Flüchtlingskrise
Deutschland führt vorübergehende Grenzkontrollen ein
publiziert: Sonntag, 13. Sep 2015 / 17:58 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 13. Sep 2015 / 21:22 Uhr
Angesichts des grossen Flüchtlingsandrangs hat Deutschland vorübergehend Kontrollen an der Grenze zu Österreich eingeführt.
Angesichts des grossen Flüchtlingsandrangs hat Deutschland vorübergehend Kontrollen an der Grenze zu Österreich eingeführt.

Berlin - Als Reaktion auf den Andrang Zehntausender Flüchtlinge hat Deutschland wieder Grenzkontrollen eingeführt. Schwerpunkt sei zunächst die Grenze nach Österreich, kündigte Innenminister Thomas de Maizière am Sonntag in Berlin an.

9 Meldungen im Zusammenhang
Dieser Schritt "wird nicht alle Probleme lösen, das wissen wir", sagte er. "Aber wir brauchen einfach etwas mehr Zeit und ein gewisses Mass an Ordnung an unseren Grenzen."
"Ziel dieser Massnahme ist es, den derzeitigen Zustrom nach Deutschland zu begrenzen und wieder zu einem geordneten Verfahren bei der Einreise zu kommen. Das ist auch aus Sicherheitsgründen dringend erforderlich", sagte de Maizière.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bezeichnete die Entscheidung als dringend notwendig. Allein die Stadt München hat seit Ende August 63'000 Flüchtlinge empfangen und versorgt. Das entspricht der Bevölkerung einer Kleinstadt. Am Samstag trafen wieder mehr als 12'000 Menschen ein.

Hilfsbereitschaft nicht überstrapazieren

Die Hilfsbereitschaft dürfe nicht überstrapaziert werden, sagte de Maizière. Der Schritt sei auch ein Signal an Europa. Deutschland stelle sich seiner humanitären Verantwortung, betonte der Minister. Die Lasten müssten aber solidarisch verteilt werden.

"Nach dem geltenden europäischen Recht ist Deutschland für den allergrössten Teil der Schutzsuchenden gar nicht zuständig", betonte de Maizière. Die Regeln des Dublin-Abkommen seien unverändert gültig.

Auf Weisung der deutschen Behörden unterbrach die Deutsche Bahn am Sonntag den Zugverkehr aus Österreich bis am Montag um 6.00 Uhr. De Maizière bat um Verständnis dafür, dass es zu Einschränkungen im Reiseverkehr kommen könne.

Nach Deutschland kündigte auch Tschechien vorübergehende Kontrollen an der Grenze zu Österreich an. Das weitere Vorgehen sei davon abhängig, wie viele Flüchtlinge auf die Route über Tschechien auszuweichen versuchten, sagte Innenminister Milan Chovanec.

EU: "Dringender Handlungsbedarf"

Die deutsche Massnahme zeigt nach Einschätzung der EU-Kommission den "dringenden" Handlungsbedarf in der Flüchtlingskrise. "Die heutige deutsche Entscheidung unterstreicht die Dringlichkeit der Einigung auf die Massnahmen, die von der EU-Kommission zum Umgang mit der Flüchtlingskrise vorgeschlagen wurden", erklärte die Kommission in Brüssel.

Überschattet von heftigem Streit beraten die EU-Staaten am Montag über einen Plan von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zur Verteilung von 120'000 Flüchtlingen. Das Thema einer festen Quote ist jedoch umstritten.

Über die Balkanroute drängen immer mehr Flüchtlinge nach Westeuropa. In Ungarn registrierte die Polizei am Samstag mit 4330 Neuankömmlingen einen Tagesrekord. In Nickelsdorf an der österreichisch-ungarischen Grenze trafen am Samstag 6600 Flüchtlinge ein.

Vergleich mit mit NS-Politik

Für internationale Empörung sorgte der rechtsnationale ungarische Regierungschef Viktor Orban. Er drohte in der "Bild"-Zeitung (Samstag) damit, Flüchtlinge abzuschieben. Sie sollten "dorthin, wo sie herkommen", sagte er.

Österreichs Bundeskanzler Faymann verglich Orbans Vorgehen in der Flüchtlingskrise mit der NS-Rassenpolitik. "Flüchtlinge in Züge zu stecken in dem Glauben, sie würden ganz woandershin fahren, weckt Erinnerungen an die dunkelste Zeit unseres Kontinents", sagte der Sozialdemokrat dem Magazin "Der Spiegel".

In London demonstrierten Zehntausende für Solidarität mit Flüchtlingen und gegen die Asylpolitik der britischen Regierung. Und in Amsterdam verlangten mehr als 2000 Menschen eine grosszügigere Aufnahme von Flüchtlingen in Europa.

Wieder über 30 Tote

Bei einer neuerlichen Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind am Sonntag mindestens 34 Menschen ertrunken, darunter vier Babys und elf Kinder. Nach einer Übersicht der griechischen Küstenwache konnten 68 Menschen lebend aus dem Meer gerettet werden, weitere 30 kamen schwimmend an die Küste der Insel Farmakonisi, 15 Kilometer vor der türkischen Grenze.

Taucher der Küstenwache fanden acht der Todesopfer im Laderaum des gesunkenen Bootes. Erst am Samstag waren vor der Ägäisinsel Samos nahe der türkischen Küste fünf Flüchtlinge ertrunken, darunter vier Kinder.

(cam/sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Eine Störung der öffentlichen Ordnung liegt im Augenblick noch nicht vor.
Buchs SG - Deutschlands Wiedereinführung der Grenzkontrollen hat nach Angaben des Grenzwachtkorps (GWK) bisher keine Auswirkungen auf die Schweiz. Man habe an der Ostgrenze ... mehr lesen
Wien - Österreich muss sich in der ... mehr lesen 1
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Demonstranten wollen die Grenzen für die Flüchtlinge öffnen, um sie zu schützen.
Bern - Gut 700 Personen haben am Samstagnachmittag in Genf an einer Kundgebung ihre Solidarität mit den Flüchtlingen ausgedrückt, die auf gefährlichen Routen versuchen, nach ... mehr lesen 41
Wien - Österreichs Bahn unterhält ... mehr lesen
Zahlenspiele...
helfen in Europa nicht mehr. Alleine z. B. Deutschland wird noch Hunderttausende Flüchtlinge aufnehmen müssen, und zwar jährlich. Über die Aufnahme entscheiden die einzelnen Länder längst nicht mehr. Die Entscheidungsgewalt liegt längst bei den sogenannten "gut ausgebildeten, jungen Männern". Diese jungen kräftigen Männer entscheiden darüber, ob sie z. B. nach Deutschland oder in die CH einreisen oder nicht, und sonst gar niemand. Wer soll sie denn auch aufhalten?
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Reifen für Autos
Reifen für Autos
Publinews Das sollten Autofahrer bei der Wahl der Reifen für die jeweilige Jahreszeit beachten  Das die Wahl der richtigen Reifen einen nicht unwesentlichen Anteil an der Sicherheit auf Europas Strassen hat ist wohl unbestritten. Nicht umsonst investiert die Reifenindustrie jedes Jahr mehrere Millionen an Forschungs und Entwicklungsgeldern um für Fahrzeuge den jeweils bestmöglichen Reifen zu konzipieren. mehr lesen  
Wie Europa seine Autobahnen finanziert  Die Haupturlaubszeit naht und besonders denjenigen, die ins Ausland reisen wollen, empfiehlt sich stets, sich rechtzeitig nicht nur um die Buchung, sondern auch über die dortigen Gesetze und Sitten zu informieren. Das betrifft in besonderem Masse die Autofahrer, denn auf die Reisenden auf Europas Autobahnen kommen unterschiedlichste Gebühren, Ausnahmeregelungen und Zahlungsmodalitäten zu. mehr lesen  
Publinews Sicherheit auf dem Velo  Jährlich verunglücken 16'700 Velofahrer, ... mehr lesen  
Die Helme sitzen: Eine Familie auf einer gemütlichen Fahrradtour.
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Gotthard 2016  Berlin - «Tunnel» - mit sechs Riesenbuchstaben feiert die Schweizer Botschaft in Berlin die ... mehr lesen  1
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 1°C 4°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer Schneeschauer
Basel 3°C 7°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen starker Schneeregen
St. Gallen 0°C 2°C Schneeschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, wenig Schnee immer wieder Schnee
Bern 1°C 4°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer Schneeschauer
Luzern 2°C 4°C Schneeregenschauerleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer immer wieder Schnee
Genf 2°C 6°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt Schneeschauer
Lugano 5°C 11°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten