Dicke neue Biografien warten auf Leser
publiziert: Dienstag, 6. Nov 2007 / 21:31 Uhr

Hamburg - Wenn Seitenzahlen für Bedeutung stehen, müssen die überwältigend vielen neuen Biografien dieses Herbstes von wahrlich «grossen» Persönlichkeiten handeln. Und der von Verlagen vermutete Lesehunger des Publikums muss unersättlich sein.

Dicke neue Biografien verleiten zum schmöckern und lesen.
Dicke neue Biografien verleiten zum schmöckern und lesen.
Mehr als 700 Seiten über den lebenslangen Kampf des Norwegers Roald Amundsen um die Eroberung unentdeckter Wüsten aus Schnee und Eis. 1000 Seiten über den Weg von Paul Hindenburg vom Weltkriegs-General zum wichtigen Türöffner für Adolf Hitler.

Und gleich zwei neue Lebensbeschreibungen von jeweils mehr als 600 Seiten über den umstrittenen «Jahrhundert-Denker» Ernst Jünger. Das sind nur ein paar Erzeugnisse des Biografie- und Wälzer-Booms dieser Buchsaison.

«Eine Schwemme von Biografien über grosse tote Schriftsteller» konstatiert die «Frankfurter Rundschau» verblüfft und zählt auf, wessen Leben da plötzlich neu und meist sehr voluminös geschildert wird: Kleist, Eichendorff, Wieland, Wilhelm Busch, Balzac, Proust.

Zweimal Conrad, zweimal Jünger

Bei all den Wälzern überrascht es fast, dass sich der Leipziger Literaturwissenschafter Elmar Schenkel bei seiner neuen Biografie über den polnisch-englischen Schriftsteller Joseph Conrad mit 368 Seiten begnügt.

Doch zum 150. Geburtstag von Conrad kommt mit John Stapes «Im Spiegel der See» noch ein Konkurrent mit immerhin 543 Seiten auf den Markt. Die 700-Seiten-Biografie von Ernst Kiesel über den 1998 mit 102 Jahren gestorbenen Jünger findet die «FAZ» «respektabel und redlich».

Dem «Spiegel» gefiel das Konkurrenz-Produkt des Jünger-Bekannten Heimo Schwilk besser: «Verglichen mit Kiesels spröder Nacherzählung zeigt die glänzende Biografie von Schwilk, was eine gekonnte Mischung aus Empathie und kritischer Distanz in diesem Genre leisten kann.»

Über «charismatische Herrschaft»

Wer sich mit Jüngers Rolle als Verklärer des Ersten Weltkrieges («Stahlgewitter») und als höchst zwiespältiger Begleiter der nationalsozialistischen Herrschaft beschäftigt, könnte vielleicht auch Interesse am Leben Paul von Hindenburgs aufbringen.

Wolfram Pyta hat das Leben des 1847 geborenen Generals aus dem Kaiserreich und Präsidenten der Weimarer Republik bis hin zur «testamentarischen» Überlassung der Staatsgewalt an Hitler kurz vor dem eigenen Tod 1934 nachgezeichnet.

Eine zentrale Rolle spielt für Pyta der Begriff der «charismatischen Herrschaft», als deren Verwalter er Hindenburg ebenso sieht wie vor diesem Bismarck und danach Hitler.

Die «Süddeutsche Zeitung» lobt die Biografie als «fraglos bedeutend», vermisst aber den Mut «zur entscheidenden Schlussfolgerung», was Hindenburg als politischen Grundtypus betrifft.

«Polarheld» nicht verklärt

Den Grundtypus des rastlosen Entdeckers, Forschers und «Polarhelden» Roald Amundsen beschreibt der Norweger Tor Bomann-Larsen in der Biografie über seinen berühmten Landsmann.

Der erste Bezwinger des Südpols, dessen Leben auf mysteriöse Weise bei der Suche nach seinem italienischen Kollegen Umberto Nobile 1928 endete, wird beileibe nicht verklärend als Sieger im Wettlauf zum Pol gegen den Briten Robert Scott geschildert.

In dem in Norwegen 1995 erschienen und gefeierten Buch kann man sehr plastisch nachlesen, wie schon Anfang des 20. Jahrhunderts Reklame und Selbstvermarktung für «Superprominente» vom Schlage Amundsens mindestens genauso wichtig waren wie das «Fachliche».

(von Thomas Borchert, dpa/sda)

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