Der Untergang des amerikanischen Empires?
publiziert: Montag, 14. Jul 2008 / 11:46 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Jul 2008 / 13:07 Uhr

2 Meldungen im Zusammenhang
Die Meldungen sind vielfältig und ergeben doch ein erstaunlich homogenes Bild: US-Autohersteller am Rande des Ruins, hohe Verluste in Afghanistan, die grössten US-Hypotheken-Verleiher Freddy Mac und Fanny Mae brauchen womöglich staatliche Unterstützung, eine US-Rezession kann höchstens noch mit faulen Tricks (wie hurtig erhöhten Rüstungsausgaben) herausgezögert werden. Die US-Mittelschicht droht in die Verarmung abzusacken, die US-Armee ist am personellen Zerreisslimit angelangt.

Manch einer dürfte bereits das Ende des amerikanischen Empires sehen, jener dominanten Position, welche die USA seit dem ersten Weltkrieg in der internationalen Politik einnehmen. Und nicht wenige dürften darüber frohlocken, hoffen Sie doch nach dem Ende der US-Dominanz – welche noch lange keine Tatsache ist – auf eine fairere, bessere Welt, gelten doch die USA in Europa bei vielen seit Jahrzehnten als internationaler Buh-Mann... oder Buh-Staat.

Und die Aussenpolitik der letzten Jahre lässt einen ja auch fast schon daran glauben, dass ohne die USA alles viel besser gehen würde. Oder ist dies nur Wunschdenken?

Auf die USA ohne langes Nachdenken einzudreschen, ist eine simple Übung, welche fast schon zu einem Sport geworden ist. Doch bedenken wir mal die Alternativen und was ein Kollaps der USA für Europa bedeuten würde. Lassen wir dabei die wirtschaftliche Talfahrt, die ja schon jetzt internationale Auswirkungen hat, mal ausser Acht.

Das östliche Europa würde unweigerlich wieder viel stärker unter den Einflussbereich Russlands kommen. Dieser Druck würde die EU zu dramatischen Umbaumassnahmen zwingen. Einerseits müsste sie sich um eine kleinere Energie-Abhängigkeit von Russland bemühen, andererseits wäre eine echte Euro-Streitmacht von Nöten, die wesentlich mehr Geld kosten würde, als die momentanen Armeen. Die von den USA hinterlassene Lücke zu stopfen, wird sehr teuer werden.

Der russische Druck wäre umso grösser, als das dieses Riesenland selbst an seiner Ostgrenze durch China bedrängt wird und sich bemühen würde, mit mehr Einfluss im Westen seine ökonomische Potenz zu vergrössern.

Doch auch aus dem nahen Osten und aus dem Mittelmeerraum würde der Druck auf Europa grösser werden. Wenn die von den USA dominierten Bündnisse zerfielen, wären viele Mittelmächte versucht, ihre Position zu verstärken. Der Iran würde vermutlich einen neuen Griff nach den schiitischen Provinzen im Irak wagen, Syrien die sunnitischen und die Türkei die kurdischen Gebiete besetzen. Ohnehin würde der ganze nahe Osten in Konflikte ausbrechen, da plötzlich alle Optionen wieder offen wären. Dies würde einerseits Flüchtlingsströme auslösen, andererseits die Rohstoffpreise explodieren lassen – noch viel mehr, als sie dies jetzt schon tun.

China würde währenddessen weiter seine eiskalte Sachpolitik betreiben und anstreben, das Erbe der USA anzutreten. Angesichts der humanitären und ökologischen Politik dieser Parteidiktatur wäre dies kaum ein Fortschritt gegenüber dem Status Quo.

Und dies wären nur einige wenige jener Folgen, die wir nur schon in den ersten Monaten nach einem Kollaps der USA zu vergewärtigen zu hätten. Wer diese Möglichkeiten in Betracht zieht, sollte sich tunlichst wünschen, dass, wenn der Niedergang der USA denn kommen sollte, dieser langsam und über Generationen hinweg stattfindet. Denn ganz egal, wie man zu den USA steht, die Dividende, welche wir aus der Dominanz dieses Landes ziehen, wird uns erst richtig bewusst werden, wenn es nicht mehr seine Rolle ausfüllen kann.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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