Wimbledon
Deutsche Akzente und Ersatzmann für Nadal
publiziert: Dienstag, 3. Jul 2012 / 20:16 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 3. Jul 2012 / 22:48 Uhr
Einfach zu stark: Andy Murray.
Einfach zu stark: Andy Murray.

Trotz miesen Wetters befindet sich Wimbledon zumindest in den Hauptkategorien fast im Plansoll. Die Viertelfinals der Männer mit der Partie Roger Federer gegen Michail Juschni (Russ) können alle am Mittwoch in Angriff genommen werden.

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Roger Federer scheint für die Fortsetzung des Turniers gerüstet. Er trainierte am Dienstagnachmittag mit seinen Coaches Paul Annacone und Severin Lüthi sogar im Regen. Federer bewegte sich auf der feuchten Unterlage mit der nötigen Vorsicht, schien aber bei seinen Schlägen nicht handicapiert. Auch die Organisatoren unterstützen Federer nach Kräften. Der 30-jährige Basler darf auch am Mittwoch wieder das Centre-Court-Programm eröffnen; er muss sich nicht mit Problemen wie Regen, Wind und Kälte herumschlagen wie Novak Djokovic (auf Court 1 am Mittwoch), Andy Murray (auf Court 1 am Montag/Dienstag) oder Jo-Wilfried Tsonga (insgesamt vier Regenunterbrechungen in seinem Achtelfinal, der über 24 Stunden beanspruchte).

In den fünf Achtelfinals, die erst am Dienstag beendet werden konnten, setzten sich die Favoriten durch. Lokalmatador Andy Murray steht nach dem 7:5, 6:2, 6:3 über Marin Cilic zum fünften Mal hintereinander in den Viertelfinals von Wimbledon. Dort trifft der 25-jährige Schotte auf David Ferrer, der seit dem Ausscheiden von Rafael Nadal die spanische Flagge tapfer hochhält. Der Weltranglistenfünfte zeigte gegen Juan Martin Del Potro eine erstaunliche Leistung.

Murray unter Druck

Ferrer deklassierte Del Potro in weniger als zwei Stunden mit 6:3, 6:2, 6:3. Er rückte 19 Mal ans Netz vor und gewann 17 Mal den Punkt. Bei eigenem Aufschlag gab Ferrer in drei Sätzen lediglich 18 Punkte ab. Der 30-jährige Spanier lancierte zuletzt eine Siegesserie, wie sie ihm fast nur auf Sandplätzen zugetraut wird. Vor Wimbledon hatte Ferrer das Vorbereitungsturnier von 's-Hertogenbosch (Rosmalen) gewonnen. "Aber gegen Del Potro gelang mir die beste Leistung. Es ist allerdings auf dem Centre Court bei geschlossenem Dach einfacher, gut zu spielen." Ins Stocken geraten sind derweil die Fortschritte von Del Potro. Der Argentinier tut sich im zweiten Jahr seines Comebacks eher schwerer; von den letzten acht Partien gegen Gegner aus den Top-10 gestaltete er nur eine siegreich (in Roland-Garros gegen Tomas Berdych).

Murray steht gegen Ferrer unter Druck, denn die englischen Fans erachten den Spanier als krassen Aussenseiter. Der Schotte ärgerte sich fast ein wenig über die Arroganz seiner Landsleute, die sich nicht vorstellen können, dass Murray gegen so einen Spieler verlieren könnte. Murray: "Ferrer ist für mich ganz sicher kein Sandplatzspezialist. Er hat auf Rasen jetzt neun Spiele hintereinander gewonnen. Er stand in Australien und am US Open schon in den Halbfinals. Er erreichte am Masters den Final. Er hat diese Saison in der Jahreswertung 700 Punkte mehr gewonnen als ich. Ich stehe vor einer extrem schwierigen Aufgabe."

"Deutscher Dienstag"

Akzente setzten am achten Spieltag in Wimbledon gleich mehrere deutsche Spieler. Mit Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer erreichten gleich zwei Deutsche die Viertelfinals. Kohlschreiber erreichte im 33. Anlauf erstmals die Viertelfinals eines Major-Turniers. Er beendete den Lauf des amerikanischen Aufsteigers Brian Baker (von 0 auf 80 in elf Monaten als 27-Jähriger) mit einem 6:1, 7:6 (7:4), 6:3-Erfolg. Hätte Baker gewonnen, wäre er der erste amerikanische Qualifikant seit 28 Jahren in den Viertelfinals gewesen. Geschafft hat das zuletzt Paul Annacone 1984, der jetzige Coach von Roger Federer. Florian Mayer überraschte in seinem Achtelfinal mit 60 Winnern den Franzosen Richard Gasquet (6:3, 6:1, 3:6, 6:2).

Insgesamt standen sogar vier Deutsche in den Viertelfinals; im ersten deutschen Viertelfinalduell der Wimbledongeschichte warf aber Angelique Kerber ihre Fed-Cup-Kollegin Sabine Lisicki in einem an Spannung kaum zu überbietenden Duell mit 6:3, 6:7 (7:9), 7:5 aus dem Turnier. Die 24-jährige Kerber erreichte zum zweiten Mal nach dem US Open 2011 die Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers: "Das ist unglaublich. Sabine (Lisicki) hat so gut gespielt. Ich musste mein bestes Tennis abrufen." Kerber vergab im zweiten Satz drei Matchbälle, lag im Entscheidungssatz mit 3:5 zurück, ehe sie sie noch mit 7:5 durchsetzte.

Resultate:
Wimbledon. The Championships. Grand-Slam-Turnier (23,90 Mio Franken/Rasen). Männer, Achtelfinals: Andy Murray (Gb/4) s. Marin Cilic (Kro/16) 7:5, 6:2, 6:3. Jo-Wilfried Tsonga (Fr/5) s. Mardy Fish (USA/10) 4:6, 7:6 (7:4), 6:4, 6:4. David Ferrer (Sp/7) s. Juan Martin Del Potro (Arg/9) 6:3, 6:2, 6:3. Florian Mayer (De/31) s. Richard Gasquet (Fr/18) 6:3, 6:1, 3:6, 6:2. Philipp Kohlschreiber (De/27) s. Brian Baker (USA) 6:1, 7:6 (7:4), 6:3. - Viertelfinal-Tableau: Djokovic (1) - F.Mayer (31), Federer (3) - Juschni (26); Ferrer (7) - Murray (4), Tsonga (5) - Kohlschreiber (27).

 

 

(fest/Si)

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