahore im Osten Pakistans kamen nach Regierungsangaben zwei Männer ums Leben.
Kofi Annan: «Die Randalen hätten verhindert werden müssen!»
New York - Für die Schäden an ... mehr lesen
Die Zeitung sucht speziell anti-amerikanische und -israelische Karikaturen.
Teheran - Die Teheraner Zeitung ... mehr lesen
Micheline Calmy-Rey will den Dialog und die Bereitschaft zum Zuhören.
Bern - Im Streit um ... mehr lesen
Düsseldorf - Mehr als 2000 Muslime haben in Berlin und Düsseldorf friedlich gegen ... mehr lesen
Vor der dänische Botschaft demonstrierten rund 150 Muslime.
Damaskus ist den dänischen Diplomaten momentan zu unsicher.
Kopenhagen - Das dänische ... mehr lesen
Kuala Lumpur - Die Mohammed-Karikaturen sorgen in der islamischen Welt weiter für Empörung. Erneut demonstrierten Tausende. mehr lesen 
Kuala Lumpur - Zum Auftakt einer ... mehr lesen
Der malayische Ministerpräsident Abdullah Ahmad Badawi.
Eine der zwölf satirischen Zeichnungen mit dem Titel «Die Gesichter Mohammeds». (verfremdete Version)
Interlaken - Der Schweizer Presserat ... mehr lesen
Beirut - Hunderttausende Schiiten in ... mehr lesen
Aschura ist ein religiöses Ritual der Schiiten.
Kabul - Bei andauernden Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen sind in Afghanistan am dritten Tag in Folge mehrere Menschen ums Leben gekommen. mehr lesen 
Bern - Nachdem in Libanon auch ... mehr lesen
Micheline Calmy Rey hatte mit der libanesischen Führung telefoniert.
Es kann nicht Aufgabe der Medien sein, die arabische Welt zu erzürnen. Die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» hat mit der Veröffentlichung der Mohamm ... mehr lesen 
Die Protestaktionen in der islamischen Welt nahmen kein Ende.
Kairo - Die Protestaktionen in der ... mehr lesen
Kairo - Die Arabische Liga hat die Muslime nach den gewalttätigen Protesten ... mehr lesen
Das Generalsekretariat der Arabischen Liga äusserte in Kairo Besorgnis über die Gewaltausbrüche.
Sicherheitskräfte verhinderten den Versuch in das Gebäude einzudringen. (Archivbild)
Dubai/Bangkok/Kabul - Aus Protest gegen die in europäischen Zeitungen erschienenen Mohammed-Karikaturen haben Demonstranten in der iranischen Hauptstadt Teheran die österreichische ... mehr lesen
Etschmayer Botschaften brannten, Steine flogen und Flaggen – scheinbar war auch eine Schweizerische dabei – wurden angezündet. Und es wurden Kommenta ... mehr lesen 
Hassan Sabeh (Mitte) weigerte sich, auf die Demonstranten schiessen zu lassen. (Archivbild)
Beirut/Kopenhagen/Amman - Nach ... mehr lesen
Teheran/Damaskus - Wütende Muslime haben in der libanesischen Hauptstadt ... mehr lesen
Beirut wurde Schauplatz anti-dänischer Unruhen.
Etschmayer Es ist tragisch, dass es eine Kontroverse gibt. Nämlich darüber, ob man eine Religion karikieren dürfe. Die Frage wird in praktisch allen Verfassungen ... mehr lesen 
Momentan unter keinem guten Stern: Die dänische Flagge.
Jakarta - In der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben militante Moslems das Hochhaus gestürmt, in dem die dänische Botschaft untergebracht ist. mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Den Besuchern wurden neben den Ausstellungen auch Ateliers, Erzählungen und Kalligraphie-Kurse geboten.
Den Besuchern wurden neben den ...
In La Chaux-de-Fonds  La Chaux-de-Fonds - Das Museum für Kulturen des Islam in La Chaux-de-Fonds NE ist am Wochenende eröffnet worden. Den Besuchern wurden neben den Ausstellungen auch zahlreiche Treffen, Ateliers, Erzählungen, Kalligraphie-Kurse und Tanzvorführungen geboten. mehr lesen 
Streitigkeiten über Einreisebedingungen nach Saudi-Arabien  Teheran - Iranische Gläubige werden in diesem Jahr nicht an der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Mekka teilnehmen. Irans Kulturminister Ali ... mehr lesen   1
Gemäss dem Koran muss jeder Muslim, ob Mann oder Frau, der gesund ist und es sich leisten kann, einmal im Leben an der Wallfahrt zur heiligsten Stätte des Islam in Mekka teilnehmen. (Archivbild)
Papst Franziskus traf Flüchtlingskinder. (Archivbild)
Treffen mit Kindern  Vatikanstadt - Papst Franziskus hat sich mit Flüchtlingskindern getroffen, deren Eltern bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer ums ... mehr lesen  
Mekka-Wallfahrt  Riad - Saudi-Arabien und der Iran sind weiter uneins über die Bedingungen, unter denen Iraner an der diesjährigen Mekka-Pilgerfahrt Hadsch ... mehr lesen  
Die Beziehungen zwischen den beiden rivalisierenden islamischen Ländern sind auf einem Tiefpunkt. (Archivbild)
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 1°C 6°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wechselnd bewölkt
Basel 2°C 9°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass Schneeregenschauer
St. Gallen 1°C 6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig starker Schneeregen freundlich
Bern 0°C 6°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer Schneeregenschauer
Luzern 2°C 8°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wechselnd bewölkt
Genf 3°C 8°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Schneeregenschauer
Lugano 6°C 9°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten