Der 40-jährige Däne, einer der erfolgreichsten europäischen Golfer der letzten 15 Jahre, zeigte am Schlusstag ein Spektakel und eine Galavorstellung. Mit einem Eagle (2 unter Par) und neun Birdies bei nur zwei Schlagverlusten (Bogeys) erspielte er sich eine 62 (9 unter Par), die beste Runde des gesamten Turniers. Er distanzierte den zweitplatzierten Deutschen Martin Kaymer um vier Schläge.
McIlroy und Westwood vermochten ihre guten Ausgangslagen nach drei Runden nicht zu nutzen. Dennoch lagen zuletzt alle Stars sehr weit vorne, wie es sich das in grossen Scharen aufmarschierte Publikum gewünscht hatte: der Weltranglisten-Fünfte Kaymer als Zweiter, US-Open-Champion Rory McIlroy als Dritter und der Weltranglisten-Zweite Lee Westwood als Sechster.
Damian Ulrichs Wiedergeburt
Der grossartig aufspielende Zuger Damian Ulrich vermochte seinen sensationellen 6. Platz nach drei Runden am letzten Tag nicht zu halten. Er fiel mit 72 Schlägen in den 18. Rang zurück, durfte mit seiner Leistung aber vollauf zufrieden sein. Er hielt unter anderen die italienischen Stars Matteo Manassero und Francesco Molinari sowie Darren Clarke und Louis Oosthuizen, die letzten beiden British-Open-Sieger, in Schach.
Von 2008 bis 2010 hatte der 28-jährige Ulrich drei magere Saisons erlebt, die ihn beinahe zum Rücktritt vom Profigolfsport gebracht hätten. "Vor einem Jahr hätte ich keine Lust gehabt, hier zu spielen. Diesmal war es ganz anders", sagte er. "Es war ein tolles Erlebnis. Vor allem am Freitag und am Samstag konnte ich wirklich gutes Golf zeigen." Noch diesen Frühling fand Ulrich nicht richtig aus seiner langen Baisse heraus. Seit Juni jedoch - nach signifikanten Korrekturen durch Nationalcoach Steve Rey und den englischen Mentaltrainer Karl Morris - spielt er wieder auf gutem Niveau. Er hat seine golferische Wiedergeburt erlebt.
Standing Ovations
Auf dem 17. Green der Schlussrunde verpasste Damian Ulrich nur um Millimeter ein Birdie, das ihn auf das stolze Schlusstotal von zehn Schlägen unter Par gebracht hätte. Als er auf das 18. Green schritt, empfingen ihn Tausende von Fans mit einer Standing Ovation. Für Ulrich war dies ein ganz neues Gefühl, denn seit seinem Wechsel zu den Profis hatte fast ausschliesslich auf der Satellite Tour EPD (dritte Stufe in Europa) und der Challenge Tour (2008, zweite Stufe) gespielt.
Der Bündner Martin Rominger und der Genfer Julien Clément, die beiden weiteren Schweizer in den Finalrunden, belegten die Plätze 61 respektive 65. Der 30-jährige Clément hatte eine Klassierung in den ersten 30 in Reichweite, vergab diese jedoch mit einem katastrophalen Ergebnis am 4. Loch, einem langen Par 4: 9 Schläge. Clément schlug zwei Abschläge ins Out, was zwei Strafschläge nach sich zog. "Ich fühlte mich eigentlich gut, aber an diesem Abschlag blockierte sich zweimal meinen Schwung." Nach der völlig missratenen ersten Saisonhälfte, in der er neunmal in Serie die Finalrunden verpasst hatte, durfte Clément mit seiner Gesamtleistung an seinem Lieblingsturnier (Dritter im Jahr 2008) dennoch zufrieden sein.
Thomas Björn, der Alpengolfer
Für Thomas Björn, den ersten dänischen Sieger im Wallis, hat sich ein Kreis geschlossen. 1995 hatte er mit einem Sieg am Interlaken Open (Challenge Tour) seine grosse Karriere lanciert. Mit seinem zweiten (und bedeutenderen) Erfolg in der Schweiz ist er nunmehr 13-facher Sieger auf der Europa-PGA-Tour. Allein in dieser Saison hat er dreimal triumphiert. Nur eine Woche vor dem Turnier im Wallis hatte er in Schottland (Gleneagles) gewonnen. Wie Lee Westwood hat auch Björn nur einen Makel: Ihm fehlt weiterhin ein Sieg an einem Majorturnier.
Björn schätzt seinen Erfolg am Omega European Masters hoch ein: "Früher war dieses Turnier für die Profis so etwas wie Ferien. Jetzt ist das Feld so stark geworden. Es ist ein gutes Turnier. Die Spieler kommen hierher und wollen unbedingt gewinnen."
Zuschauerrekord
Für die Organisatoren um Turnierdirektor Yves Mittaz ist die Rechnung (fast) voll aufgegangen. Nur das schlechte Wetter am Schlusstag verhinderte einen noch deutlicheren Zuschauerrekord. Der Bestwert liegt nun bei 54'100 Zuschauern; die Rekordmarke aus dem letzten Jahr wurde um 1400 übertroffen.
(fest/Si)