Der Kofferträger ist kein Fluchthelfer
publiziert: Montag, 3. Mrz 2003 / 12:17 Uhr

Lausanne - Weil er das Reisegepäck von zwei polizeilich gesuchten Betrügern im Hotel abgeholt hat, ist ein Mann von der Zürcher Justiz wegen Begünstigung verurteilt worden. Zu Unrecht, wie nun das Bundesgericht entschieden hat.

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Die Zürcher Polizei hatte im März 2001 zwei mutmassliche Betrüger in einem Hotel kontrolliert. Da nichts festgestellt werden konnte, wurden sie laufengelassen. Erst als die Beiden in ein Taxi stiegen, fiel einem Polizisten das ungewöhnliche Schuhwerk eines Verdächtigen auf, wie es in der Anzeige beschrieben worden war.

Die zwei Männer wurden daraufhin zur Verhaftung ausgeschrieben. Die Hotelrezeption wurde angewiesen, bei ihrer Rückkehr die Polizei zu kontaktieren. Die Beiden kamen aber nicht mehr. Vielmehr holte ein Dritter im Auftrag der Gesuchten und im Wissen um den Hintergrund ihr Gepäck ab und brachte es ihnen in ein anderes Hotel.

Die Zürcher Justiz verurteilte ihn dafür wegen Begünstigung zu 14 Tagen Gefängnis bedingt. Das Bundesgericht hat seine Beschwerde nun aber gutgeheissen.

Der Verurteilte hatte argumentiert, dass die beiden Gesuchten auch ohne seine Hilfe nicht ins Hotel zurückgekehrt wären, sondern einfach ihr Gepäck liegen gelassen hätten. Dieser Einwand überzeugte das Bundesgericht. Es sei nicht erwiesen, dass das Gepäck etwas anderes als Reiseutensilienen enthalten habe, hielt es fest.

Die ohne weiteres ersetzbaren persönlichen Effekten hätten den Gesuchten ihre Flucht lediglich etwas angenehmer gestaltet, sie jedoch nicht wirklich fördern können. Damit sei nicht ersichtlich, inwiefern der Verurteilte die Gesuchten dem Zugriff der Polizei für eine gewisse, nicht unerhebliche Zeit entzogen habe.

(bert/sda)

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