Die Macht bleibt in der Familie
publiziert: Sonntag, 30. Dez 2007 / 21:32 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 30. Dez 2007 / 22:13 Uhr

Islamabad - Sie gehört seit langem zu den mächtigsten Familien Pakistans. Auch nach dem Tod Benazir Bhuttos dürfte der Clan aus der Politik des Landes nicht wegzudenken sein.

Pakistans erster ziviler Premierminister Zufilqar Ali Bhutto starb 1979 nach dem Militärputsch von General Zia ul Haq am Galgen.
Pakistans erster ziviler Premierminister Zufilqar Ali Bhutto starb 1979 nach dem Militärputsch von General Zia ul Haq am Galgen.
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Heute wählte die vor 40 Jahren von Bhuttos Vater gegründete Pakistanische Volkspartei (PPP) ihren erst 19 Jahre alten Sohn Bilawal Zardari zum Vorsitzenden. Bis der Oxford-Student endgültig in die Fussstapfen seiner berühmten Mutter treten kann, soll sein Vater Asif Ali Zardari als «Ko-Vorsitzender» die Partei führen.

Bhuttos einziger Sohn ist das dritte Mitglied des einflussreichen Clans, das an die Spitze der grössten Oppositionspartei Pakistans tritt. Das Erbe dürfte angesichts der blutigen Geschichte seiner Familie schwer auf seinen Schultern lasten.

Sein Grossvater, Pakistans erster ziviler Premierminister Zufilqar Ali Bhutto, starb 1979 nach dem Militärputsch von General Zia ul Haq am Galgen. Seine Mutter wurde am Donnerstag bei einer Wahlkampfveranstaltung getötet - bei einem Anschlag, der das ganze Land in eine tiefe Krise gestürzt hat.

Politisches Erbe

Dass der «Unvergleichliche» - so die Übersetzung des Namens Bilawal - eines Tages das politische Erbe seiner Mutter antreten würde, bahnte sich seit längerem an: Seit 2007 studiert der sportbegeisterte Junge an der renommierten britischen Eliteschmiede Oxford, die auch Benazir Bhutto absolvierte.

Geboren wurde Bilawal 1988 einen Monat bevor seine Mutter zur ersten weiblichen Premierministerin Pakistans gekürt wurde. 1999 ging er nach Korruptionsvorwürfen gegen Bhutto mit ihr und seinen beiden Schwestern ins Exil, besuchte Schulen in London und Dubai. Tontauben-Schiessen und Reiten gehören zu seinen Hobbys.

Trotz seiner Jugend ahnt Bilawal Zardari offenbar die Bürde, die ihn erwartet. «Er ist nicht scharf darauf, hier die politische Bühne zu betreten», sagte Bhuttos ehemalige Sprecherin Sherry Rehman noch vor der Entscheidung der PPP am Sitz des Clans im südpakistanischen Dorf Naudero.

Zu jung für die Politik

Auch nach Ansicht von Beobachtern ist Bhuttos Sohn zu jung für die Politik. «Er muss noch geformt werden», sagt der pensionierte General Talat Masood. «Sie müssen ihn erst seine Ausbildung beenden lassen.»

Um Bilawal die nötige Zeit zu geben, könnte sein Vater, der am Sonntag zum «Ko-Vorsitzenden» ernannt wurde, die Partei vorübergehend führen. Der aus einer reichen Grossgrundbesitzerfamilie stammende Zardani hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich.

«Mister Zehn Prozent»

Bevor er mit 31 Jahren durch seine arrangierte Ehe mit Benazir in den Bhutto-Clan einheiratete, galt er als ausgesprochener Playboy. In der Amtszeit seiner Frau wurde er als «Mister Zehn Prozent» berüchtigt, weil er sich stets lukrative Anteile an Staatsgeschäften gesichert haben soll.

Nach Bhuttos Entlassung als Regierungschefin landete ihr Ehemann 1996 hinter Gittern. Erst nach acht Jahren wurde er freigelassen, nachdem Anklagen wegen Korruption, Mordes und Drogenschmuggels fallengelassen worden waren. Auch die Genfer Behörden ermitteln gegen ihn wegen Geldwäscherei.

Zardari habe «keine weisse Weste», beklagt Politik-Experte Masood. Es könnte also sein, dass sein Sohn doch mehr Verantwortung übernehmen muss als ihm lieb ist.

(Sami Zubeiri/sda)

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