Death Cab For Cutie - Das Experiment und eine Explosion
publiziert: Dienstag, 21. Jun 2011 / 20:45 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 22. Jun 2011 / 09:01 Uhr

Bei ihrem siebten Studioalbum lassen viele Bands oft kreativen Dampf und originelle Ideen vermissen. Doch im Fall von Death Cab For Cutie könnte wohl nichts weniger zutreffend sein.

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Death Cab for CutieDeath Cab for Cutie
Schliesslich ist «Codes And Keys» in puncto akustischer Erkundung und textlichen Ehrgeizes in der langen Vita der Band absolut einzigartig: Noch nie haben sie aufgeregter mit Strukturen, Wörtern, Sounds und dem Aufnahmeprozess selbst herumexperimentiert.

Death Cab For Cutie kreierten ihr «Codes And Keys» in verschiedenen Studios der US-Westküste in mehreren kurzen Explosionen über eine Dauer von sieben Monaten: im Sound City im kalifornischen Van Nuys (wo die Band «Meet Me On The Equinox», die Single vom «The Twilight Saga: New Moon»-Soundtrack, aufnahm), im The Warehouse in Vancouver, in Drummer Jason McGerrs eigenen Two Sticks Audio und im Tiny Telephone in San Francisco. Zwischen diesen zehn- oder vierzehntägigen Aufnahme-Sessions legten sie die Songs beiseite und «brüteten sie aus», wie Bassist Nick Harmer es ausdrückt.

Stück für Stück aufgenommen

 Zwar haben Death Cab For Cutie stets ihre beste Arbeit abgeliefert, wenn sie in dieser häppchenartigen Weise aufgenommen haben, doch Harmer sagt auch, dass der Entstehungsprozess von «Codes And Keys» so fragmentiert war wie nie zuvor. McGerr indes empfand es als unglaublich förderlich, hin und wieder ein bisschen Distanz von der Musik zu haben: «Es gab eine konstante Erneuerung durch frische Inspiration, die dadurch entstand, dass wir von Studio zu Studio umsiedelten.»

Doch anders als beim Aufnahmeprozess fürs das Grammy-nominierte «Narrow Stairs» von 2008 - ein Album, das die Band in Echtzeit aufnahm und mit nur wenigen Overdubs und Studiotricksereien versah - erwies sich «Codes And Keys» laut Gitarrist/Multi-Instrumentalist/Produzent Chris Walla als «Montage-Projekt».
Die Band konzentrierte sich darauf, die besten Aufnahmen ihrer Parts einzufangen - manchmal separat voneinander, manchmal zu zweit - und konstruierte die Songs, indem sie diese Performances und andere musikalische Ideen aufeinanderschichtete. «Wir haben zwar schon vorher kleine Songstücke in dieser Form zusammengebaut», meint Walla. «Aber wir haben vorher nie einen Faden bis zum Ende aus dem Pulli gezogen und dann daraus einen völlig neuen Pulli gemacht. Nicht auf diese Weise.»

Streicher-Orchester

Schon mit dem ersten Song, «Home Is A Fire», gibt «Codes And Keys» ein Statement ab: Knisterndes Schlagzeug schnattert unter mehreren Schichten wuseliger Rhythmen und gespenstisch hallender Vocals. Die üppige Instrumentierung fährt mit dem Titel-Track fort, auf dem Streicher des Magik*Magik Orchestra aus San Francisco im Takt mit Humpta-Drums und anmutigem Varieté-Piano schwingen. Jenes Orchester fügt auch «Stay Young, Go Dancing» eine gewisse Leichtigkeit hinzu, einem fröhlichen Album-Schlusspunkt, der so fantasievoll wie Randy Newmans Pixar-Movie-Beiträge ist.

 An anderer Stelle hat das New-Order-artige «Doors Unlocked And Open» eine dichte, düstere Bassline, während das Herzstück des Albums, «Unobstructed Views», schwerelose Electro-Geräusche mit engelsgleichem Funkeln und schrillem Piano verzahnt; das Ergebnis sind himmlische Explosions In The Sky. «St. Peter's Cathedral» beginnt mit a cappella-Gesang von Gibbard und erblüht Stück für Stück als schwermütiger aber irgendwie auch freudiger Song, der mit wortlosen, lebendigen Harmonien und filmisch synthetisiertem Brummen gefüllt ist.

«Bei jedem Song, den Ben [Gibbard] geschrieben hat, hat er wirklich viel mit seinem Songwriting herumexperimentiert», hat McGerr beobachtet. «Er hat seine Stimme eher als Instrument eingesetzt und nicht wie jemand, der einfach nur Texte singt.»

Experiment

 Auch Walla sagt, er habe «Codes And Keys» als ein Experiment gesehen und sei dankbar dafür, dass seine Bandkollegen «gewillt waren, mich bei mehreren Songs tief in den Kaninchenbau hinabtauchen zu lassen». An einige Songs ging er heran, als würde er ein wissenschaftliches Experiment durchführen, und schuf komplizierte Zahnrad-Konstrukte (man stelle sich die Rube-Goldberg-Maschine vor), um bestimmte Sounds zu kreieren, zu manipulieren oder auszulösen. Das Ergebnis ist ein komplexes Album, dessen Anlagen sich nur bei mehrmaligem Hören voll offenbaren. Selbst die poppigsten Momente auf «Codes And Keys», «Monday Morning» und «Underneath The Sycamore», warten mit dichten Schichten wuseliger Texturen auf, die unter der Oberfläche lauern.

 «In den vergangenen Jahren haben mich einige Alben bewegt, die eine ziemlich unkonventionelle Soundpalette haben», sagt Walla. «Ich habe gelernt, dass es Wege gibt, einen Song zu präsentieren und jemanden mit einer Klanglandschaft zu bewegen, die man vorher vielleicht noch nie gehört hat. Das wollte ich ausprobieren, ich wollte eine neue Visualität für das Song-Kino entwerfen.»

Zusammenhängendes Statement

Trotz des nomadischen Aufnahmeprozesses (und der ausgedehnten Klangpalette) zeugt es vom Talent und der Chemie der Band, dass «Codes And Keys» ein zusammenhängendes Statement geworden ist, eine Sammlung von Songs, die zum wohlstrukturierten Album verschmolzen ist. Walla erklärt, dass er über genau diesen Zusammenhalt im Vorfeld mit Mixer Alan Moulder diskutiert habe. «Mir ging es darum, ein wirkliches Album zu machen, nicht bloss eine Aneinanderreihung von Aufnahmen», sagt er. «Besonders als es um die Bearbeitung der Vocals und darum ging, schwere und düstere Zusammenhänge zwischen Strophen und Refrains zu ziehen, habe ich ihn gebeten, mutig zu sein und dick aufzutragen.»

Tatsächlich halfen Moulders geschickte Mixing-Ansätze, die nuancierten Details von «Codes And Keys» hervorzuheben. «Jeder Song ist sein eigenes kleines klangliches Abenteuer, um es mal ganz kitschig zu sagen», so Gibbard. «Für jeden noch so kleinen Sound hat er einen passenden Platz im Regal gefunden.»

(fest/news.ch)

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