Der Europäische Gewerkschaftsbund wählt neue Führung
publiziert: Donnerstag, 29. Mai 2003 / 17:30 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 29. Mai 2003 / 17:58 Uhr

Prag/Bern - Im Zeichen von wirtschaftlicher Unsicherheit in Europa hat der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) eine neue Führung gewählt und damit einen Generationenwechsel vollzogen. Der EGB rief gleichzeitg zu einer Stärkung des sozialen Dialogs auf.

Der Spanier Cándido Méndez.
Der Spanier Cándido Méndez.
Neuer Präsident wurde der Spanier Cándido Méndez. In die einflussreiche Position des Generalsekretärs wählten die Delegierten, darunter Vertreter des Schweizer Gewerkschaftsverbands Travail.Suisse, den britischen Gewerkschafter John Monks.

Méndez und Monks lösen nach 16-jähriger Amtszeit den Österreicher Fritz Verzetnitsch und den Italiener Emilio Gabaglio ab. Der EGB vertritt 60 Millionen Arbeitnehmer in Europa.

Ein zentrales Thema des Kongresses, der in Prag zu Ende ging, war die Weiterentwicklung des europäischen Sozialmodells. In der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sei die Gefahr eines Sozialabbaus gross, sagte Bruno Weber-Gobet von Travail.Suisse auf Anfrage.

Wenn Westeuropa daran rüttelt, zerfällt für die Gewerkschaften im Osten diese Vorgabe. Dabei bestehe schon enormer Druck seitens der Regierungen osteuropäischer Länder, welche die EU-Richtlinien erfüllen möchten.

Eine weitere EGB-Forderung, die laut Weber-Gobet auch für die Schweiz gilt, ist jene nach einer klaren Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik der Regierungen. Diese Felder würden oft dem Zufall überlassen, den man dann Markt nennt. In der Schweiz müsse konkret mehr in Forschung, Entwickung und Bildung investiert werden.

Beim Thema Rentenreform war sich der Kongress laut Weber-Gobet einig, dass neue Pläne der Regierungen immer im Dialog mit den Gewerkschaften erarbeitet werden müssen. Der Streit in Deutschland und Österreich zeige, dass dies oft nicht der Fall sei.

In der Schweiz sei der soziale Dialog zwar nicht schlecht. Vorschläge wie jene von Pascal Couchepin würde die Leute jedoch nur verunsichern. Der Sozialminister hatte Anfang Woche seine Vorschläge zur Sicherung der AHV vorgelegt, namentlich ein Rentenalter 67, eine gebremste Rentenanpassung und neue Mehrwertsteuerzuschläge.

(bert/sda)

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