Dem Exportweltmeister Deutschland fehlt die Binnennachfrage
publiziert: Mittwoch, 15. Okt 2003 / 11:32 Uhr

Frankfurt - Deutschland kann sich auch offiziell den Titel "Exportweltmeister" wieder auf die Fahne schreiben. Nach internationalen Statistiken haben Produkte "Made in Germany" im Welthandel wieder das Angebot des Wirtschaftsriesen USA übertrumpft.

Doch der Rollentausch auf den ersten beiden Positionen der WEltrangliste - vor Japan - ist weniger veränderten Warenströmen als Wechselkursverschiebungen zuzuschreiben. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate hat der Dollar zum Euro rund 17 Prozent an Wert verloren. Dies schlägt sich entsprechend in den Aussenhandelsstatistiken auf Dollar-Basis nieder.

Berücksichtigt man das viel kleinere Bruttoinlandsprodukt ist die Exportnation Deutschland - selbst ohne Wechselkurseffekt - auch in den vergangenen beiden Jahren schon "heimlicher Rekordhalter" gewesen.

Trotz der Schwäche des Welthandels kann die Bundesrepublik mit einem bescheidenen Anstieg der Ausfuhren von 1 bis 2 Prozent auch 2003 einen neuen Exportrekord verbuchen. Doch die seit drei Jahren anhaltende Stagnation ist kaum über noch höhere Ausfuhren zu überwinden. In der Autoindustrie werden schon 70 Prozent der hier zu Lande produzierten Modelle im Ausland verkauft.

Nur noch wenig Exportwachstum möglich

Im Maschinenbau - dem unbestrittenen Champion der Weltliga - liegt die Exportquote ebenfalls schon über 60 Prozent. Für den volkswirtschaftlichen Schub ist allerdings der Saldo aus Export und Import von Waren und Dienstleistungen (Aussenbeitrag) entscheidend.

Da die Einfuhren aber schon 2002 stärker stiegen als die Ausfuhren, ist von dieser Seite für den ersehnten Aufschwung nur wenig zu erwarten. Die entscheidende Schwachstelle der deutschen Konjunktur ist nach wie vor die schwache Binnennachfrage.

Doch auch hier deutet sich eine Aufhellung an. Nach einer am Dienstag von der Dresdner/Allianz-Gruppe vorgelegten Prognose wird die Bundesrepublik 2004 mit einem realen Wachstum von 2,0 (2003: 0,2) Prozent wieder in das europäische Mittelfeld rücken und das Schlusslicht an die Niederlande abgegeben.

Stütze Privatkonsum

Dabei sieht Chefökonom Michael Heise die Hauptstütze im privaten Konsum. 2003 hätten steigende Arbeitslosigkeit, höhere Abgaben für die Renten und Krankenversicherung die Lohneinkommen um rund fünf Milliarden Euro belastet.

Entsprechend seien die Nettolöhne und -gehälter um knapp 1 Prozent gesunken. 2004 sei dagegen durch das Vorziehen der Steuerreform sowie sinkende Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung mit einer Entlastung der Lohneinkommen um 17 Mrd. Euro zu rechnen.

Insgesamt rechnen die Dresdner/Allianz-Volkswirte 2004 mit einer Steigerung der verfügbaren Einkommen um 3 Prozent. Selbst bei einem weiteren Anstieg der Sparquote sei von einer realen Zunahme des privaten Verbrauchs von 2,0 (2003: 0,9) Prozent auszugehen.

Bedingungen für Aufschwung

Voraussetzung für eine binnenwirtschaftliche Belebung ist für Heise allerdings das Vorziehen der Steuerreform und die Verabschiedung der Agenda 2010. "Ohne Reform droht die Stagnation", mahnte er.

Auch der Bedarf an Ersatzinvestitionen - auf Grund der geringen Investitionstätigkeit in den zurückliegenden Quartalen - wird relativ hoch eingeschätzt. Unterstützt von niedrigen Zinsen und der Aufhellung am Aktienmarkt könnte 2004 sogar ein Investitionsschub von mehr als 6 (2003: 1,0) Prozent ausgelöst werden.

Das günstige Konjunkturbild setzt allerdings voraus, dass es nicht zu einer dramatischen Abwertung der US-Währung kommt. Euro-Kurse um 1,40 Dollar würde zwar die "Weltmeister-Statistik" zusätzlich schönen, die Exportperspektiven allerdings nachhaltig eintrüben.

(Wolf Pampel/dpa)

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