Deutschkurse für alle?
publiziert: Donnerstag, 12. Aug 2004 / 10:30 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 12. Aug 2004 / 12:57 Uhr

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Seit einiger Zeit unterzieht Ostermundigen bei Bern einbürgerungswillige Ausländer einem Deutschtest. Der Test besteht aus 30 Fragen und ist nicht allzu schwer. Doch dient dieser noch nicht als das ausschlaggebende Kriterium für die Aufnahme in die Eidgenossenschaft; es fehlt die gesetzliche Grundlage.

Trotzdem ist die Forderung nach guten Deutschkenntnissen bei Ausländern durchaus verständlich, denn es ist unabdingbar, sich dort, wo man sich integrieren lassen will, verständigen zu können.

Fragt sich nur, ob dann Deutsch die richtige Sprache ist – jene Sprache die man auch testen soll. Gewisse Zweifel sind angebracht.

Denn offensichtlich reicht es nicht, Deutsch zu können um uns Schweizer zu verstehen. Augenscheinliches Beispiel ist dafür der Sender 3Sat, der die TV-Höhepunkte von ARD, ZDF, ORF und SF-DRS täglich zusammenfasst und ausstrahlt.

So fällt beim Vergleich von 'Tagesschau', 'Heute', 'Zeit im Bild' und '10 vor 10' als den Vorzeige-Newsmagazinen auf, dass sich '10 vor 10' eindeutig abhebt. Nicht wegen Qualität und Präsentation. Wohl aber durch den Gebrauch von Untertiteln. Da führen Moderatoren doch tatsächlich Dialektgespräche mit Studiogästen und in diversen Beiträgen wird munter in Mundart losgeplaudert.

Die Untertitel für die Deutsch sprechenden Zuschauer demonstrieren eindrücklich, dass es sich hier um eine andere Sprache handelt, eine Sprache, die auch von nativen Deutsch-Sprechern nicht verstanden wird.

Wenn dann aber Schweizer gezwungen sind, sich des Hochdeutschen zu bedienen, sind die Resultate – je nach Standpunkt – putzig bis peinlich. So ist es zum Beispiel eine linguistische Pein, 'Meteo', den Wetterbericht nach der Tagesschau des Schweizer Fernsehens, über sich ergehen zu lassen.

Abenteuerliche Satzkonstruktionen, Gutturallaute und freimütig eingedeutschte Dialektausdrücke vereinigen sich hier zu einem Pidgin-Deutsch, wie es wohl gesprochen würde, hätten die Deutschen die Schweiz besetzt und das Schweizerdeutsche verboten. Und dies von Leuten, welche die meistgesehene Fernsehsendung der Schweiz präsentieren.

Eine Person, die nur eine Fremdsprache und Hochdeutsch spricht, hat es in der Schweiz daher extrem schwer. Zwar ist die Kenntnis der deutschen Sprache bei der Lektüre von Zeitungen und Betriebsanleitungen von grossem Nutzen, aber in der Kommunikation mit der Deutschschweizer Bevölkerung fast schon ein Hindernis.

Es gibt da eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder erhält die ganze Schweizer Bevölkerung einen Stützkurs in Hochdeutsch um eine Verständigung mit den neu eingebürgerten und auf ihre Deutschkenntnisse getesteten zu ermöglichen.

Oder die Ausländer müssen auch noch einen Schweizerdeutsch-Kurs über sich ergehen lassen, wobei dann aber noch definiert werden muss, welcher Dialekt dann unterrichtet werden soll.

Wie man sieht, ist in der Schweiz auch die sprachliche Integration nicht so einfach, wie man sich das im Allgemeinen vorstellt. Aber wenn zur Frage, welcher Dialekt unterrichtet werden soll, einmal ein Konsens gefunden worden ist, steht einer echten Integration eigentlich nichts mehr im Wege.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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