Die Kosten des Qualms
publiziert: Donnerstag, 2. Okt 2008 / 12:04 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 2. Okt 2008 / 12:37 Uhr

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Weiterführende Links zur Meldung:

Studie zum Antirauchprogramm
Ausführliche Studie zu den Auswirkungen des kalifornischen Anti-Rauch-Programmes.
plosmedicine.org

Das momentane Tohuwabohu, wenn es um Rauchverbote, Raucherbeizen und Fumoirs in der Schweiz geht, vernebelt einem fast schon die Sicht auf die Fakten, betreffend Nikotinsucht und Vorschriften gegen das Rauchen.

Das beginnt schon dabei, dass ausgerechnet Kreise, die sonst immer betonen, wie wichtig die Meinung des Volkes sei, mit dem Hinweis auf individuelle Selbstbestimmung und Freiheit die klaren Abstimmungsergebnisse ignorieren, die meist mit siebzig bis achtzig prozentigen Mehrheiten für rauchfreie öffentliche Räume und Restaurants zeigen. Es scheint eben Tatsache geworden zu sein, dass das Rauchen von einer Mehrheit der Bevölkerung als eine Belästigung betrachtet wird, der die Raucher gefälligst unter sich nachgehen sollen.

Alleine schon die Abstimmungen und die Schädlichkeit des Rauchens und Passiv-Rauchens, wären schon Argument genug, Druck auf die Raucher und so auch auf die Tabakindustrie auszuüben. Die Zigarettenhersteller, die dem Tabak seit Jahrzehnten Stoffe wie Ammoniak beimischen, um Neuraucher schneller süchtig zu machen, bewegt sich mit ihren Taktiken ohnehin vielfach am Rand der Kriminalität. Rücksichten sind hier also nicht angebracht.

Im August wurde nun eine Studie veröffentlicht, welche die Folgen von Rauchverboten auf das Gesundheitssystem analysiert. Anhand von Kalifornien, dem Staat, in dem am längsten – seit 1989 – ein umfassendes Anti-Rauch-Programm implementiert worden ist. Und die Resultate lassen – vor allem wenn man das allgemeine Aufstöhnen wegen der steigenden Krankenkassenprämien bei uns nicht vergisst – aufhorchen.

In den Jahren 1989 bis 2004 hat das Anti-Raucher-Programm bei Kosten von 1,8 Milliarden US-Dollar Einsparungen an Gesundheitskosten von 86 Milliarden gebracht – jeder ausgegebene Dollar erbrachte 50 an Ersparnis. Dabei wuchsen die Effekte Jahr für Jahr an und umfassten 2004 bereits 7,3% der Gesundheitskosten – mithin mehr als doppelt so viel, wie in der Schweiz nächstes Jahr die Krankenkassenprämien ansteigen werden

Das Argument der Raucher, dass die Tabaksteuern ja ihre Gesundheitskosten locker abdecken, wird durch die Studie auch durchlöchert, kommt sie doch auf Resultate, die – je nach Betrachtungsweise und Systematik - Kosten von knapp 7 bis 27.-- US-Dollar pro Paket Zigaretten ergeben, wobei gewisse neu entdeckte Gesundheitsrisiken noch gar nicht dabei berücksichtigt sind.

Was vor allem erstaunt, ist die ständig wachsende Wirksamkeit dieses Anti-Rauch-Programmes, das auch dazu führte, dass viel weniger Jugendliche in Kalifornien zur Zigarette greifen. Dies nicht, weil spezielle Anti-Rauch-Programme für Kids ins Leben gerufen wurden, sondern weil sich die Einstellung zum Rauchen unter den Erwachsenen geändert, eine soziale Norm auf den Kopf gestellt wurde. Rauchen wird in Kalifornien nicht mehr mit erwachsen sein und Freiheit, sondern mit Abhängigkeit und Unfreiheit asoziiert – was physiologisch ja auch den Tatsachen entspricht.

Die Folgerung bei uns kann eigentlich nur sein, dass der Staat endlich nicht nur dem eindeutigen Ruf der Bevölkerung, sondern auch den Erkenntnissen der Wissenschaft folgt und sich endlich daran macht, die - durch Jahrzehnte der von den Tabakmultis betriebenen Propaganda - verdrehte Wahrnehmung des Rauchens (eine Sucht mit Freiheit zu Verquicken, was für ein brillantes Konzept!) wieder auf die Füsse zu stellen und weiter gegen den Qualm vorzugehen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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