Die Ersten sollten die Letzten sein
publiziert: Donnerstag, 16. Feb 2012 / 09:41 Uhr
Kloster Fahr: Gehört Kloster Einsiedeln - doch die Renovation zahlen andere.
Kloster Fahr: Gehört Kloster Einsiedeln - doch die Renovation zahlen andere.

Das Kloster Fahr ist offenbar sanierungsbedürftig. Kürzlich wurde der Eingang der ersten von 20 benötigten Spendenmillionen vermeldet und darauf hingewiesen, dass unter den ersten Spendern die Stadt Zürich mit 100.000 Franken figuriert.

Weitere Kantone und Gemeinden sollen ebenfalls bereits gespendet haben und Beiträge der Kantone Aargau und Zürich, des Bundes und der Denkmalpflege würden noch erwartet.

Das Kloster Fahr ist seit der Gründung im Jahr 1130 unserer Zeitrechnung Eigentum des Klosters Einsiedeln und gehört politisch zum Kanton Aargau. Das Kloster Einsiedeln, immerhin grösster privater Grundbesitzer der Schweiz, wird offenbar nichts zur Sanierung beitragen. Die Zukunft des Klosterbetriebs in Fahr ist ungewiss, derzeit leben dort gerade noch 24 Frauen.

Wie kommt also die Stadt Zürich dazu, im Jahr 2011 unserer Zeitrechnung Stadtzürcher Geld in das Vermögen des Klosters Einsiedeln zu spenden?

Der Entscheid des Stadtrates erfolgte im November 2011 auf Antrag von Stadtrat Vollenwyder der FDP. Entnommen wurde der Betrag dem Beitragsfonds des Finanzdepartements, der Beiträge «für gemeinnützige, wohltätige, kulturelle und andere im öffentlichen Interesse bzw. im Interesse der Stadt Zürich liegende Zwecke» entrichten kann. In den Fonds werden unter anderem allgemeine Spenden und Legate an die Stadt Zürich verbucht. Im Protokoll des Stadtrates steht: «Noch bis heute besuchen viele Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher regelmässig die Gottesdienste oder Chorgebete der Klosterkirche Fahr», die touristische und kulturelle Bedeutung werden erwähnt, sowie die «historische Verbundenheit» Zürichs mit dem Kloster.

Lässt sich aber damit wirklich ein öffentliches Interesse der Stadt Zürich begründen? Werden also demnächst auch Spenden an die Renovation des Casinos im aargauischen Baden beschlossen, weil seit 1891 viele Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher regelmässig dieses Casino besuchen?

Die öffentliche Hand ist häufig sehr schnell beim Spenden. Auch bei Aufrufen der Glückskette werden Gemeinden und Kantone jeweils unter den ersten grosszügigen Spenderinnen aufgeführt. Aufgabe der öffentlichen Hand wäre es aber eigentlich nicht, wohltätig zu sein, sondern Staatsaufgaben zu erfüllen. Dazu mögen allenfalls auch Beiträge an Sanierungen von religiösen Bauten gehören, aber nicht als Spenden, sondern als sorgfältig geprüfte und begründete Beiträge an zukunftsgerichtete Projekte, die im Interesse der Gesamtbevölkerung stehen.

Die öffentliche Hand sollte also bei der Sanierung des Klosters Fahr nicht die Erste, sondern ? allenfalls ? die Letzte und nicht Spenderin sondern Beitragende sein.

(Reta Caspar/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Obwohl die Niederlande eines der säkularisiertesten Länder sind, ist die Trennung von Kirche und Staat immer noch nur Illusion
Obwohl die Niederlande eines der ...
In den Niederlanden ist - wie in vielen europäischen Ländern - die Trennung von Staat und Kirche ein Mythos. Entgegen der herrschenden Meinung steht in den niederländischen Verfassung kein Wort davon, dass der Staat neutral zu sein habe in Bezug auf Weltanschauungen. Eine Petition von FreidenkerInnen will das nun ändern. mehr lesen 
Religion und Nation sind einander strukturell ähnliche Mythen, welche die Politik bestimmen und oft genug den gesellschaftlichen Frieden bedrohen. Wie mit diesen Mythen umgegangen wird, wird die ... mehr lesen 1
Wo Religion scheinbar noch über dem Staat steht: USA und «IN GOD WE TRUST» über dem Kapitol
Dublin, kurz vor dem Referendum: Die grosse Mehrheit sagte «Ja» zu den Menschenrechten gegen den Widerstand der Kirche.
Irland hat's vorgemacht: Gegen den massiven Widerstand der katholischen Kirche haben sich die allgemeinen Menschenrechte in einer Volksabstimmung durchgesetzt. Ein weiterer Beleg dafür, dass die christlichen Kirchen ... mehr lesen  
In vitro befruchteter menschlicher Embryo: Legalisierung von PID beugt «Schwangerschaften auf Probe» vor.
Abstimmung vom 14. Juni: Ja zur Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik Die Schweiz gehört zu den wenigen westlichen Ländern, in denen die Präimplantationsdiagnostik ...
Typisch Schweiz Bührer Traktoren Porsche baute einst Traktoren und Lamborghini tut es noch heute. Doch wer ...
Shopping Jochen Rindts letzter Sommer Er war der coolste österreichische Formel 1-Fahrer aller Zeiten, der sogar mit ruhigem Puls aus einem brennenden Fahrzeug gestiegen ist. Jochen Rindt verunglückte vor 45 ...
Das Bild des Grauens
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Die perfekte Frau für den Kapitalismus und scheinbar jetzt auch Amnesty International.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Mit dem letzten Geld auf Seelenverkäufer für etwas Grundsicherung in der Flüchtlingsunterkunft?
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Börse in Schangai: Ersatzcasino für Klein- und Kleinstverdiener
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Wo steht nochmal: «Ihr alle seid Huonder»? Weder hier noch im Brief an die Katholiken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Wettbewerb
Unvergessliche Momente auf der OCHSNER SPORT CLUB Fanbank.
Hautnah dabei  OCHSNER SPORT CLUB bringt dich hautnah an die Stars der Super League.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MI DO FR SA SO MO
Zürich 11°C 14°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 10°C 15°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 12°C 16°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Bern 14°C 20°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 14°C 19°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Genf 14°C 21°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 20°C 23°C bewölkt, Gewitter, wenig Regen bewölkt, Gewitter, wenig Regen bewölkt, Gewitter, wenig Regen bewölkt, Gewitter, wenig Regen bewölkt, Gewitter, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten