Die Freunde der Palästinenser
publiziert: Donnerstag, 15. Sep 2005 / 08:53 Uhr

Gaza - In ihrem Jubel über den Abzug der israelischen Soldaten nach 38 Jahren Besatzung kennen die Palästinenser kein Halten mehr.

Luftansicht der gräumten Siedlung Netzarim im Gaza-Streifen.
Luftansicht der gräumten Siedlung Netzarim im Gaza-Streifen.
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Das Startsignal geben die Sicherheitskräfte, die zu ihren Bussen rennen. In einem Triumphzug quer durch das bisherige militärische Sperrgebiet drängten am Montag Tausende in die geräumte jüdische Siedlung Netzarim.

Demonstration der Stärke

«Es ist eine unbeschreibliche Freude für alle Palästinenser», sagt «Abu Dschihad», ein Anführer der militanten El-Aksa-Brigaden, dessen Kampfgruppe in voller Montur und teilweise maskiert in Netzarim aufmarschiert ist.

Auch andere militante Gruppen wie der Islamische Dschihad sind mit Uniformierten und Lautsprecherwagen aufgefahren. Über Lautsprecher werden die Namen der Palästinenser verlesen, die bei Angriffen auf Netzarim getötet wurden. Die Milizen nutzen den Moment für eine Demonstration der Stärke.

Wohl an mehr als 100 Stellen legen die feiernden Palästinenser Feuer. Israelische Arbeiter haben fast alle Gebäude abgerissen, nachdem Netzarim am 22. August als letzte der 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen geräumt worden war.

Symbole der Besatzung

Nur das leere Gebäude der Synagoge und einige nahe gelegene Häuser stehen noch. Die Dächer der Bauten, für die Palästinenser Symbole der Besatzung, werden angezündet.

Neugierig stochern die Menschen in den Überresten der Siedlung, in der israelische Soldaten früher Eindringlinge erschossen haben. Die grosszügigen Anlagen lassen den Lebensstil der Siedler erkennen, der sich deutlich von der ärmlichen Enge der palästinensischen Wohnviertel abhebt.

«Ich bin überzeugt, dass das Land weder Privatleuten noch der Regierung gehört», sagt der 27-jährige Scharif Hellis. Es sei Besitz der Märtyrer, der Verwundeten, der Familien Getöteter. Sie hätten mit ihrem Blut für das Land bezahlt.

Viele Palästinenser knüpfen an den Rückzug der Israelis die konkrete Erwartung, dass sich ihr eigenes Leben verbessert. Die mehr als 1,4 Millionen Menschen im Gazastreifen leben dicht gedrängt.

Ringen um den Aufbau

Überleben können viele nur, weil sie Unterstützung des UNO-Hilfswerkes UNRWA bekommen. Anwohner der Siedlungen haben oftmals Grundstücke an die Sperrgebiete des israelischen Militärs verloren, die sie noch in der Nacht zum Montag für sich zurück beanspruchen.

Der palästinensische Militärarzt Dschihad el-Attal ist derweil mit einem Krankenwagen unterwegs und erklärt, dass sein Volk nun vor einer grossen Aufgabe stehe: «Das Ringen um den Aufbau wird jetzt noch schwieriger als der Kampf es war.»

(Carsten Hoffmann/dpa)

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Im Lager von Netzarim brennen die Synagogen. Bild: Archiv.
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