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Die FCZ-Künstler und der Kartoffelacker
publiziert: Sonntag, 15. Feb 2009 / 21:27 Uhr

Die Temperaturen sackten unter den Gefrierpunkt ab, die FCZ-Spielkunst erstarrte regelrecht. Die Vorgeschichte des tor- und trostlosen Remis gegen Bellinzona setzte dem Zürcher Coach Bernard Challandes so sehr zu wie die miserable Partie selber. «Wir trainierten auf einem Kartoffelacker», klagte er.

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FCZ-Trainer Bernard Challandes ärgert sich über die unzumutbaren Zustände auf dem Platz. (Archivbild)
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Zürcher Berufsoptimisten verwiesen nach dem torlosen Remis gegen den Abstiegskandidaten Bellinzona auf die positivste Marke der FCZ-Statistik: Mit dem 0:0 verlängerte der Leader seine Serie der Ungeschlagenheit auf 14 Runden.

Mehr statistisch Erhebliches vermochte aber auch die Fraktion der Schönfärber dem Auftritt gegen die Tessiner nicht abzugewinnen. Das Spiel wird wohl lediglich ins Geschichtsbuch der ACB eingehen - es war erst der dritte Punktgewinn im Letzigrund seit 1960.

Zweckoptimismus

Bernard Challandes vermied es bewusst, den zweiten doppelten Punktverlust innerhalb von sieben Tagen zu dramatisieren. Er wollte die Verunsicherung offenkundig nicht zusätzlich heraufbeschwören.

Natürlich sei er enttäuscht, ja, die erste Hälfte «war ganz ungenügend». Der FCZ-Coach gab auch zu, dass ihnen die Ideen gefehlt hätten und er die Automatismen vermisst habe.

«Es war kein Feuer da, kein Rhythmus. Wir fanden keine Lösungen», stellte Challandes in seiner ersten, längeren Nachbetrachtung fest. Er hätte auch deutlichere Worte finden können.

Dass sein Ensemble zweifelsohne über die spielerischen Mittel verfügt, ist seit der Vorrunde unbestritten. Den Beweis, einen defensiven Gegner niederringen zu können, hat der FCZ (noch) nicht erbracht. Das ist Challandes nicht entgangen.

Fehlende Leidenschaft

Im Medienraum klopfte er energisch auf den Tisch. Im Eifer seines Referats stampfte er. Hätten seine Spieler nur halb so leidenschaftlich gespielt, wie ihr Chef später über den blassen Auftritt referierte, wären die Gäste vermutlich ohne Ertrag in die Südschweiz zurückgekehrt. «Man erkennt ein Team auch, wenn die Zeiten schwieriger sind.» Am Samstagabend hat Challandes seine Equipe wohl kaum auf den ersten Blick erkannt. Die Souplesse war weg, ihre Raffinesse nicht sichtbar, nur vorstellbar.

Challandes gestand ein, «dass unserere Leistung nicht gut war heute. Gegen GC (2:2 in der Nachspielzeit) war ich mit der Leistung zufrieden, heute nicht» Und: «Ja, sechs Punkte wären in den beiden Spielen möglich gewesen.» Den Vorwurf, der Wille habe gefehlt, akzeptierte der FCZ-Trainer hingegen nicht: «Ich kenne meine Mannschaft. Dieses Team hat Leidenschaft.» Eine Trendwende hält Challandes deshalb jederzeit für möglich.

Müde Beine

Für die unübersehbare Behäbigkeit fand der temperamentvolle Chef an der Linie ungefragt einen etwas anderen Ansatz - aber keine Entschuldigung, wie er mehrfach betonte. «Wir trainierten zweimal im Schnee und einmal auf einem Kartoffelacker. Dass uns der Rhythmus fehlte, ist kein Zufall. Das Feuer kommt nicht nur vom Kopf, sondern auch von den Beinen.» Die für einen Spitzenklub an sich unzumutbaren Verhältnisse stossen Challandes sauer auf.

Zum Ärger des Trainers musste Zürich in den Tagen vor dem ersten Heimspiel überdies auf neun Auswahl-Spieler verzichten. Speziell die Umstände beim (müden) Abwehrchef Hannu Tihinen trieben ihn fast zur Weissglut. «Er (Tihinen) zeigte dem Nati-Coach zweimal an, er wolle ausgewechselt werden. Was macht der? Er lässt ihn drin, weil er gegen Portugal einen Heldentat liefern wollte.» Und dann müsse der FCZ, der dem Verband diverse Nationalspieler abtrete, bereits am Samstag antreten, zürnte Challandes.

«Aber eben, wir suchen keine Ausreden. Es sind einfach ein paar weitere Details.» Allzu viele Alibis wollte Challandes dem Team eine Woche vor dem Spitzenspiel in Basel dann doch nicht verschaffen. Eine erhebliche Steigerung ist nötig. Das Team muss sich auf und neben Feld den raueren Umständen anpassen. «Man muss auch mal die direkte Linie aufs Tor wählen.» Die winterlichen Verhältnisse kann Challandes nicht ändern - nur die Taktik auf der grünen Unterlage. Kartoffelacker hin, Schneefall her.

(von Sven Schoch, Zürich/Si)

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