
Am 3. August ist die Anhörung zur CO₂-Verordnung abgelaufen, welche die Umsetzung der Schweizer Klimapolitik über die nächsten Jahre festlegen soll. Zum Vorschlag, den das Bundesamt für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) ausgearbeitet hat, sind rund 110 Stellungnahmen eingegangen. Sie zeigen, dass die Schweizer Klimapolitik weiterhin mit widerstreitenden Interessen zu kämpfen hat.
Die Stellungnahmen zur Verordnung sind natürlich stark durch Einzelinteressen eingefärbt. So fordern die Automobilverbände eine Erhöhung der Verkehrsemissionen um 5% bis 2015, während die vorgeschlagene Verordnung für diesen Zeitraum das Niveau solcher Emissionen auf jenes von 1990 beschränken will.
Reduktionsziele: Ist der ambitiöse Fahrplan eine Vorsichtsmassnahme?
Es lässt sich in der Tat argumentieren, dass die Reduktionskosten bei längeren Investitionszyklen geringer ausfallen, wenn sich die Zielerreichung gleichmässiger über die Zeit verteilt. Andererseits interpretiere ich den Fahrplan des UVEK als das Resultat eines Lernprozesses. In der Periode von 2008 bis 2012 hat es die Schweiz leider nicht geschafft, ihr Reduktionsziel aus eigener Kraft zu erreichen. Es mussten übermässig viele ausländische Zertifikate gekauft werden, damit die Schweiz ihr erstes Kyoto-Ziel bis Ende 2012 erfüllen kann.
Entsprechend interpretiere ich die in den einzelnen Sektoren ambitiöse Zielsetzung für die nächsten Jahre als Vorsichtsmassnahme. Falls sich nämlich im Jahr 2015 eine massive Unterdeckung der Ziele offenbart, bliebe noch ausreichend Zeit um striktere Massnahmen umzusetzen: Das CO₂-Gesetz berechtigt den Bundesrat, die CO₂-Abgabe auf bis zu 120 Franken pro Tonne CO₂ (ca. 30 Rappen pro Liter Heizöl) anzuheben, falls die für Brennstoffe festgelegten Zwischenziele verfehlt werden.
Eine Abgabereduktion für Wirtschaftszweige belastet private Haushalte stärker
Im Parlament kontrovers diskutiert wurde auch die Möglichkeit zur Abgabereduktion für bestimmte Wirtschaftszweige mit hoher CO₂-Abgabebelastung und internationaler Wettbewerbsposition, die in der CO₂-Verordnung vorgesehen ist. Einigen Industrievertretern gingen die Zugeständnisse an die Industrie nicht weit genug. Hierzu möchte ich allerdings erwähnen, dass Regelungen, wie die Möglichkeit zur Abgabereduktion für Wirtschaftszweige, volkswirtschaftlich und auch aus Fairness-Gründen nicht unproblematisch sind: Private Haushalte werden damit stärker belastet, einfach deswegen, weil sie nicht glaubhaft damit drohen können, ins Ausland abzuwandern.
Es bleibt zu erwarten, dass das Einhalten der Reduktionsziele durchaus auch volkswirtschaftliche Kosten mit sich bringen wird. Um diese Kosten in Grenzen zu halten, ist Vorschlag des UVEK auch kreativ. In den Ausführungen zu einer für einen späteren Zeitpunkt vorgesehenen Anbindung an das EU-Emissionshandelssystem wird vorgeschlagen, den Kauf von EU-Zertifikaten als inländische Reduktion zu werten. Es handelt sich ja schliesslich um den gleichen Markt. Diese Sichtweise ist ökonomisch nachvollziehbar. Es stellt sich nur die Frage, ob dann die Abgrenzung zwischen inländischen und ausländischen Reduktionen im Vorfeld der Gesetzesrevision wirklich so intensiv hätte geführt werden müssen.
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