Tinners sollen nicht ins Gefängnis
Deal mit Bundesanwaltschaft in Atomschmuggelaffäre offengelegt
publiziert: Dienstag, 18. Sep 2012 / 13:09 Uhr
Ein Beweisverfahren findet nicht mehr statt. (Symbolbild)
Ein Beweisverfahren findet nicht mehr statt. (Symbolbild)

Bellinzona - Gemäss dem massgeschneiderten Deal mit der Bundesanwaltschaft soll Friedrich Tinner und seinen zwei Söhnen der Gang ins Gefängnis erspart bleiben. Laut Anklage steht fest, dass ihre Zusammenarbeit mit US-Behörden zur Aufdeckung der Atomschmuggelaffäre beigetragen hat.

Sie suchen Beratung, Sie brauchen Unterstützung. Sie setzen auf Erfolg und verlangen rasch messbare Resultate.
MENZI & PARTNER AG
Blaufahnenstrasse 14
8001 Zürich
10 Meldungen im Zusammenhang
Das Bundesstrafgericht wird ab dem kommenden Montag über die im abgekürzten Verfahren erhobene Anklage verhandeln. Gemäss der am Dienstag vom Gericht publik gemachten Anklageschrift hat sich der Staatsanwalt des Bundes Peter Lehmann mit dem geständigen Friedrich Tinner auf eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren geeinigt.

Strafen durch U-Haft verbüsst

Zudem soll er eine Geldstrafe von 780 Tagessätzen zu 90 Franken zahlen. Die Bundesanwaltschaft (BA) lastet ihm und seinen Söhnen eine Verletzung des Kriegsmaterialgesetzes durch die «Förderung der Herstellung von Kernwaffen» an. Für Sohn Urs Tinner ist eine unbedingte Freiheitsstrafe von 50 Monaten vorgesehen.

Da er ab 2004 bereits 1536 Tage in Untersuchungshaft gesessen hat, würde er ebensowenig wie sein Vater nochmals ins Gefängnis gehen müssen. Das Gleiche gilt für seinen Bruder Marco, der zusätzlich eine Urkundenfälschung eingestanden hat.

Er hat sich mit der BA auf eine Freiheitsstrafe von 41 Monaten und eine Geldstrafe geeinigt, bei bereits ausgestandener Untersuchungshaft von 1237 Tagen. Alle drei sollen zudem gemeinsam für 400'000 Franken Verfahrenskosten gerade stehen.

Sabotierte Teile geliefert

Das Bundesstrafgericht wird nur noch darüber zu entscheiden haben, ob die Durchführung des abgekürzten Verfahrens überhaupt angebracht ist und falls ja, ob der Handel mit der BA abgesegnet werden kann. Ein Beweisverfahren findet nicht mehr statt.

Laut Anklage soll mit den beantragten Sanktionen den «ausserordentlichen Umständen» des Falles Rechnung getragen werden. Strafmildernd wurde insbesondere berücksichtigt, dass die Tinners nach Überzeugung der BA ab 2003 mit nicht näher bezeichneten «amerikanischen Behörden» zusammengearbeitet haben sollen.

Gemäss ihrem «Kooperationsvertrag» hätten sie Information geliefert, die zur Aufdeckung des Netzwerkes von Adbel Qadeer Khan und seinen Diensten für das libysche Atomwaffenprogramm beigetragen hätten. Zudem hätten sie Teile von Gasultrazentrifugen zur Urananreicherung auf Anweisung abgeändert und untauglich gemacht.

Wissen um Atomwaffen

Die Aufklärungsarbeit habe letztlich dazu geführt, dass im Oktober 2003 ein Frachtschiff habe aufgebracht werden können, das mit fünf Containern mit Teilen für Gasultrazentrifugen nach Libyen unterwegs gewesen sei. Weiter hätten die Tinners mit der Internationalen Atomenergie Organisation IAEO zusammengearbeitet.

Allerdings steht laut BA auch fest, dass sie zwischen 1998/1999 bis 2003 zumindest in Kauf genommen haben, mit ihren Handlungen das Atomwaffenprogramm eines unbekannten Abnehmers zu unterstützen. Zu ihren Gunsten wertet die BA dagegen weiter, dass der Bundesrat 2007 die Vernichtung von umfangreichem Beweismaterial angeordnet hat.

Die Beschuldigten hätten den ihnen vorgeworfenen Sachverhalt trotz diesem schweren Eingriff in ihre verfassungsmässigen Rechte anerkannt. Wegen der Aktenvernichtung wäre laut BA der Nachweis der fraglichen Delikte zumindest in Teilbereichen nicht mehr möglich gewesen.

(knob/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Im Fall Tinner kommt es noch einmal zu einer Verhandlung vor dem Bundesstrafgericht: Die Bundesanwaltschaft (BA) hat ... mehr lesen
Die Bundesanwaltschaft beschuldigt den Angeklagten, zuerst mit den Tinners zusammengearbeitet und später selbständig Atombombentechnologie entwickelt zu haben. (Symbolbild)
Bewährungsstrafen für Friedrich Tinner und seine beiden Söhne.
Bellinzona - Das Bundesstrafgericht hat am Dienstag einen juristischen ... mehr lesen
Bellinzona - Der Prozess gegen die Tinners war am Montag vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona von einer langen ... mehr lesen
Ankunft der Angeklagten in Bellinzona.
Die Atomschmuggel-Affäre nähert sich einer diskreten Erledigung.
Bern - Die Atomschmuggel-Affäre um ... mehr lesen 3
Bern - Die Bundesanwaltschaft soll Anklage erheben gegen Friedrich, Urs und Marco Tinner. Dies beantragt der eidgenössische ... mehr lesen 1
Urs Tinner in einem Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens.
Weitere Artikel im Zusammenhang
«Überreagiert»: Christoph Blocher.
Bern - Im Zusammenhang mit dem mutmasslichen Atomschmuggelfall Tinner hat der US-Atomwaffenexperte David ... mehr lesen 8
Lausanne - Der Zugriff des Eidg. Untersuchungsrichters auf die vom Bundesrat unter Verschluss gehaltenen ... mehr lesen 2
Urteil im Fall der mysteriösen Tinner-Akten.
Bern - Der Eidg. Untersuchungsrichter darf brisante Akten in der Affäre Tinner einsehen. Das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement ... mehr lesen
Der Bundesrat hat die Einsicht genehmigt. (Symbolbild)
Alles was Recht ist! Gesellschaftsgründungen, Rechtsberatung, Prozessführung etc.
Sie suchen Beratung, Sie brauchen Unterstützung. Sie setzen auf Erfolg und verlangen rasch messbare Resultate.
MENZI & PARTNER AG
Blaufahnenstrasse 14
8001 Zürich
Bosco Ntaganda ist wegen 18 Delikten angeklagt.
Bosco Ntaganda ist wegen 18 Delikten angeklagt.
Kongolesischer Ex-Rebellenchef vor ICC  Den Haag - Der frühere kongolesische Kriegsherr Bosco Ntaganda muss sich seit Mittwoch wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten. Gegen den 41-Jährigen liegen 18 Anklagen vor. 
Türen und Fenster zugeschweisst  Wien - Die Polizei in Wien hat einen mit Flüchtlingen beladenen Kleinlastwagen gestoppt, bei dem die Türen und Fenster zugeschweisst ...
24 Flüchtlinge wurden aus einem Bus befreit. (Symbolbild)
Österreichs Polizei befreit 24 Flüchtlinge aus zugeschweisstem Bus Wien - Die Polizei in der österreichischen Hauptstadt Wien hat einen mit Flüchtlingen ...
Die Fenster waren von innen verschweisst - die Afghanen hätten nicht die Möglichkeit gehabt sich selbst zu befreien. (Symbolbild)
Die Steueramtshilfe soll gelockert werden.
Neuer Anlauf  Bern - Die Schweiz soll auch auf Basis von gestohlenen Bankdaten Steueramtshilfe leisten. Das ...  
Titel Forum Teaser
Wettbewerb
Unvergessliche Momente auf der OCHSNER SPORT CLUB Fanbank.
Hautnah dabei  OCHSNER SPORT CLUB bringt dich hautnah an die Stars der Super League.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich 11°C 14°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 10°C 15°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 11°C 16°C leicht bewölkt bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Bern 12°C 19°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 14°C 19°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Genf 13°C 21°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 18°C 21°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten