Des einen Leid, des anderen Freud?Wird der «Fluch» über die NHL ein Segen für den Spengler Cup? Streiken die Spieler der NHL in der kommenden Saison, könnte dies für den Spengler Cup 2004 bedeuten, einige Weltstars mehr in Davos begrüssen zu dürfen. Die Sache hat allerdings auch einen Haken.
(Von Joël Wüthrich, Working Press/Montreal/ eishockey.ch)
Die Ausgangslage für die NHL-Vereine und die NHLPA (Spielergewerkschaft der NHL) ist pikant: Der Rahmenvertrag zwischen der NHL, den Vereinen und den Spielern, der so genannte «collective bargain agreement», der im Herbst 2004 erneuert und in Kraft treten müsste, ist in Gefahr.
Spieler und Vereinsbosse stehen im Clinch und werden sich, so der aktuelle Stand, kaum einigen können. Das bedeutet unweigerlich, dass die NHL-Saison vor einem Streik steht und nach 1994 erneut von einer National Hockey League zu einer «No Hockey League» mutiert. Eine wirtschaftliche wie auch imagebelastende Katastrophe für die NHL.
Der Traum
Der vielleicht grösste Fluch, der jemals über die NHL einbrechen könnte, könnte für den Spengler Cup 2004 zum Segen werden: Der lang gehegte heimliche Traum, eines Tages eine Truppe mit NHL-Stars in Davos aufnehmen zu dürfen, würde wahr werden. Denn auf irgendeine Weise müssen die NHL-Stars in Schwung bleiben und Spielpraxis gewinnen.
Einige Stars würden in einem solchen Falle versuchen, wie 1994 in einem europäischen Verein zwischenzeitlich Unterschlupf zu finden, andere gehen zurück in ihren Stammverein.
Wiederum andere könnten sich der neu gegründeten WHA, einer neuen Konkurrenzliga, anschliessen während die restlichen Puckkünstler aus der stärksten Liga der Welt sich dem Team Canada anschliessen. Einige würde man am Spengler Cup ebenfalls im Einsatz sehen.
Dies würde alles bisher Dagewesene wie das Engagement der AHL-Truppe Rochester Americans oder die Anwesenheit in Davos der vergangenen Jahre der Superstars Belfour, Hasek, Peca, Brathwaite, Weekes, Primeau oder anderer NHL-Grössen toppen.
Der Haken
Aber da wären nach wie vor einige grosse finanzielle und organisatorische Hürden zu nehmen: Die NHL-Stars sind allesamt versichert. Aber nicht bei allen ist diese durch den Spieler selbst gedeckt.
Im Normalfall ist jeder NHL-Spieler von seinem Club mit einer jährlichen Summe von 200 000 US Dollar versichert.
Diese Summe plus den Lohn (wäre im Falle eines Spielerstreiks in der NHL wohl verhandelbar) müsste der Turnierorganisator oder der Verein, der an einem bestimmten Star interessiert sein sollte, übernehmen.
Andere Spieler, in der Regel die Topstars oder NHL-Veteranen, haben eine kompliziertere Regelung. Am Beispiel von Brian Berard ist es folgendermassen aufgebaut: Er ist mit 6,5 Mio. US Dollar gedeckt, sollte eine Sportverletzung es ihm verunmöglichen, den Beruf weiterhin auszuüben.
Obwohl Berard zu einer Risikogruppe gehört, ist die auch bei anderen der Fall. Ob Canada Hockey oder der Spengler Cup nun bereit wären, für zehn Spieler eine Versicherungssumme von 2 Mio. US Dollar (fast 2,9 Mio. Franken) ist mehr als fraglich.
Das mögliche Szenario
Dennoch würde man in Davos im Falle eines Spielerstreiks in der NHL mit Garantie den einen oder anderen Topstar aus der NHL am Turnier begrüssen können: Denn es ist absehbar, dass sich einige europäische Spitzenclubs den einen oder anderen «verlorenen Sohn» angeln werden und mit diesen besagten Spielern bilateral eine Einigung finden.
Skandinavische und osteuropäische NHL-Stars sind in der Regel sehr kulant, wenn es um Einsätze in ihren Heimatvereinen geht. Auch der Lockruf von Team Canada verhallt normalerweise bei den stolzen Kanadiern nie ungehört. Das Maple-Leaf-Trikot überstreifen zu dürfen, ist immer ein Kompromiss wert.
Die Hockey-Puristen jedoch, wünschen sich alles andere als einen Spielerstreik in Nordamerika. Der Imageverlust wäre weltweit riesig.
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