auf Gummireifen in die Zukunft
Der Guide Michelin
publiziert: Donnerstag, 11. Mai 2017 / 14:18 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 11. Mai 2017 / 14:39 Uhr

Im Dezember 2016 wurde, wie jedes Jahr um diese Zeit, wieder der neueste Guide Michelin vorgestellt. Wieder einmal haben die Restaurant-Tester von Michelin zugeschlagen, das mit Bangen erwartete Urteil verkündet und ihre heiss begehrten Sterne vergeben. Diese Sterne wurden zum ersten Mal im Jahr 1926 vergeben. Und haben seither einen extrem hohen Status in der Welt der Gastronomie erlangt.

Die am meisten begehrte 3-Sterne-Kategorie ist hart umkämpft und die Testesser haben hier keinen leichten Job. Auch in diesem Jahr bleibt es bei 10 Häusern in der exquisiten Kategorie, in der man sich nun auf eine ganzes Jahr voller ständig ausgebuchter Häuser freuen kann. Der Rubel rollt und der Gaumen der Auserwählten, denen es gelingt ein Plätzchen an den begehrten Tischen zu erlangen, darf in Vorfreude schon einmal langsam die Speicheldrüsen ankurbeln. Doch was hat das alles was mit den Michelin Reifen zu tun?

Nun ja, mit Reifen fing alles an. Oder fast. Denn eigentlich angefangen hat das alles mit Spielzeug - genauer, mit Gummibällen für die lieben Kinder. Bis einer der Brüder Michelin bei der Reparatur eines Fahrradreifens die zündende Idee hatte - ein auswechselbarer, mit Luft gefüllter Reifen musste her. Dass wir diese heute alle für unsere Autos, Motorräder, Fahrräder und fast jedes auf Reifen laufende Fahrzeug nutzen, damit hat er vielleicht nicht gerechnet. Doch die Reifen sind auch immer noch dabei. Heute ist Michelin eine noch viel stärkere Marke als in den Anfängen. Wer kennt nicht den Michelin-Mann, in Frankreich bekannt als der Bibendum?

Das Hauptquartier liegt immer noch dort, wo damals alles anfing, am Place des Carmes im französischen Clermont-Ferrand. Hier, zwischen den Reifen quasi, arbeiten auch die Tester des Guide Michelin - undercover. Die Tester arbeiten unter vollständiger Geheimhaltung, selbst die engsten Kollegen wissen nicht, was die Aufgabe ihrer Büronachbarn ist. Sind die Sterne so begehrt, dass man Bestechung fürchtet oder gar Unerfreulicheres? Die Vermutung liegt nah.

Wenn ein Restaurant einen Michelin-Stern erhält oder gar drei, dann hat der Koch/ die Köchin beruflich ein hohes Ziel erreicht, bzw. eines der höchsten Zeichen der Anerkennung erhalten. Ein Stern bedeutet, das man sein Geld als Koch mehr als wert ist, zwei Sterne bedeuten, das Restaurant ist hervorragend, und jederzeit einen Umweg wert, und drei Sterne bedeuten, dass man eigens des Restaurants wegen anreisen sollte, und mindestens sechs Monate im Voraus bucht. Als Koch braucht man sich über seine berufliche Zukunft dann auch keine Gedanken mehr zu machen, diese ist gesichert.

Von den Gummibällen für die Kleinen, über das erste Transportprodukt, einen Bremsklotz für Kutschen, über Radreifen, Autoreifen und Reiseführer bis zu den Restaurantführern und den begehrten Michelinsternen - wer hier vor hundert Jahren mittels einer Kristallkugel in die Zukunft hätte schauen können, hätte die Kugel wahrscheinlich gleich einschmelzen lassen. Doch spätestens der Michelin-Mann machte klar, dass vor diesem Unternehmen eine interessante Zukunft liegt. Der gepolsterte Muskelprotz wurde sogar 2002 von der Financial Times zum besten Unternehmenslogo aller Zeiten gewählt.

(ja/IFJ)

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