Der Tod ist alltäglich in Ost-Kongo
publiziert: Mittwoch, 18. Mai 2005 / 07:58 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 18. Mai 2005 / 08:34 Uhr

Kakwa - Aimé sieht aus wie eine schwarze Kinderpuppe. Seine Grossmutter wäscht den kleinen Jungen in einer Plastikschüssel, kämmt sein krauses Haar und zieht ihm ein neues Hemdchen an, das ihm viel zu gross ist.

In Ost-Kongo sind 100 000 auf der Flucht.
In Ost-Kongo sind 100 000 auf der Flucht.
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Dann schliesst sie ihm behutsam die Augen und legt ihn in einen winzigen Kindersarg. Aimé wurde nur drei Monate alt. Seine Mutter brachte ihn kurz nach einem Milizen-Angriff auf ihr Dorf in einem Flüchtlingslager im Osten Kongos zur Welt.

Tod durch Durchfall

Der Kleine starb an Durchfall - harmlos in Europa, aber tödlich in einer Gegend, in der seit Jahren immer wieder der Krieg aufflackert. Die Familie begleitet den Sarg in einer Prozession laut singend zum Friedhof am Rande des Flüchtlingslagers.

Der Tod ist alltäglich, davon zeugen die vielen frischen Erdhügel am Rande des Lagers. Auf einigen stecken kleine Kreuze, aus Ästen zusammengebunden, andere sind nur mit einem Büschel Schilfgras geschmückt.

Hier in Kakwa, am Ufer des Albertsees, der Kongo von Uganda trennt, war vor einigen Wochen die Cholera ausgebrochen und breitete sich schnell in den Flüchtlingslagern aus. Mehr als 1400 Menschen erkrankten, etwa 30 starben.

Wenig Aufmerksamkeit

Das Elend der etwa 100 000 Flüchtlinge in der Provinz Ituri im Osten des Landes findet international nur wenig Aufmerksamkeit. Zu verworren ist die politische Lage, zu schwer erreichbar sind die Lager aus Strohhütten, die mit Plastikplanen nur notdürftig gegen die kräftigen Regengüsse geschützt sind.

Mindestens sieben bewaffnete Gruppen kämpfen um die Kontrolle der Region, in deren Boden sich Gold, Diamanten und wertvolle Mineralien finden. Ituri könnte ein Paradies sein, die Kornkammer des ganzen Landes, das etwa so gross ist wie Westeuropa. Die sattgrüne, hügelige Landschaft strotzt vor Fruchtbarkeit.

Milizen verhindern Landwirtschaft

Doch die Milizen verhindern, dass die Menschen ihre Felder bebauen und stehlen ihnen ihr Vieh. In Kakwa und den anderen Lagern ernähren sich die Flüchtlinge vor allem von Maniokwurzeln, die getrocknet, gestampft und zu einem stärkehaltigen Brei gekocht werden.

Das Welternährungsprogramm (WFP) versorgt sie mit Öl, Salz und importierten Bohnen, die sie auch selbst anbauen könnten, wenn denn endlich Frieden herrschte. Etwa ein Fünftel der Kleinkinder ist unterernährt.

Die UNO-Mission in Kongo hat den Schutz einiger Flüchtlingslager mittlerweile der kongolesischen Armee übertragen. Die von Belgiern ausgebildete Ituri-Brigade ist die erste einsatzfähige Einheit der im Aufbau befindlichen Armee.

Doch ein grosser Teil des Geldes verschwindet in dunklen Kanälen. "Wir bekommen im Monat nur 5000 Franc (zehn Euro) Sold", klagt einer der Soldaten, der das Lager in Kakwa beschützen soll. "Unsere Funkgeräte funktionieren nicht, und Fahrzeuge haben wir auch nicht." Viele Flüchtlinge fürchten, dass die Soldaten im Fall eines Angriffes wenig ausrichten könnten.

Hilfsgüter für Kakwa müssen über den Albertsee transportiert werden, weil der Landweg zu gefährlich ist. Am Tag, als Aimé beerdigt wurde, hätte eine Ladung ankommen sollen. Doch die Wellen brachten eines der Boote zum Kentern, und so blieben auch die Lebensmittel aus.

(Ulrike Koltermann/dpa)

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