Der Anti-Beliebigkeits-Papst
publiziert: Montag, 4. Apr 2005 / 11:16 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 5. Apr 2005 / 11:26 Uhr

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Mit dem Tod von Johannes Paul II begann die Diskussion seines Vermächtnisses. Sein Erbe ist enorm, schon Aufgrund seiner langen Amtsdauer. Noch grösser wurde es dadurch, dass seine Amtszeit in eine Zeit des Umbruchs fiel, an dem er selbst – je nach Ansicht – erheblich mit gewirkt hatte.

Nach Aussen war er immer ein Kämpfer für die Freiheit der Menschen, nach Innen aber wurde ihm Konservativismus und rigides Strukturdenken vorgeworfen. Die Frau blieb für ihn eine stumme Gläubige. Homosexualität war und ist für die Kirche keine Veranlagung, sondern Sünde, wenn sie ausgelebt wird. Demokratie und Liberalismus haben keinen Platz unter dem Kreuz. Die Folgen für die Kirchen in Westeuropa und Amerika waren verheerend. Kirchenaustritte von Hunderttausenden wurden Jahr für Jahr die Regel.

Der Vorwurf an die katholische Kirche war jeweils immer der Gleiche: Sie sei nicht mehr zeitgemäss, der Papst weigere sich, die Zeichen der Gegenwart zu erkennen und die Kirche diesen anzupassen.

Wer solche Vorwürfe macht, übersieht eines: Die katholische Kirche ist nicht zeitgemäss und kann es auch gar nicht sein. Die Basis auf der die katholische (und auch andere Kirchen) fussen, sind Bücher, die nicht überprüfbare Ereignisse erzählen, die vor 2000 Jahren angeblich stattfanden. Die moralischen Werte und Ansichten sind daher jene, die zu der damaligen Zeit entscheidend waren.

Wenn Johannes Paul II diese Werte hochhielt, war er lediglich konsequent und machte seine Gläubigen darauf aufmerksam, dass die Bibel keine Basis für eine Kuschelreligion ist. In der Bibel sind die Frauen marginalisiert, es sei denn, sie gebären Söhne. Im alten Testament ruft Gott die Juden zu Gräueltaten an anderen Völkern auf. Ebenso wird Homosexualität verdammt. Auf die Widersprüche in der Bibel soll hier gar nicht erst eingegangen werden.

Wenn ein Kirchenführer diese Grundlage aber ernst nimmt, was der verstorbene Papst mit Sicherheit tat, dann bleibt nicht viel Platz für Nettigkeiten. In einer bibelbasierten Kirche ist Gott kein lieber, verzeihender, sondern einer, der völlige Hingabe fordert und keine Zweifel an seinen Worten duldet. Kein Platz für Versuche und neue Strömungen.

Johannes Paul II zog genau dies durch. Ihm deswegen einen Vorwurf machen zu wollen, ist lächerlich. Wenn viele Leute ein bisschen Christ sein wollen, aber doch nicht so ganz, betreiben sie eine Religion der Beliebigkeit. Und genau dies ist in den letzten Jahrzehnten immer häufiger der Fall geworden. Denn die meisten, die aus der Kirche austraten, machten dies nicht, weil sie sich konsequent mit dem Glauben auseinander gesetzt hatten. Sie taten dies, weil der präsentierte Glaube nicht ihren Vorstellungen entsprach und sie eine eigene, bequeme Ecke suchten, in der vorehelicher Sex, kiffen, Ausschlafen am Sonntag ohne Gottesdienst, Gleichberechtigung von Mann und Frau und Scheidung möglich ist.

Die Frage ist daher nicht, ob Karol Wojtila die Kirche unzeitgemäss gestaltet hat. Die Frage ist, ob 2000jährige Religionen zeitgemäss sind. Diese Antwort muss sich jeder selbst geben. Der Weg dorthin kann nur über das Studium der Schriften führen: Wer danach noch Christ sein will, darf auch nicht über einen autoritären Papst klagen. Die anderen werden der Kirche den Rücken kehren und auch wissen, warum.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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