Die Diaspora entscheidet Wahl in Italien
publiziert: Mittwoch, 12. Apr 2006 / 07:48 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 12. Apr 2006 / 08:12 Uhr

Bern - Die Wahlzettel der im Ausland lebenden Italiener haben offenbar den Ausgang der Parlamentswahl in Italien entscheidend beeinflusst. Ihre mehrheitlich dem Mitte-Links-Bündnis zufliessenden Stimmen wurden nun zum «Zünglein an der Waage».

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«Während rund 40 Jahren haben wir gekämpft, im Ausland an die Urnen gehen zu können und zum ersten Mal, dass wir von diesem Recht Gebrauch machen, sind wir es, die bestimmen, wer in Rom regiert», erklärte der in Zürich lebende Franco Narducci gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Er erhielt für das Bündnis von Romano Prodi einen der für Ausland-Italiener reservierten Sitze im Abgeordnetenhaus in Rom.

«Niemand war sich bewusst, welches Gewicht die im Ausland wählenden Italiener haben könnten», erklärte der in Neuenburg lebende Claudio Micheloni, der als Senator nach Rom geht. Man habe zwar ein knappes Resultat erwartet, aber nicht gerade, dass die Ausland-Italiener das Resultat zu Gunsten von Prodi kippen könnten.

Zum ersten Mal und dann das!

Zum ersten Mal konnten die im Ausland lebenden 3,5 Millionen Italiener an ihrem Wohnort die Stimme abgeben und eigene Vertreter für die beiden Parlamentskammern in Rom bestimmen. Zwölf Sitze in der Deputiertenkammer und sechs Sitze im Senat sind für sie reserviert.

Nachdem sich die Auszählung der Wahlzettel in der Nacht auf Dienstag hinzog und sich ein Patt abzeichnete, wurden diese Zettel immer wichtiger. Schliesslich sicherten sie der Unione von Romano Prodi einen hauchdünnen Vorsprung im Senat. Mit der Mehrheit in beiden Kammern könnte die Bildung einer stabileren Regierung möglich werden.

In der Schuld dieser Gruppe

Damit dürfte die neue Regierung bei den im Ausland lebenden Italienern in der Schuld stehen. «Die nächste Regierung wird mehr Dialog mit den Italienern im Ausland pflegen müssen», glaubt Michele Schiavone, Sekretär der Linksdemokraten in der Schweiz und Europa.

Die Unione werde mehr Sensibilität für die Italiner im Ausland aufbringen müssen, glaubt auch Enrico Giuliano, Sekretär der Partei der Ausland-Italiener. In den vergangenen fünf Jahren habe Berlusconi für die Gruppe nur wenig getan. Eines der Probleme der Emigranten dürften die Steuern für die in der Heimat stehenden Häuser sein, die nur wenige Wochen im Jahr bewohnt sind.

(Federico Bragagnini und Christian Rovere/sda)

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