David Rudisha will seinen Vater übertrumpfen
publiziert: Mittwoch, 8. Aug 2012 / 20:05 Uhr
Der erst 23-jährige Kenianer ist in London einer der sichersten Tipps für den Gewinn einer Goldmedaille. (Archivbild)
Der erst 23-jährige Kenianer ist in London einer der sichersten Tipps für den Gewinn einer Goldmedaille. (Archivbild)

Im heutigen 800-m-Final der Männer stellt sich nicht die Frage, wer gewinnt, sondern mit welcher Zeit der Sieger ins Ziel läuft. Weltmeister David Rudisha läuft in einer eigenen Liga.

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Wer Geld auf einen Sieg von Rudisha setzt, wird mit Garantie nicht reich. Der erst 23-jährige Kenianer ist in London einer der sichersten Tipps für den Gewinn einer Goldmedaille. Er dominiert die Konkurrenz seit 2010 praktisch nach Belieben und hat in diesem Zeitraum nur eine Niederlage über die beiden Bahnrunden hinnehmen müssen - gegen den Äthiopier Mohammed Aman im vergangenen September in Mailand.

Dass seine Form stimmt, hat er Anfang Juli in Paris bewiesen, als er mit 1:41,54 den eigenen Weltrekord lediglich um 53 Hundertstelsekunden verpasst hat. Der Zweitbeste in diesem Jahr, Nijel Amos aus Botswana, kommt auf 1:43,11, eine Zeit, die Rudisha heuer schon viermal unterboten hat.

Zusätzliche Motivation gibt ihm sein Vater Daniel. Dieser holte 1968 in Mexiko-City mit der 4x400-m-Staffel Olympia-Silber. «Mein Vater inspiriert mich. Ich habe ihn auch auf Youtube laufen gesehen. Das ist wirklich aufregend», sagte Rudisha. «Ich will die Goldmedaille gewinnen und dann zu ihm sagen: 'Ich bin besser als du'.» Olympische Spiele seien etwas ganz Besonderes. «Wenn du einmal den Titel hast, hast du ihn für den Rest deines Lebens.»

Die Zeit spielt für Rudisha nur eine sekundäre Rolle. «Gold ist Gold, auch wenn man in zwei Minuten gewinnt», so Arsenal-Fan Rudisha, der «Pride of Africa», «Track Master» und auch «King David» genannt wird. Deshalb dürfte der Weltrekord für ihn erst in Zürich ein Thema sein. Unter 1:41 zu laufen sei möglich. Es gebe noch Raum für Verbesserungen, aber eine Zeit unter 1:40 sei ziemlich hart zu realisieren.

Wohin der Weg führen soll, hat Rudisha früh gewusst. Schon als kleiner Bub hatte ihm der Vater seine Olympiamedaille gezeigt mit dem Hinweis, dass dies der Lohn für einen guten Läufer sei. Weil er ihm nacheifern wollte, versuchte er sich zunächst über 400 m. Doch sein jetziger Trainer, der irische Ordensbruder Colm O'Connell, der an der St. Patrick's School in Iten tätig ist und schon viele Weltklasseathleten geformt hat, hatte an einem Schulwettkampf Rudishas Talent für die 800 m entdeckt. Er überzeugte den 1,90 m grossen Athleten mit den raumgreifenden Schritten zum Wechsel und ermöglichte damit seine Dominanz.

International trat Rudisha erstmals 2006 in Erscheinung, als er über die zwei Bahnrunden Juniorenweltmeister wurde. 2008 sicherte er sich an den afrikanischen Meisterschaften den Titel. Die Olympischen Spiele in Peking verpasste er allerdings wegen einer Verletzung, und an den Weltmeisterschaften 2009 in Berlin schied er überraschend in den Halbfinals aus.

Danach entschied er sich, die Rennen von vorne weg zu laufen. Nur 16 Tage nach dem WM-Out setzte er in Rieti (It) mit 1:42,01 ein Ausrufezeichen. 2010 verbesserte er im August innerhalb von einer Woche zweimal den Weltrekord und wurde zum Weltleichtathleten des Jahres gekürt - als Jüngster aller Zeiten. Insgesamt blieb er bereits sechsmal unter 1:42 Minuten - einer Marke, die neben ihm erst Wilson Kipketer (Dä), Sebastian Coe (Gb) und Joaquim Cruz (Br) geknackt haben. Von den besten 15 je gelaufenen Zeiten über 800 m gehen neun auf sein Konto. Das sind eindrückliche Zahlen.

Nach den beiden Weltrekorden wurde Rudisha, dessen Mutter Tamisha eine populäre Folksängerin ist, in seiner Heimatstadt Kilgoris zum Massai-Krieger gekrönt. Bei der Zeremonie soll zu seinen Ehren eine gesamte Rinderherde getötet worden sein. Das nächste Fest dürfte schon bald steigen.

(knob/Si)

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