Der FCZ - Jung und wild zum Erfolg
publiziert: Sonntag, 14. Mai 2006 / 00:09 Uhr

Zürich durchbrach überraschend Basels Leaderstellung. Dank dem Sieg im letzten Spiel der Saison sicherte sich der FCZ den zehnten Meistertitel der Vereinsgeschichte.

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Der Titel ist die Folge einer lange Zeit im Stadtklub nicht gekannten Kontinuität.

Gewiss mag ein Titelgewinn mit einem Sieg im letzten Spiel und «nur» dank der besseren Tordifferenz als glücklich erscheinen. Gewiss scheint jene Mannschaft schlecht belohnt, die während fast 30 Runden die Tabelle anführte und die Schweiz im UEFA-Cup derart lange repräsentierte.

Doch Zürich bezwang den vermeintlichen Branchenleader Basel im entscheidenden Spiel auf dessen Terrain und beendete eine Serie von 59 Heimspielen ohne Niederlage. Und der FCZ beendete die Saison mit sieben Siegen in Folge und blieb gar 24 Mal unbezwungen.

An Favre als Trainer festgehalten

Wenig hätte gefehlt und Lucien Favre wäre nach nur einem halben Jahr als Trainer des FC Zürich wieder in die Wüste geschickt worden. Die Zukunft des Romands hing im Dezember 2003 am Cupspiel beim unterklassigen Meyrin. Der FCZ gewann jene Partie, und Sven Hotz, Präsident und erster Fan, hielt an Favre als Trainer fest.

Andere personelle Wechsel in der Winterpause 2003/04 erwiesen sich auf dem Weg zum ersten Titel seit 25 Jahren als Glücksfall. Fredy Bickel wurde als Sportchef engagiert, wenig später stiessen die Copains Harry Gämperle (Assistent) und Martin Brunner (Goalietrainer) zum Staff.

Dieses Trio hatte einst schon YB aus den Niederungen der NLB wieder ins Scheinwerferlicht der höchsten Spielklasse geführt, und arbeitet jetzt erfolgreich im Letzigrund. Dazu haben sie einen Trainer, der akribisch arbeitet und Freude am offensiven Fussball hat.

Gemeinsam brachten sie den FCZ auf den Kurs der Kontiunität und Konstanz. Kleine Ziele formulierten sie innerhalb der Mannschaft; aus jeweils vier Spielen wurden sieben Punkte anvisiert.

Massvoller Umgang mit finanziellen Mitteln

Gezielt formten Bickel und Favre, die sich durchaus auch im Clinch waren über Engagements von Spielern, jene Equipe, die 2005 den Cup gewann und die nur ein Jahr später - und damit früher als erwartet - Basel im Titelkampf nicht nur lange forderte, sondern den Schweizer Klassenprimus hinter sich liess.

Dabei kann der FCZ nicht mehr auf die blinde finanzielle Unterstützung Hotz´ zählen. Der 76-jährige Unternehmer, der in seinen knapp 20 Jahren als Präsident wohl gegen 50 Millionen einschoss, oktroyierte sich und dadurch auch dem Verein massvolleren Umgang mit seinen finanziellen Mitteln.

Auf teure Zuzüge verzichtet

So wurde der Abgang von Mihai Tararache in der letzten Winterpause durch die Verpflichtung von Gökhan Inler, der in Aarau zuletzt nur Ersatz gewesen war, kompensiert. Auf teure Zuzüge wurde verzichtet, verpflichtet wurden junge Spieler mit entsprechenden Potenzial.

Die konsequente Transferpolitik der letzten zwei Saisons zahlte sich aus. Xavier Margairaz, Rafael, Steve von Bergen oder eben zuletzt Inler -- alle erst knapp über 20-jährig - entpuppten sich (mehr oder weniger erwartet) als Trouvaillen, die in den Letzigrund geholt wurden.

Lange Zeit wurde der Erfolg im FCZ mit teuren Blitztransfers, überhasteten Trainerwechseln gesucht. Einzig unter Raimondo Ponte herrschte zumindest temporär ein Phase der Ruhe und eben auch des Erfolgs. Nach Pontes sinnbildlichem Abgang durchs Fenster des Trainerbüros kehrte am Letzigraben wieder jene Unruhe ein, die den Verein im letzten Vierteljahrhundert nachhaltig prägten - trotz des Cupsiegs 2000.

Goldener Stern auf den Trikots

Mit dem jüngsten Erfolg, der in der nächsten Saison auch auf den Trikots in Form eines goldenen Sterns für zehn gewonnene Meistertitel sichtbar sein wird, erfüllt sich vor allem der Traum von Sven Hotz. 1986 übernahm er das Präsidium im FCZ und litt so manche Stunde mit seinem liebsten (und teuersten) Hobby.

Dass ausgerechnet jener Trainer ihm den ersten Meistertitel seiner Amtszeit schenkte, den er ohne Einflüsterer wohl längst entlassen hätte, ist nunmehr nur noch eine kleine Randnotiz. Wie auch der Vorsprung von über 20 Punkten auf den Stadtrivalen GC.

Meister FC Zürich - Namen und Zahlen

Name: FC Zürich. -- Klubfarben: weiss-blau. -- Gründungsjahr: 1. August 1896. -- Stadion: Letzigrund. -- Kapazität: 23 605 Zuschauer.

Präsident: Sven Hotz. -- Sportchef: Fredy Bickel. -- Trainer: Lucien Favre (seit 1. Juli 2003). -- Trainer-Assistent: Harry Gämperle. -- Goalietrainer: Martin Brunner. -- Konditionstrainer: Hans Tanner. -- Budget: 8,5 Mio. Franken.

Meistertitel: 10 (1902, 1924, 1963, 1966, 1968, 1974, 1975, 1976, 1981, 2006). -- Cupsiege: 7 (1966, 1970, 1972, 1973, 1976, 2000, 2005). -- Europacup-Teilnahmen: 20. -- 2x Qualifikation für die Halbfinals. Meistercup 1964 (1:8 gegen Real Madrid/h 1:2, a 0:6). Meistercup 1977 (1:6 gegen Liverpool/h 1:3, a 0:3).

Das Kader des Schweizer Meisters:

Tor: Johnny Leoni (21), Davide Taini (29).

Verteidigung: Iulian Filipescu (Rum,32), Alain Nef (24), Giuseppe Rapisarda (20), Marc Schneider (25), Florian Stahel (21), Daniel Stucki (24), Steve von Bergen (22).

Mittelfeld: Almen Abdi (19), Cesar (Br,26), Franco Di Jorio (32), Blerim Dzemaili (20), Gökhan Inler (21/im Januar von Aarau), Xavier Margairaz (22), Mihai Tararache (Rum, 28/im Januar zu Duisburg).

Sturm: Lado Achalaia (Geor, 23/im September zu Dinamo Tiflis), Alexandre Alphonse (Fr, 23/im September von La Chaux-de-Fonds), Alhassane Keita (Guinea, 22), Rafael (Br, 21), Kresimir Stanic (21).

Die Torschützen im Meisterjahr:

Keita (20), Rafael (14), Cesar (12), Alphonse (8), Margairaz (6), Nef (4), Schneider (4), Dzemaili (3), Stanic (3), Di Jorio (2), Inler (2), Stahel (2), Tararache (2), Achalaia (1), Filipescu (1).

(Sascha Rhyner/Si)

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