Der schwierige Weg des Jenson Button
publiziert: Sonntag, 18. Okt 2009 / 20:10 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 18. Okt 2009 / 20:58 Uhr

Jenson Button hat sein Arbeitsjubiläum in der Formel 1 gekrönt. Der Engländer wurde in seiner zehnten Saison Weltmeister. Es war ein Weg mit einigen Höhen und bedeutend mehr Tiefen, mit Irrungen und Wirrungen, bis Button am Ziel seiner Träume angelangt war.

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Selbst das Jahr seines grössten Triumphes begann für den 29-Jährigen wenig verheissungsvoll. Nach dem im Dezember 2008 bekannt gegebenen Rückzug seines Arbeitgebers Honda stand Button bis in diesen Frühling hinein ohne Perspektive da. Die sportliche Zukunft in der Formel 1 nahm erst wieder Anfang März Fahrt auf, als Ross Brawn die Übernahme des Teams verkündete - drei Wochen vor dem Saisonauftakt in Australien.

Fachwelt verblüfft

Die kurz bemessene Zeit reichte, um Fachwelt und Konkurrenz zu verblüffen. Button und Barrichello liessen in den weissen, von Mercedes-Motoren angetriebenen Autos bei Testfahrten mit grandiosen (Best-)Zeiten aufhorchen.

Die letzten Zweifel über die wahre Stärke des «Neulings» wurden bei erster Gelegenheit beseitigt. Button und Barrichello feierten in Melbourne einen überlegenen Doppelerfolg - und waren so endgültig in den Kreis der WM-Topfavoriten aufgestiegen.

Überragende Anfangsbilanz

Buttons Bilanz nach 7 der 17 Grands Prix war mit sechs Siegen und einem 3. Platz überragend. Der «Button-Express» geriet danach wohl mächtig ins Stottern und Schlingern, vom Kurs Richtung Titel liess sich der Engländer indessen nicht mehr abbringen.

Dass ihm die Baisse in der zweiten Phase der Saison Kritiken einbrachte und sogar seine Titelwürde in Frage gestellt wurde, störte den Champion nur marginal. Hauptsache ist, dass die WM-Krone in seinen Besitz übergegangen ist.

Hoffnungsträger einer ganzen Nation

Button hatte im Jahr 2000 in der Formel 1 debütiert - und die Bürde mit sich geschleppt, die Hoffnungen einer ganzen Nation erfüllen zu müssen. Seine Landsleute sahen in ihm den legitimen Nachfolger früherer Grössen wie Jim Clark, Jackie Stewart oder Nigel Mansell. Button bestätigte bald einmal, dass die Vorgaben auf der Insel nicht zu hoch angesetzt waren.

Schon bei seinem zweiten Auftritt sicherte er sich den ersten WM-Punkt, als Sechster im Grand Prix von Brasilien in einem Williams-BMW. Das Hoch hielt allerdings nicht lange; der Hochbegabte verschwand für längere Zeit in der Versenkung, aus dem Vielgepriesenen war ein Mitläufer geworden.

Erster Sieg in Ungarn

Die Wende zum Guten liess drei Jahre auf sich warten. 2004 stand Button zehnmal auf dem Podest. In der WM-Gesamtwertung sicherte er sich hinter Michael Schumacher und Barrichello, die in den hoch überlegenen Ferraris fuhren, Platz 3. BAR-Honda verhalf er zu Rang 2 im Team-Klassement. 2006 schienen die nächsten Schritte zum Gipfel getan.

Honda übernahm, 38 Jahre nach seinem ersten eigenständigen Engagement in der Formel 1, nach dem Rückzug von British American Tobacco den Rennstall in Eigenregie. Button seinerseits liess sich in Ungarn erstmals als Grand-Prix-Sieger ausrufen.

Wieder sollte es aber nur eine Momentaufnahme sein. Honda scheiterte kläglich beim Versuch, auf der Erfolgsspur zu bleiben. Die Autos taugten nicht zu Topklassierungen; Button und Barrichello fuhren 2007 und 2008 der Konkurrenz (wieder) hinterher. Honda zog mit dem Abgang am Ende der Saison 2008 schliesslich die Konsequenzen - zumindest ein Jahr zu früh, wie sich mittlerweile herausgestellt hat.

Wechselpossen und schöne Frauen

Bewegung in die Szene brachte Button auch abseits der Rennstrecken. Das Hickhack um seine geplante Rückkehr zu BMW-Williams 2004 war für die (britische) Journaille ein gefundenes Fressen. Per Gerichtsbeschluss wurde ihm der Abgang von BAR-Honda verweigert, der für zwei Saisons fixiert gewesene Vertrag für nichtig erklärt.

Im folgenden Jahr war Button für das zweite Theater rund um den Wiedereinstieg bei Frank Williams selber besorgt; er liess den an den Rollstuhl gefesselten «Sir» wissen, dass er an einer Luftveränderung nicht mehr interessiert sei.

Jede Menge Stoff bot Button den nationalen Revolverblättern während Jahren auch mit seiner Vorliebe für schöne Frauen. Die Zeit ist noch nicht allzu fern, da war der Schürzenjäger mehr in den Klatschspalten der britischen Yellow Press präsent als in den Sportzeitungen. Die «wilden Jahre» scheint Button mittlerweile hinter sich zu haben.

Seine aktuelle Freundin, das Model Jessica Michibata, hat offensichtlich die richtigen Massnahmen getroffen, um den einstigen Playboy zu zähmen - und dessen Fokus im Berufsleben auf das Wesentliche zu richten.

Zur Person:
Name: Jenson Button
Geburtsdatum: 19. Januar 1980 in Frome (Gb)
Wohnort: Monte Carlo
Grösse/Gewicht: 1,82 m/71 kg
Familienstand: ledig (liiert mit Jessica Michibata)

Karriere-Höhepunkte:
Kart (1989 bis 1997). 1992: Britischer Meister. 1995: WM-Zweiter und italienischer Meister. 1997: Europameister.

Automobil. 1998: Britischer Meister Formel Ford. 1999: Dritter britische Formel 3. 2000: Debüt in der Formel 1 am 12. März im Grand Prix von Australien. Erster WM-Punkt am 26. März im Grand Prix von Brasilien (6.). 2004: Erste Pole-Position am 25. April im Grand Prix von San Marino in Imola. 2006: Erster Sieg am 6. August im Grand Prix von Ungarn.

Formel 1. 2000 (BMW-Williams): 17 GP, 12 Punkte, WM-Achter. - 2001 (Benetton-Renault): 17 GP, 2 Punkte, WM-Siebzehnter. - 2002 (Renault): 17 GP, 14 Punkte, WM-Siebenter. - 2003 (BAR-Honda): 15 GP, 17 Punkte, WM-Neunter. - 2004 (BAR-Honda): 18 GP, 1 PP (San M), 85 Punkte, WM-Dritter. - 2005 (BAR-Honda): 16 GP, 1 PP (Ka), 37 Punkte, WM-Neunter. - 2006 (Honda): 18 GP, 1 Sieg (Un), 1 PP (Au), 56 Punkte, WM-Sechster. - 2007 (Honda): 17 GP, 6 Punkte, WM-Fünfzehnter. - 2008 (Honda): 18 GP, 3 Punkte, WM-Achtzehnter. - 2009 (BrawnGP-Mercedes): 16 v. 17 GP, 6 Siege (Au, Mal, Bah, Sp, Mon, Tür), 4 PP (Au, Mal, Sp, Mon), 2 SR (Mal, Tür), 89 WM-Punkte, Weltmeister.

Gesamtbilanz:
1 WM-Titel, 169 GP (davon 16 für Brawn-Mercedes), 7 Siege, 321 WM-Punkte, 7 PP, 2 SR, 23 Podestplätze.

(tri/Si)

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