CNN-Umfrage
Dem Grossteil der Wähler ist das Theater egal
publiziert: Freitag, 7. Sep 2012 / 10:44 Uhr
Obama ruft zur Schicksalswahl auf.
Obama ruft zur Schicksalswahl auf.

Mitt Romney hatte seinen grossen Auftritt beim Parteitag der Republikaner letzte Woche und nun war auch Präsident Barack Obama bei den Demokraten an der Reihe. Doch inmitten des grellen Scheinwerferlichts, der Menschenmassen und den vielen Luftballons kann man eine Kleinigkeit relativ leicht übersehen: Dem Grossteil der Wähler ist das Theater egal.

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

CNN Election Center
America's Choise 2012
edition.cnn.com/ELECTION/2012/

«Die Parteitage gibt es seit etwa 180 Jahren. Die meiste Zeit davon galten sie nicht als ein Instrument, das die öffentliche Meinung verändern konnte − dafür waren die Conventions schliesslich auch nicht gedacht», sagte Keating Holland, der Umfragen-Chef für CNN.

«Ein paar Jahrzehnte lang ist es den Politikern dann zwar gelungen, aber für das 21. Jahrhundert liegen dafür bislang keine Beweise vor.»

Einst trugen die sogenannten «Conventions» dazu bei, die Kandidaten für das Amt des Präsidenten auszuwählen, doch inzwischen geschieht dies bereits Monate zuvor bei den Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten. Heute sind die Parteitage nur noch eine aufwendige und durchorganisierte Show für die Fernsehzuschauer des Landes − eine ideale Bühne für wichtige Figuren der Partei und grosse Versprechen für die Zeit nach der Wahl.

Laut einer Schätzung könnten die Demokraten − und all die Journalisten, Lobbyisten, Geldgeber und Aktivisten, die diese Woche ebenfalls in Charlotte, North Carolina, zu Besuch sind − der Region mehr als 120 Millionen Dollar bescheren. Die Republikaner und ihr Gefolge haben bei den Parteitagen in Tampa, Florida, angeblich sogar 140 Millionen Dollar in die dortigen Kassen gespült.

Romney und Obama gleichauf

Zwei Monate vor der Wahl liegen Romney und Obama im Grunde genommen in den meisten landesweiten Umfragen gleichauf. Nachdem der etwas weniger bekannte Herausforderer einem berühmten Amtsinhaber gegenübersteht, hätte Romney wohl hoffen dürfen, ein wenig vom Zusammenkommen der Republikaner letzte Woche zu profitieren, immerhin genoss er dort drei Tage lang die öffentliche Aufmerksamkeit und wurde von seinen Parteikollegen mit Lob überschüttet.

Doch Romney hat nur einen Prozentpunkt gegenüber der letzten CNN-Umfrage gutmachen können. Vor der Treffen seiner Partei lag Romneys Zustimmungsrate bei 47 Prozent, danach bei 48 Prozent. Sein Konkurrent Obama hingegen hat einen Prozentpunkt verloren und ist von 49 auf 48 Prozent gerutscht. Hollands Kommentar dazu: «Somit haben wir nun statt eines sehr knappen Kopf-an-Kopf-Rennens wirklich Gleichstand.»

Bis die neuen Umfragen vorliegen, wissen wir nicht, ob und wie sehr Obama von der Aufregung dieser Woche profitieren kann. Experten, die sich mit den Parteitagen der vergangenen Wahljahre beschäftigt haben, erwarten allerdings keine grossen Veränderungen in den Umfragen.

Conventions motivieren die vielen Freiwilligen

Dabei haben die Conventions der Parteien bis heute durchaus ihren Nutzen: Sie motivieren die vielen Freiwilligen, die den Wahlkampf unterstützen, und spülen Spendengelder in die Kassen. Doch wer sich zu sehr auf die Parteitage oder die Ergebnisse einer landesweiten Umfrage konzentriert, täuscht sich am Ende vielleicht.

In Amerika werden die Präsidentschaftswahlen Staat für Staat gewonnen oder verloren - völlig unabhängig davon, wer landesweit die meisten Stimmen erhält. In der Mehrzahl der Bundesstaaten sind die Wähler traditionell mehr den Republikanern oder den Demokraten zugetan, sodass der Ausgang dort bereits jetzt als relativ sicher gilt. Der richtige Wahlkampf konzentriert sich hingegen auf die umkämpften Staaten, die sogenannten «Swing States», wie Florida, Virginia, Ohio und einer Handvoll anderer, da die Kandidaten dort gute Chancen haben, die Wähler auf die eine oder die andere Seite zu ziehen.

Jonathan Mann
Dieser Text stammt von Jonathan Mann, Moderator und Journalist bei CNN International. Seine Kolumne steht in der Schweiz exklusiv für news.ch zur Verfügung. Mehr über das US-Wahljahr 2012 unter http://edition.cnn.com/ELECTION/2012.

(Kolumne von Jonathan Mann/CNN-News)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Charlotte - US-Präsident Barack Obama hat die Amerikaner auf die schicksalhafte Bedeutung der bevorstehenden Wahl hingewiesen ... mehr lesen 1
Obama ruft Amerikaner zur Schicksalswahl und warnt vor Romney.
Charlotte - Mit einer emotionalen Rede über ihre persönliche Familiengeschichte hat sich die First Lady Michelle Obama für die ... mehr lesen
Senatorin Dianne Feinstein will Klarheit schaffen.
Senatorin Dianne Feinstein will Klarheit ...
US-Politiker empört  Was vielen Leuten weltweit bereits seit Monaten die Zornesröte ins Gesicht treibt, verärgert nun auch einflussreiche Politiker Washingtons: Womöglich wurden auch sie von Vater Staat ausgespäht. 4
Ukraine Krise  Haben Präsident Barack Obama und die schwache US-Aussenpolitik Wladimir Putin den Weg geebnet und die Krim-Krise befördert?   1
Wandel in der Gesellschaft?  Denkt man an den US-Bundesstaat Arizona, hat man eigentlich Bilder von Cowboys, ...
Jan Brewer: «Religionsfreiheit ist ein Grundwert in Amerika und Arizona.»
John Ellis «Jeb» Bush.
Erst der Papa, dann der Bruder  Und wie steht es mit dem Rest der Welt? «Ich möchte diese Entscheidung auf den richtigen Moment vertagen. ...  
Titel Forum Teaser
Hillary Clinton: Reich und gesund.
Whitehouse Ehepaar Clinton: 140 Mio. Dollar in acht Jahren Washington - Die demokratische ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SO MO DI MI DO FR
Zürich 13°C 20°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Basel 10°C 23°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
St.Gallen 13°C 23°C leicht bewölkt, wenig Regen sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Bern 15°C 26°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Luzern 16°C 26°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Genf 14°C 28°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
Lugano 16°C 27°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten