Biathlon
Deutschlands Wintersport-Star Neuner beendet Karriere
publiziert: Dienstag, 6. Dez 2011 / 10:34 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 6. Dez 2011 / 13:04 Uhr
Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner.
Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner.

Deutschlands Biathlon-Darling Magdalena Neuner sehnt sich nach Normalität im Leben - und wird deshalb im Frühling mit erst 25 Jahren zurücktreten.

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«Nach dieser Saison ist Schluss!», steht als Titel über dem gestrigen News-Eintrag auf der Homepage von Magdalena Neuner. Mit der Online-Rücktrittserklärung hat der Star aus Wallgau in Oberbayern den Spekulationen schon vor der heutigen Pressekonferenz in der zweiten Weltcup-Station Hochfilzen (Ö) ein Ende gesetzt. Fragen nach der Zukunft über diesen Winter hinaus standen im Zusammenhang mit Neuner schon länger im Zentrum.

Das ging der Sympathieträgerin zwar auf die Nerven, den Spekulationen mit einer Notlüge den Nährboden zu entziehen, brachte Neuner aber nicht übers Herz. Im Gegenteil: Sie heizte sie mit ihren Aussagen noch an. Neuner hatte schon in noch jüngeren Jahren betont, sie gedenke nicht, bis ins reife Sportlerinnenalter in Loipe und Schiessstand aktiv zu bleiben, wie das zum Beispiel ihre ebenfalls sehr erfolgreichen Landsfrauen Kati Wilhelm und Andrea Henkel vorgemacht haben respektive immer noch vormachen.

Für Neuner bildet der Winter mit den Heim-Weltmeisterschaften Anfang März in Ruhpolding den Abschluss. «Erst einmal sehne ich mich nach Normalität im Leben. Das muss ja gar nichts Grossartiges sein», hatte sie in einem Interview mit der «FAZ» zum Saisonstart gesagt. Mit dieser Normalität war es für das Fräuleinwunder früh vorbei. Neuner, auf den Langlaufski schnell wie der Wind, am Gewehrabzug manchmal mit dem berühmten Zitterhändchen, eilte der Ruf des Supertalents voraus, als sie am 13. Januar 2006 im Weltcup debütierte.

Die Gold-Lena

Ein Jahr später gewann Neuner in Oberhof ihr erstes Weltcup-Rennen. So jung wie die damals noch nicht ganz 20-Jährige hatte das zuvor keine Biathletin geschafft. Es folgte das erste WM-Gold im ersten WM-Rennen in Antholz. Zwei weitere Titel machten sie zur «Gold-Lena» und Deutschlands Sportlerin des Jahres 2007. «Mich hat das so aufgeregt, dieses Goldmädel zu sein, die kleine blonde Lena, die Süsse aus Wallgau», hat Neuner später einmal gesagt. Sie war der Darling, der Traum aller Schwiegerväter sozusagen. Hübsch und bodenständig. Erfolgreich ohne Starallüren.

Der Hype war gross, allein für Geschichtchen über das nicht gerade coole Hobby Stricken wurde wohl tonnenweise Druckerschwärze verbraucht. Längst hat Neuner eine zweite offizielle Homepage (magdalena-strickt.de), längst sind ihre Werbeverträge Millionen wert. Auf den Senkrechtstart von 2007 blickte Neuner in der «FAZ» mit gemischten Gefühlen zurück. «Da bin ich aus meinem Leben rausgerissen worden. Ich wusste nicht, was richtig und was falsch ist, wer mir gut will und wer nicht.» Ihr sei damals alles über den Kopf gewachsen.

Sportlich wirkte sich der Stress kaum aus. Das Palmares ist imposant: Olympia-Gold in der Verfolgung und im Massenstart, die Rekordzahl von zehn WM-Titeln (je fünf in Einzelrennen und Staffeln), 25 Einzel- und zwei Gesamtsiege im Weltcup. «Es gibt eigentlich nichts mehr, das ich unbedingt gewinnen muss», hat Neuner festgestellt. Träumen tut sie höchstens noch von einer weiteren WM-Goldmedaille vor Heimpublikum. Nach dem Weltcup-Finale Mitte März in Chanti Mansisk werden Rennski und Sportgewehr in die Ecke gestellt - und auch dort bleiben.

Dabei wird Magdalena Neuner am 9. Februar erst 25 Jahre alt. Mit einem Sieg und zwei 3. Plätzen ist sie in Östersund so gut wie noch nie in eine Saison gestartet. Ob sie das Gefühl habe, demnächst vielleicht ihre Jugend nachholen zu müssen, wurde Neuner von der «FAZ» letzte Woche auch noch gefragt. «Exzentrisches Feiern oder so, da bin ich nicht der Typ dafür. Ich muss nicht immer auf der Piste sein.» Nun schreibt Neuner auf der Homepage, sie spüre einfach, «dass die Zeit reif ist für eine Veränderung und mich nach dem Sport etwas Neues, ganz Tolles erwartet».

Rückkehr zu den Wurzeln

Irgendwann spiele für sie auch das Thema Familienplanung eine Rolle. Neuner ist seit gut zwei Jahren liiert, Sepp Holzer heisst der Mann an ihrer Seite. Aus der Öffentlichkeit verabschieden will sich Neuner, die kürzlich einen Tag lang für eine kleine Gastrolle in der Serie «Sturm der Liebe» vor der Kamera stand, nicht. «Ich gehe schon gerne mal in ein Fernsehstudio oder auf eine schöne Veranstaltung, ich gebe auch gerne mal ein Interview - solange alles im Rahmen bleibt.» Dieser Rahmen ist seit 2007 gesprengt. Zu den Zukunftsplänen gehört auch eine Art Rückkehr zu den Wurzeln. Neuner belegt bereits Trainerkurse und will ihre Erfahrungen an Kinder und Jugendliche weitergeben. Vor allem möchte sie aber viel Zeit zu Hause verbringen. «Andere sind gerne unterwegs, sie ist am liebsten daheim», sagt Kati Wilhelm über ihre Nachfolgerin. Manchmal werden die einfachen Dinge halt einfach wichtiger als noch mehr Siege.

(joge/Si)

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