Nach den Niederlagen von Stanislas Wawrinka und Roger Federer am Starttag hätten die Olympiasieger das Doppel gewinnen müssen, um der Schweiz am Sonntag noch eine Siegeschance zu geben. "Fedrinka" waren aber nur partiell auf der Höhe der Aufgabe und unterlagen gegen Mike Bryan/Mardy Fish 6:4, 3:6, 3:6, 3:6, worauf die bis zuletzt vorhandene Hoffnung grosser Ernüchterung Platz machte, welche einzelne Fans sogar mit Pfiffen manifestierten.
Damit spielen die Amerikaner am Osterwochenende in Kanada oder Frankreich (Stand bei Redaktionsschluss 1:2) um den Halbfinaleinzug, die Schweizer werden sich Mitte September gegen den Abstieg aus der Weltgruppe zu wehren haben. Die Partien vom Sonntag zwischen Michael Lammer und Ryan Harrison (6:7,6:7) sowie Marco Chiudinelli und John Isner (3:6, 4:6) hatten nur noch statistischen Wert, beide Schweizer zeigten indes couragierte Leistungen.
Ähnliche Physiognomie in Federer-Partien
Dass es am Sonntag nur noch um die Ehre ging, hatten vor Beginn der Partie am Freitag zwar einige Auguren prognostiziert, allerdings hatten sie sich ein ganz anderes Szenario ausgerechnet. Ein 3:0 nach zwei Tagen schien zwar möglich, aber nur zu Gunsten der Schweizer, mit einem "sweep" der Amerikaner hatten nicht einmal die grössten Optimisten aus dem "Sternenbanner-Team" gerechnet. "Wir sind extrem erstaunt, dass alles so gut für uns gelaufen ist und wir ein so starkes Team wie die Schweizer auswärts so klar bezwingen konnten", sagte Mike Bryan nach seinem 20. Sieg im 22. Davis-Cup-Doppel.
Am Samstag hatte sich Bryan ebenso als Partykiller erwiesen wie am Vortag John Isner, und Leidtragender war erneut Roger Federer, diesmal zusammen mit Stanislas Wawrinka. Die Physiognomie der beiden Federer-Partien wies dabei Parallelen auf. Die Schweizer Fans durften beide Male nach einem frühen Break über den Gewinn des Startsatzes jubeln, anschliessend bekamen die Amerikaner aber jeweils Oberwasser.
Mike Bryan, der wohl derzeit beste Doppelspieler auf dem Planeten, spielte am Samstag fast fehlerfrei und Mardy Fish steigerte sich nach nervösem Beginn enorm. Bei den Schweizern wechselten sich hingegen Höhen und Tiefen ab. Stanislas Wawrinka konnte in seinem zehnten Davis-Cup-Doppel (neue Bilanz 2:8) nicht kaschieren, dass er im Doppel ohne viel Matchpraxis Mühe hat und Roger Federer spielte nicht so unwiderstehlich wie sonst, verschlug relativ viele Returns,war wiederholt einen Schritt zu spät und nicht der klare Leader, der er in einem Doppel mit dem Romand sein müsste
Zudem taten sich die Schweizer erneut mit dem Ballabsprung schwer, symptomatisch hiefür der zweitletzte Punkt, als der Ball durchrutschte und Federer so die Rückhand nicht einmal schlagen konnte. "Die Amerikaner waren im Doppel leicht favorisiert, aber wir hatten unsere Chancen. Sie haben ihre Möglichkeiten aber besser genutzt und deshalb verdient gewonnen", fasste Federer zusammen.
Federers doppelte Negativpremiere
Statt sich endlich wieder einmal gegen oben orientieren zu können, geht der Blick der Schweizer damit wie seit 2005 immer wieder nach unten. Federer selber hatte eine doppelte Negativpremiere zu verarbeiten: Erstmals überhaupt in seiner Daviscup-Karriere wurde er am Freitag und Samstag bezwungen. Seine Enttäuschung war aber zumindest gegen aussen erstaunlicherweise nicht riesig: "Wir hofften natürlich schon, dass wir uns in den Sonntag würden retten können und da wäre ich gegen Fish Favorit gewesen und man weiss, dass danach in einem fünften Match alles möglich ist. Insgesamt war es aber ein gutes Wochenende, einzig das Resultat hat nicht gestimmt, man muss aber auch sehen, dass die Amerikaner sehr stark waren."
Fragezeichen punkto Belagswahl
Bei der Analyse wollte sich Federer auch nicht damit aufhalten, dass die Belagswahl des Teams Fragen aufwarf, weil der schnelle Sandcourt im Forum Fribourg, auf einer Höhe von rund 700 Metern, den Gästen viel besser passte als erwartet: "Wir müssen das sicher intern noch einmal anschauen, aber das hervorzuheben, ist falsch. Die Amerikaner waren besser als wir und wir haben im Februar auch nicht die Möglichkeit, in Miami, Portland oder New York zu spielen oder sonst outdoor, wie das zum Beispiel im Süden von Europa möglich ist."
Zwei positive Faktoren gab es trotz der Niederlage: Erstens ist die Euphorie rund um den besten Schweizer Sportler aller Zeiten ungebrochen. An beiden Tagen waren fast 8000 Fans präsent, am Freitagmorgen waren einige Unverdrossene bei bitterer Kälte sogar um 5.30 Uhr für die wenigen Tickets angestanden, die noch an der Tageskasse in den Verkauf gelangt waren. Und mindestens finanziell hat sich die Doppelveranstaltung innert Wochenfrist gelohnt: Swiss-Tennis-Vizepräsident und OK-Präsident Erik Keller rechnet in etwa mit einem Plus von 650 bis 750'000 Franken, dank dem auch der Verlust aus dem Fedcup gegen Australien (ca. 170'000 Franken) ausgeglichen werden kann. Die Hälfte des Davis-Cup-Überschusses geht an das Kader,dem Verband bleibt also ein Plus im tieferen sechsstelligen Bereich.
Die Schweizer müssen sich noch knapp zwei Monate gedulden, ehe sie ihren nächsten Gegner kennen. Die Playoff-Auslosung findet am 11. April statt
(fest/Si)