'Die Musikindustrie ist nicht immer böse'
publiziert: Dienstag, 15. Feb 2005 / 09:39 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 17. Feb 2005 / 14:58 Uhr

Die Krise der Musikindustrie fällt auch auf die Künstler zurück. Poto Wegener, Leiter Urheberabteilung der Suisa, erzählt wie schlimm es um die Musiker wirklich steht und was sich ihnen für neue Chancen eröffnen.

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Weiterführende Links zur Meldung:

Suisa
Die Schweizerische Gesellschaft für die Rechte der Urheber musikalischer Werke
www.suisa.ch

Werden die CD-Geschäfte überleben?

Poto Wegener: "Ich denke, wir werden auch in 10 Jahren noch Tonträger kaufen gehen. Darum sehe ich eine Chance für kleine aber gute CD-Läden, wo du rein gehst, dem Verkäufer sagen kannst, `Ich habe das und das gehört`, und er kennt es. Mehr noch; er drückt dir noch eine andere in die Hand und findet, die sei auch gut und gehe in die gleiche Richtung. Und er erinnert sich vielleicht sogar daran, was ich beim letzten Besuch gekauft habe. Es wird mehr Fachpersonal und weniger Media Markt gefragt sein, wo du rein gehst, nach David Bowie fragst und sie antworten: `Was ist David Bowie?`."

Erst jetzt springen Plattenlabel auf den Internetzug auf und verkaufen Musik online. Dachten die grossen Labels zu lange, sie seien unbesiegbar?

"Nun, das ist auch verständlich, wenn ein Geschäft über Jahre so gut läuft. Aber ich denke, dass die Musikkonsumenten ein etwas naives Bild von der Musikindustrie haben: Man sieht die Künstler, oft ausgeflippte Typen, und denkt, die Leute in der Industrie seien auch so. Dabei geht es dort wie auf einer Bank darum, Geld zu verdienen. Aber in den Köpfen der Leute herrscht oft ein falsches Bild… (überlegt) Die Musikindustrie ist nicht immer böse, die Künstler nicht immer arm. Man muss das etwas differenziert sehen."

Die Fans sehen schicke MTV-Awards und reiche Stars. Wird da einfach ein falsches Bild geweckt?

"Bei einer Award-Verleihung wird mit dem Glamour gespielt, denn die Leute wollen das sehen. Doch fälschlicherweise wird das auf die Branche übertragen, die zu viel Geld habe. Das ist ein heikler Grat. Ich höre oft: `Madonna verdient ja genug!` Nur vergisst man dabei, dass die Musikindustrie so sozial funktioniert, dass Madonna Flops von anderen Bands mitfinanziert."

Sind Musiker dank dem Internet weniger auf die Plattenfirmen angewiesen?

"Erfolgreiche Künstler sind heute weniger auf die Musikindustrie angewiesen, das stimmt. Sie können es sich leisten, ihre Platten ausschliesslich im Internet zu verkaufen und auf eine Zusammenarbeit mit einem Label zu verzichten. So verdienen sie viel mehr. Doch das Problem ist, dass es für die Labels lukrativ war, gerade diese erfolgreichen 20 Prozent Künstler unter Vertrag zu haben. Nur diese bringen Geld. Die anderen 80 Prozent sorgen für Verluste."

"Das Internet kann für viele Bands eine Einstiegshilfe sein. Man kann dort für sich werben, Konzertveranstalter auf sich aufmerksam machen und Fankontakte aufbauen. Doch wenn ich von dieser Band nicht schon in anderem Zusammenhang gehört habe, werde ich kaum auf sie aufmerksam. Insofern kann das Internet eine Hilfe sein, mehr aber nicht."

Also haben Bands ohne Plattendeal weiterhin kaum Chancen, Bekanntheit zu erlangen?

"Ja das kann man so sagen. Stärker als früher ist heute auch entscheidend, welche Leute im Umfeld des Künstlers für ihn Promotion machen. Es ist schwierig, einen geeigneten Manager zu finden, der gute Kontakte zu Leuten hat, die bereit sind, eine Produktion zu finanzieren. Wir müssen bedenken, dass die Schweiz ein sehr kleiner Markt ist, wo es nur selten vorkommt, dass mehrere zehntausend Franken in eine Band investiert werden. Und das Problem ist halt momentan…(zögert)..momentan sind die Erwartungen an Plattenverkäufe einfach nicht so hoch."

Wenn die Konsumenten auch in Zukunft Musik günstig im Internet kaufen, womit verdient der Künstler dann noch seinen Lebensunterhalt?

"Das Problem ist folgendes: Im Gegensatz zur CD können sich die Konsumenten im Netz den gewünschten Song auswählen und müssen nicht mehr das ganze Album kaufen, der Künstler verdient dementsprechend weniger. Ich persönlich bin so Musikbesessen, dass ich viele Alben wegen einem Song gekauft habe, dann aber andere Songs lieben gelernt habe. Darum finde ich diese Entwicklung nicht nur schade für die Künstler, sondern auch für die Konsumenten. Es wird sich zeigen, ob die Musiker andere Geschäftsfelder entdecken, wie Merchandising oder mehr Live-Auftritte. Wir müssen einfach Wege finden, dass man es sich leisten kann, Künstler zu sein."

Wird es für die Suisa durch das Internet schwieriger, die Urheberrechte der Künstler zu schützen?

"Wir haben die Aufgabe, für die Urheber, auch bei gewandeltem technischen Umfeld, die Entschädigungen einzukassieren und an die Berechtigten weiterzuleiten. Und je mehr Nutzungsarten es gibt, umso mehr haben wir auch die Möglichkeit, Geld für den Künstler einzunehmen, so dass dieser von der Musik auch leben kann. Ein neues Geschäftsfeld ist zum Beispiel der Vertrieb von Klingeltönen für das Handy. In England werden mehr Klingeltöne verkauft als Singles. Da wird viel Geld generiert. So ist für die Suisa das Wirkungsfeld zwar grösser geworden, aber solche Veränderungen hat es in den über 80 Jahren des Bestehens unserer Gesellschaft immer wieder gegeben."

Poto Wegener arbeitet seit dem 1. April 1999 bei der Suisa und leitet seit Juli 2001 die Abteilung Urheberrecht. Er ist selber begeisterter Musiker und war einst Bassist der Schweizer Rockband "The Failures". Die 1987 gegründete Band tourte erfolgreich durch Europa und die USA, und brachte mehrerer Songs in die Charts.

(mo/news.ch)

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