Die Hoffnung stirbt zuletzt: Ob Wikileaks Politikern Anstand beibringen kann?
publiziert: Freitag, 10. Dez 2010 / 12:46 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 15. Dez 2010 / 16:22 Uhr
Schamlos am Gipfel: Die G8-Regierungschefs in Ontario, vor Wikileaks.
Schamlos am Gipfel: Die G8-Regierungschefs in Ontario, vor Wikileaks.

Der Kampf um Wikileaks schlägt wahre Tsunamis und die Debatte bewegt sich in verwirrenden Haken. Persönliche Angriffe auf Julian Assange werden als Begründung dafür genommen, dass Wikileaks generell schlecht sei und der Vertrauensverlust in die Politik die Schuld jener wäre, welche die Untaten und Peinlichkeiten der Mächtigen enthüllen, und nicht jener, die sie begingen...

7 Meldungen im Zusammenhang
Wikileaks ist in aller Munde und wird es bleiben. Daran wird auch die Verhaftung von Julian Assange nichts ändern. Denn Assange mag zwar das Gesicht von Wikileaks sein, der Vertreter, der an die Öffentlichkeit trat, doch er ist nicht Wikileaks. Genauso wenig wie George Clooney Nespresso herstellt oder Audrey Tautou für Chanel Parfums mixt.

Der von staatlicher Seite verbreitete und von manchen Journalisten aufgenommene Vorwurf, Assange sei nicht offen, was sein Privatleben angehe, während er Staaten bloss stelle, ist absolut behämmert. Assange hat – abgesehen vom Wahrheitsgehalt der von Wikileaks verbreiteten Dokumente – im Gegensatz zu Regierungen keine Rechenschaftspflicht darüber, wie er Steuergelder verschwendet, Kriege anzettelt, Gefangene foltert, Grundrechte verletzt und Forschungsergebnisse fälscht, weil er dies schlicht nicht tut. Staaten haben Funktionen, Verantwortungen und Rechenschaftspflicht gegenüber dem Bürger. Und sie vernachlässigen diese Pflichten völlig schamlos immer mehr.

Die schöne neue Datenwelt hat den Regierungen und ihren Geheimdiensten total neue Spielzeuge zur Überwachung, Fälschung und Manipulation in die Hände gegeben. Gleichzeitig haben multinationale Firmen ihren Einfluss auf die Politik stetig ausgebaut. Die Ausübung von Macht ist unübersichtlich geworden und nicht zuletzt Lobby-Gruppen sorgen dafür, dass die Grenzen zwischen Wirtschaftsinteressen und Politik weiter verschwinden, während viele Medienkonzerne, entweder aus finanziellen, oder besitz-technischen Gründen, auf investigativen Journalismus mit dem damit einhergehenden grossen Aufwand verzichten: Ein Wunschtraum für die Mächtigen, der wahr zu werden droht.

Viele Regierungen, Grossbanken und multinationale Organisationen haben während der Finanzkrise das letzte Vertrauen, das sie nun vom Bürger einfordern, wenn sie um ihre mediale Intimsphäre kämpfen und ein Sperren von Wikileaks fordern, verspielt. Jetzt zeigt sich, dass immer noch viele relevante Vorgänge geheim gehalten und vertuscht werden. Nicht weil deren Offenlegung dem Staat selbst schaden würde, sondern weil dies den Mächtigen ungelegen, unangenehm, peinlich oder für ihre begehrte Position gar bedrohlich wäre.

Wikileaks und die dafür kämpfende Internet-Guerilla sind darum momentan unentbehrlich. Die Staaten und deren Institutionen müssen sich das Vertrauen, dass sie von den Bürgern verlangen, zurück verdienen. Doch dafür müssten die Politiker als Erstes aufhören, beleidigte Leberwurst zu spielen, wenn Sie mit ihrem wahren – und nicht dem von ihren PR-Fritzen gezeichneten – Bild in den Medien konfrontiert werden. Sie müssten endlich wieder Anstand gegenüber ihren Wählern lernen und dies auch in ihren Handlungen zum Ausdruck bringen. Sicher, das ist viel verlangt von den Machteliten der Welt, aber wenn Wikileaks dies mit weiteren Enthüllungen erreichen sollte, wäre die Menschheit womöglich einen grossen Schritt weiter. Man darf ja hoffen, oder?

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
1
Forum
Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
London - Der Gründer der Enthüllungswebsite Wikileaks, Julian Assange, soll unter Auflagen auf Kaution freikommen. Das ... mehr lesen
Julian Assange.
Sydney - Mit Spruchbändern und Plakaten sind in Australien hunderte Unterstützer der Enthüllungsplattform Wikileaks auf ... mehr lesen
Sympathiewelle für Julien Assange.
Der Computer des 16-jährigen Hakers wurde bei der Festnahme auch beschlagnahmt.(Symbolbild)
Den Haag/Washington - Nach den Internet-Attacken von Wikileaks-Anhängern ... mehr lesen
New York/Berlin - Die Anhänger der Enthüllungsplattform Wikileaks können im Streit mit PayPal, Mastercard und Visa ... mehr lesen 2
Wikileaks publiziert weiter.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Der 'Neo' der Informationsgesellschaft? Julian Assange.
Dschungelbuch Wikileaks werden seit der Veröffentlichung geheimer Dokumente ÖFFENTLICHER STELLEN weltweit sämtliche Websites und Bankkonten gesperrt. Gestern stellte sich Julian Assange der britischen Polizei. ... mehr lesen 3
Lasset uns hoffen
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Danke Patrik Etschmayer/news.ch für diesen Artikel.
Sepp-Blatter: Präzedenzfall für Winter-WM geschaffen?
Sepp-Blatter: Präzedenzfall für Winter-WM geschaffen?
Eigentlich kann der Autor froh sein: 2022 wird er die sommerlichen Innenstädte - wie es aussieht - weitgehend Fussballfrei geniessen können, da die Fussball-WM in diesem Jahr nicht wie üblich den Hochsommer besetzt, sondern in die Finsternis des Spätherbst verbannt wird. mehr lesen 
FIFA-Exekutivmitglied entlastet Das belgische FIFA-Exekutivmitglied Michel D'Hooghe ist vom Korruptionsvorwurf im ...
HRW prangert Menschenrechtsverstösse bei Sportereignissen an Berlin - Human Rights Watch verurteilt ...
Vor einem Jahr ist die Masseneinwanderungsinitiative angenommen worden. Vor einer knappen Woche stellte der Bundesrat irgendetwas, das an eine Verhandlungsposition mit der EU ... mehr lesen  
Plakate im Vorfeld der MEI: Jetzt wäre die Zeit, sich der Realität zu stellen.
Wohlwollende Worte zur Umsetzung der SVP-Zuwanderungsinitiative Sydney - Der Bundesrat erntet von den Kommentatoren in den Medien wohlwollende Worte für ...
Der Bundesrat erntet von den Kommentatoren in den Medien wohlwollende Worte.
Aromat-Plakate aus den 60er Jahren.
Typisch Schweiz Das Aromat Es gibt Schweizer, die können nicht ohne und nehmen ihr Aromat sogar mit in die ...
Shopping Stan Laurel Woche. Heute: Dick & Doof - Die Wüstensöhne Diese Woche betrauern wir den 50. Todestag von Stand Laurel. Täglich gibt es hier einen Laurel & Hardy-Klassiker zu sehen und zu kaufen - als ...
Schön: Saab 900 Turbo Aero.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Das Gesetz, mit dem im Deutschen Reich die Demokratie ermordet wurde: Ermächtigungsgesetz von 1933.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
Sepp-Blatter: Präzedenzfall für Winter-WM geschaffen?
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Auch in China ist die Todesstrafe immer umstrittener.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Vorschlag an den Kolumnisten: Wenigstens in Hobbiton dürfte er von Missionaren verschont bleiben und sich nur gegen Hobbits verteidigen müssen.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
FR SA SO MO DI MI
Zürich -1°C 0°C bedeckt, Schneefall leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 1°C 2°C bedeckt, Schneefall leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 2°C 2°C bedeckt, wenig Schneefall leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 2°C 3°C bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 2°C 3°C bedeckt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 2°C 4°C bedeckt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 5°C 10°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten