Die Grünen von rechts
publiziert: Dienstag, 20. Mai 2008 / 11:09 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 20. Mai 2008 / 11:25 Uhr

Momentan sind «grün» und «links» zumeist noch Synonyme. Doch es zeichnet sich eine Wende – ganz abgesehen von den Schweizer Grünliberalen oder der Schwarz/Grünen Koalition in Hamburg – ab.

Viel weiter rechts im politischen Spektrum formiert sich nämlich in den USA eine grüne Welle, die von Leuten ins Rollen gebracht wird, die vor einigen Jahren grüne Ideen noch nicht einmal mit einem langen Stock berührt hätten – die Rede ist von den Neokonservativen.

Genau, Neocons – die Sturmtruppen des reinen Kapitalismus, die Leute, die sich eher verstümmeln als einem staatlichen Eingriff in den Markt zustimmen würden. Und ausgerechnet auf dieser Seite sammeln sich nun Kräfte, die darauf hindrängen, mehr erneuerbare Energiequellen zu verwenden und die Energie effizienter und umweltverträglicher zu nutzen.

Die Tatsache, dass zum Beispiel ein Newt Gingrich für solche Massnahmen ist, mag uns hier nicht allzu viel sagen, aber diese Unterstützung eines Umweltthemas durch diesen rechtskonservativen Falken ist in etwa so erstaunlich, wie die Teilnahme von Christoph Blocher an einem Sitztstreik gegen die Ausschaffung illegaler Flüchtlinge.

Doch woher kommt diese plötzliche Motivation aus der rechten Ecke der US-Politik, wo bis vor kurzem «Umweltschutz» ein Schimpfwort war, das jede Konversation in peinliche Stille absacken liess? Haben diese Leute auf einmal ihr Gewissen für die Umwelt entdeckt?

Doch solche Hoffnungen sind illusorisch. Die plötzliche Liebe zu nachhaltigen Energiequellen kommt ganz woanders her. Ein Hinweis, woher der Wind weht, ist zum Beispiel der Aufkleber auf dem weissen Toyota Prius von James Woolsey, einem früheren CIA-Chef und Pionier der grünen Neocons: «Bin Laden Hates This Car».

Diese rechten Falken sehen in der Abhängigkeit von Öl aus dem Ausland eine grosse Verwundbarkeit der USA in strategischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Dies vor allem auch, da es ja nicht mehr die Ölmultis sind, die das Spiel bestimmen. Weltweit wurden und werden Ölvorkommen und Ölförderer verstaatlicht. Ob in Saudi-Arabien, Libyen, Sudan, Iran, Russland oder Venezuela – es sind nun vor allem Regime, die mit der Energiedividende ihre politischen Ziele finanzieren, die das Sagen haben.

Lange Zeit war der rohstoff-finanzierte Schrecken aber lokal begrenzt und es kümmerte in den USA kaum einen Konservativen, ob Folterkeller, Terrorcamps und Erschiessungskommandos über die Zapfsäulen finanziert wurden. Doch seit der Terror genau so global wie die Wirtschaft geworden ist und die USA traumatisiert hat, begannen sich auf einmal auch die Sekundäreffekte des eigenen Konsums dafür zu interessieren.

So meint denn auch der neokonservative Journalist Clifford May, dass die Falken nicht wirklich grün würden, sondern Falken und Grüne gemeinsame Interessen fänden. Sollte McCain wider Erwarten die Wahlen im Herbst gewinnen, könnte Europa sich plötzlich mit einem unerwarteten Wandel in der us-amerikanischen Energiepolitik konfrontiert sehen, einer konzertierten Aktion, die versuchen würde, alles über den Haufen zu werfen, was bisher hoch und heilig war. Mit welcher Chance auf Erfolg sei dahin gestellt.

Fragt sich am Ende einfach, was man davon halten soll? Werden diese Neocon-Grünen das Richtige aus den vielleicht falschen Gründen machen? Sollte einen das stören oder sollte man einfach froh sein, dass – aus welchen Motiven auch immer – plötzlich mächtige Kreise, die sicher bisher immer gegen jeden Wandel gestemmt hatten, diesen auf einmal anschieben wollen?

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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