Die Anachronisten vom schwarzen Block
publiziert: Montag, 4. Jun 2007 / 11:40 Uhr / aktualisiert: Montag, 4. Jun 2007 / 14:04 Uhr

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Eigentlich war es ja klar: In Rostock würde es wieder richtig knallen. Deeskalation hin, friedliche Demo her. Und die Taktik der netten Jungs vom schwarzen Autonomenblock war mal wieder klar: Sich zuerst hinter den friedlichen Weltverbesserern an der Grossdemo verstecken und dann, beim ersten Anzeichen, dass irgendwas auch nur entfernt wie Provokation aussehen könnte, losschlagen. Diesmal reichte scheinbar ein einzelner Polizeiwagen... ja, ist schon ne brutale Kampfansage, so ein Auto – da muss man doch ausflippen, oder?

Die momentane Diskussion, wie die Polizei auf einen Lynchmob reagieren soll, hat irre Dimensionen erreicht. Irgendwie entsteht nämlich der Eindruck, dass dieser hasserfüllte Vandalismus und diese nackte Gewalt durch irgend etwas gerechtfertigt sind. Das beginnt damit, dass immer wieder vom 'militanten Widerstand' die Rede ist.

Widerstand? Wogegen? Die Globalisierung? Denn die wird man stoppen und ändern können, indem man Autos von Bewohnern der Stadt abfackelt und die die Auslagen von kleinen Lebensmittelgeschäften und Restaurants, die lokalen Leuten Arbeit bieten, zerstört. Das schlimme an dieser Sache ist nicht, dass diese Chaoten versuchen, sich das Mäntelchen eines legitimen Widerstandes gegen einen diktatorischen Unterdrücker über zu ziehen, sondern dass immer noch Leute aus verschiedenen Organisationen, Kulturschaffende und auch Journalisten darauf hereinfallen.

Es handelt sich beim schwarzen Block, genau so wie bei randalierenden Neo-Nazis um eine totalitär denkende Möchtegern-Elite, die glaubt, mit Gewalt die Welt in den Abgrund reissen um eine eigene, «bessere» Ordnung etablieren zu können.

Doch was für eine Ordnung schwebt diesen Dünnbrettbohrern mit Wurfgeschoss denn eigentlich vor? Schon da zeigt es sich, dass es nicht weit her ist, mit der mentalen Kapazität dieser Knallfrösche: Man hört vor allem sehr diffuses Wortgebimmel, wo immer wieder «total», «Freiheit», «Strukturen zerschlagen und überwinden» und ähnliche Worthülsen repetiert werden. Und, vergessen wir es nicht «autonom» kommt auch immer wieder vor.

Kurz zusammengefasst: Die Prügeltruppe behauptet von sich – zumindest jene, die es schaffen, sich verbal halbwegs auszudrücken – dass sie nach einer unabhängigen Existenz streben und auch den Rest der Menschheit damit beglücken wollen.

Es gab schon verschiedentlich Ideologien, die auf dem Prinzip der globalen Beglückung aufbauten. Am bekanntesten unter diesen sind eindeutig Faschismus, Nazismus und Kommunismus. Wer ein wenig in die Geschichtsbücher blickt, stellt dabei fest, dass es diese Bewegungen waren, die es damals, in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts schafften, die schwarzen und braunen Blöcke für sich einzuspannen.

Die Prügeleien, welche sich damals Nazis und Kommunisten lieferten, die Übergriffe auf Unbeteiligte und der fanatische Kampf gegen die Staatsgewalt, läuteten den Niedergang der Weimarer Republik ein, den unweigerlichen Fall in den Totalitarismus.

Natürlich besteht momentan keine solche Gefahr und die Mobilisierung dieser prügelnden Dumpfbacken ist – auch weil unsere Demokratien, trotz aller gegenteiligen Behauptungen aus den Lagern der Radikalen, hervorragend Funktionieren – eigentlich jämmerlich: 3000 Chaoten als Welt-Aufgebot richten zwar lokal grosses Leid und Schaden an, sind aber keine wirkliche Bedrohung der Weltordnung.

Im Gegensatz zu echten Widerstandsbewegungen fehlt es den Autonomen daher auch an jeglicher Legitimation – sie sind nichts als ein Anachronismus erster Klasse. In einer Zeit wo es möglich ist, mit kleinem Aufwand Botschaften zu verbreiten, Demonstrationen auf die Beine zu stellen und Themen in das Gespräch zu bringen, ist der schwarze Block genau wie das braune Pack ein Relikt aus den Zeiten des Totalitarismus, eine Gruppe von Menschen, deren Denken und Handeln längst Vergangenheit sein sollte.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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