Keine Entwarnung
Der Anteil der multiresistenten Bakterien bleibt unverändert hoch
publiziert: Dienstag, 13. Okt 2015 / 16:47 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 13. Okt 2015 / 17:14 Uhr
Multiresistente Bakterien können entstehen, wenn ganze Zuchten flächendeckend mit Antibiotika behandelt werden.
Multiresistente Bakterien können entstehen, wenn ganze Zuchten flächendeckend mit Antibiotika behandelt werden.

Bern - In der Schweiz werden immer weniger Antibiotika für den Einsatz in der Nutztierhaltung verkauft. Für eine Entwarnung ist es aber zu früh: Der Anteil multiresistenter Bakterien, die kaum oder gar nicht bekämpft werden können, ist unverändert hoch.

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Solche Bakterien können entstehen, wenn ganze Zuchten flächendeckend mit Antibiotika behandelt werden. Gemäss einem am Dienstag vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) publizierten Bericht haben Resistenzen bei Campylobacter-Bakterien weiter zugenommen. Diese kommen besonders häufig beim Poulet vor und können durch den Konsum von nicht durchgegartem Fleisch auf den Menschen übertragen werden.

Der Anteil von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) bei Mastschweinen ist gemäss dem Bericht ebenfalls gestiegen, und zwar von 2 Prozent im Jahr 2009 auf 26,5 Prozent im Jahr 2014. Die Bakterien können beim Menschen lebensbedrohliche Infektionen auslösen, die sich wegen der Antibiotikaresistenz nicht behandelt lassen. Bei Darmbakterien von Poulets sanken die Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika in den letzten Jahren hingegen.

30 Prozent weniger Antibiotika aus der Veterinärmedizin

Mögliche Ursache dafür ist, dass in der Veterinärmedizin insgesamt weniger Antibiotika verkauft wurden. Wurden 2008 noch rund 72'000 Kilogramm in Verkehr gebracht, waren es 2014 noch 49'000 Kilogramm. Das entspricht einem Rückgang von fast einem Drittel innerhalb von sieben Jahren.

Diese Verkaufsstatistik lässt jedoch keine Schlüsse zu über den effektiven Einsatz der Antibiotika. Es ist nicht bekannt, bei welchen Tierarten, Krankheiten oder über welchen Zeitraum hinweg die Wirkstoffe verabreicht wurden. Zudem haben verschiedene Antibiotikagruppen eine unterschiedliche Wirkungsstärke. Klarheit würde die im Heilmittelgesetz vorgesehene Antibiotika-Datenbank bringen. Die Revision wird derzeit vom Parlament beraten.

Daten zur beunruhigenden Zunahme von Antibiotikaresistenzen sollen auch im Rahmen der nationalen Antibiotikastrategie (StAR) erhoben werden. Diese hat zum Ziel, die Wirksamkeit von Antibiotika langfristig sicherzustellen. In der Anhörung ist die Strategie auf Zustimmung gestossen. Laut BLV könnte der Bundesrat gegen Ende des Jahres über die Umsetzung entscheiden.

 

(fest/sda)

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Surrealismus
"Mögliche Ursache dafür ist, dass in der Veterinärmedizin insgesamt weniger Antibiotika verkauft wurden"

Wisst Ihr, so etwas lesen zu müssen ist einfach nur zynisch!

Es wurde WENIGER Antibiotika verkauft. Ja was! Heieiei! Das ist ein Grund für unermessliche, nie dagewesene Freude!

Antibiotika hat in der Tierhaltung gar nichts verloren und schon gar nicht flächendeckend und präventiv.
Aber genau das wird in der Geflügelzucht gemacht.

Fragen Sie mal einen Geflügelzüchter. Eine Bio-Zucht darf meines Wissens höchstens 500 Hühner umfassen. Denn da ungefähr liegt die Grenze, oberhalb deren die Tiere durch Stress erkranken.
Bio-Hühnerfarmen benötigen daher im Normalfall keine Antibiotika, weil die Tiere nicht krank werden.

Aber alle anderen Geflügelzüchter haben 2000 und mehr. Damit das möglich ist, ohne dass die Tiere verenden, wird ihnen VORSORGLICH mit dem Futter Antibiotika verabreicht, das nicht nur durch die Anwendung selbst Resistenzen verursachen kann, sondern dann vom Menschen über Eier und Fleisch auch noch eingenommen wird.

Nicht umsonst muss man ja bei der Verarbeitung von Poulet-Fleisch in der Küche die Hände unbedingt waschen, NACHDEM man das Fleisch berührt hat. Sonst landen unangenehme lebendige, aber nicht sichtbare Zeitgenossen eventuell an anderen Orten in der Küche und auf anderen Lebensmitteln, wo sie sich verbreiten können.

Mmmhhh! Läuft Ihnen bei dieser Vorstellung nicht auch das Wasser im Mund zusammen?
Gut, man muss zur Beruhigung anfügen: nach dem Kochen oder Braten sind die winzigen Viecher tot und harmlos. Aber vorher....

Und wozu das alles? Tja, einzig und allein deshalb, weil die Züchter 2000 und mehr, statt nur maximal 500 Hühner im Stall haben.

Ist das nicht irgendwie surreal? Alle wissen das. Der Züchter weiss es. Der Tierarzt weiss es. Die Grossverteiler wissen es. Die Pharmaindustrie weiss es. Die Humanmediziner wissen es.

Aber wissen SIE was? Man macht einfach weiter und meldet dann hie und da in den Medien, dass einerseits die Sterblichkeit aufgrund Antibiotika-resistenter Keime zugenommen hätte (also die Humansterblichkeit), aber dass ja jetzt zum Glück WENIGER Antibiotika sinnlos verfüttert werde.

Das ist Euch allen Wurst, oder? Schliesslich hat man ja auch noch echte Probleme, was soll man sich mit sowas befassen.
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