Diagnose per Telefon immer beliebter
publiziert: Donnerstag, 16. Nov 2006 / 07:39 Uhr

Bern - Arztkonsultationen am Telefon sind gefragt: Der wichtigste Schweizer Anbieter Medgate erhält bis zu 1000 Anrufe pro Tag. Die Krankenkassen melden zufriedene Patienten. Vorbehalte haben die Ärzteverbindung FMH und die Patientenorganisation.

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Gegen Telemedizin sei nichts einzuwenden, wenn es darum gehe, nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt zu gehen, sagt Anne-Marie Bollier von der Schweizerischen Patientenorganisation (SPO) auf Anfrage der SDA. Doch zu glauben, gute Medizin betreiben zu können, ohne den Patienten einmal zu sehen, sei eine Illusion.

Konkurrenz für Apotheken

Bollier, selbst Apothekerin, fragt sich, ob es nötig ist, einen Anbieter zu schaffen, den Krankenkassen auf dem Buckel der Versicherten subventionierten. Die Apotheken, die gratis eine Patienten-Triage anböten, erhielten damit unlautere Konkurrenz.

Jacques de Haller, Präsident der Ärzteverbindung FMH, widerspricht: Ein Apotheker habe nicht die gleiche Ausbildung wie ein Arzt. Nicht alle Patienten seien in der Lage, sich in eine Apotheke zu begeben. Doch auch er findet, dass ohne persönliche Begegnung zwischen Arzt und Patient keine Behandlung möglich ist.

Telefon-Sprechstunden könnten indessen die personell oft knapp besetzten Notfalldienste entlasten, räumt de Haller ein. Die Krankenversicherer ihrerseits hoffen auf kleinere Rechnungen, wenn Patienten wegen Bagatellfällen nicht mehr zum Arzt gehen.

Rund zehn Kassen haben mit Medgate, dem Schweizer Zentrum für Telemedizin in Basel, einen Vertrag. Rund 2,5 Millionen Versicherte können sich dadurch am Telefon gratis Rat von den rund 40 Medgate-Ärzten und -Ärztinnen holen.

Prämienrabatt

Die KPT bezahlt dafür rund 50 Rappen pro Monat und Versicherten, wie Direktionsmitglied Etienne Habegger ausführt. Wer sich verpflichtet, vor einem Arztbesuch auf Telemedizin zurückzugreifen, erhält bei der KPT und auch bei anderen Kassen Prämienrabatt.

Gemäss einer Studie von Medgate führten 55 Prozent aller Anrufe nicht zu einem Arztbesuch. Dies liess die Behandlungskosten um bis zu 21 Prozent sinken. Wissenschaftliche Studien über Auswirkungen der Telemedizin auf die Gesundheitskosten gibt es noch nicht.

Arztkonsultationen zu verhindern oder zu ersetzen sei nicht Ziel der Telemedizin, sagte Nello Castelli, Sprecher des Krankenkassenverbandes santésuisse. Die Telefonzentralen hätten eine Triagefunktion. Laut Etienne Habegger von der KPT werden am Telefon keine Diagnosen erstellt.

Gut zuhören

Apothekerin Bollier hat indessen schon von einer Telemedizin- Zentrale Rezepte per Fax erhalten. Es handle sich glücklicherweise um Einzelfälle, sagt FMH-Präsident de Haller dazu. Solche Rezepte seien ohne Nachbetreuung des Patienten illegal.

Medgate-Chefarzt Jan von Overbeck betont, dass die Ärzte am Telefon gut zuhörten, was manche Probleme löse. Viele Kranke wüssten, was ihnen fehle und wollten lediglich eine Bestätigung.

Medgate könne nicht so rasch Personal einstellen, wie die Nachfrage der Krankenkassen zurzeit steige. Weil in Basel zu wenig französischsprachige Ärzte rekrutiert werden können, soll 2007 eine Filiale in Lausanne eröffnet werden.

(Sophie Alix/sda)

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