Der schönste Tag nach grossem Leiden
publiziert: Dienstag, 7. Aug 2012 / 23:16 Uhr
Alistair Brownlee wird seiner Favoritenrolle gerecht.
Alistair Brownlee wird seiner Favoritenrolle gerecht.

Triathleten sind per defintionem ganz besonders harte Sportler. Das gilt auch für die Brownlee-Brüder Alistair und Jonathan Brownlee, die strahlenden Sieger von Dienstag.

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Die Siegerehrung musste ziemlich lange verschoben werden. Jonathan Brownlee, der sich mit letzter Kraft und nach einer 15-Sekunden-Strafe wegen eines Fehlverhaltens in der Wechselzone zu Bronze geschleppt hatte, war nach dem Zieleinlauf zusammengebrochen und musste im Rollstuhl wegtransportiert werden. Nach einer Infusion ging es dem 22-Jährigen dann aber wieder besser, so dass die Zeremonie doch noch stattfinden konnte. «Es ging mir dann wirklich nicht mehr gut, aber das gehört zum Triathlonsport. Jetzt ist alles wieder okay», konnte Jonathan Brownlee Entwarnung geben.

Den stolzesten gemeinsamen Moment ihrer Karriere hatten sich die Brüder, die in ihrer Heimat Yorkshire im Winter schon einmal bei Minus 15 Grad trainieren, redlich verdient. Zu Beginn der abschliessenden 10 Laufkilometer führte ihre massive Tempoverschärfung zu einer Zäsur, lediglich der spätere Silbermedaillengewinner Javier Gomez konnte mithalten.

Alistair Brownlee, fast genau zwei Jahre älter als sein Bruder, dominierte wie erwartet (oder je nach Sichtweise wie befürchtet) auf der Laufstrecke, die er in unglaublichen 29:07 durchmass. Seiner Kadenz war auch der Spanier nicht gewachsen, die letzten Kilometer wurden für Brownlee zum veritablen Triumphzug vor Hunderttausenden von Zuschauern. Am Schluss konnte er sich den Luxus erlauben, mit einer «Union Jack»-Flagge ausgerüstet über die Ziellinie zu gehen. «Es ist schon möglich, dass ich nie mehr einen schöneren Tag in meiner Triathlon-Karriere erleben werde», sagte Alistair, «heute war perfekt und ich habe jetzt noch Ohrenschmerzen von den Anfeuerungsrufe der Zuschauer. Aber ich hoffe schon, dass noch weitere schöne Momente folgen werden.»

Eigener Pool mit Unterwasser-Laufband

Der 24-Jährige war eigentlich der logische Sieger. Er hatte 12 der 15 World-Series-Rennen gewonnen, die er seit 2009 bestritt und hatte zudem als zweifacher Weltmeister grosse Erfahrung im Umgang in den ganz schwierigen Situationen.

Die leichte Einschränkung war aber angebracht. Das ganze Land hatte zwar von den Brownlees, die als Botschafter für das Olympia-Projekt von unzähligen Plakatwänden strahlen, seit Jahren nichts weniger als zwei Medaillen erwartet. Vor einigen Monaten schien aber die minuziöse Planung gefährdet.

Genau genommen wäre Alistairs Goldunternehmen fast an einem Bewohner des 19'000-Seelen-Städtchens Horsforth in Yorkshire gescheitert. Als sich der beste Triathlet der letzten Jahre im Januar eine schwere Achillessehnenverletzung zugezogen hatte, wollte er auf Wassertraining setzen, um die Rehabilitation zu beschleunigen.

Der Anfang gestaltete sich aber schwierig, wie Brownlee erzählt: «Ich machte Wasserjogging in einem öffentlichen Pool mit Kindern, die mir auf dem Kopf herumsprangen und Grossmüttern, die mir sagten, ich gehöre da nicht hin.» So leicht wollte sich Brownlee den Gold-Traum nicht nehmen lassen und beschloss deshalb, in seinem Garten einen Pool mit einem Unterwasser-Laufband zu bauen.

Gesagt, getan: Triathlonkollegen von Brownlee und Freunde gruben innert einer Woche ein riesiges Loch aus und der Pool wurde installiert. Brownlees Olympiaeifer wäre aber fast gebremst worden: Ein Mann reichte Beschwerde ein und plötzlich erschien «so ein kleiner Mann von der Behörde» mit der Frage, ob er eine Baubewilligung habe. «Er sagte, der Pool dürfe nur halb so gross sein wie der Garten, er sei aber leicht grösser.» Erst dank der Intervention eines Managers des britischen Triathlonverbandes konnte eine Lösung gefunden werden.

Für ihn war die Erlaubnis ein zentrales Element auf dem Weg zu Olympiagold: «Ich konnte damals einen Monat nicht auf dem Rad trainieren. Der Pool war eine gewaltige Erleichterung, ich hätte sonst in dieser Zeit praktisch nicht trainieren können und mir wohl einen entscheidenden Rückstand eingehandelt.»

In den Spuren der Familie D'Inzeo

Neben den ersten zwei Triathlon-Medaillen für Grossbritannien sowie den unvergesslichen Momenten im Hyde Park nehmen die zwei Brüder auch einen Eintrag in die Geschichtsbücher mit. Sie sind das erste Geschwisterpaar seit mehr als 50 Jahren, welches im gleichen olympischen Einzel-Wettbewerb zwei Medaillen gewinnt. Zuletzt war dies 1960 in Rom den italienischen Brüdern Raimondo und Piero d'Inzeo gelungen, die im Reiten Gold und Silber gewonnen hatten.

(fest/Si)

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