Nordische Ski-WM 2011
Die Nordischen wollen die Alpinen übertrumpfen
publiziert: Mittwoch, 23. Feb 2011 / 11:06 Uhr
Simon Ammann solls richten.
Simon Ammann solls richten.

Das nordische Team von Swiss-Ski will an den WM in Oslo die karge Ausbeute der alpinen Kollegen in Garmisch-Partenkirchen vergessen machen. Die Schweizer Mediallenhoffnungen ruhen auf den Schultern der Olympiasieger Simon Ammann und Dario Cologna.

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Der Toggenburger und der Münstertaler müssen es am Holmenkollen für die Schweiz richten. Die 48. nordischen Weltmeisterschaften, die am Donnerstag mit den Langlaufsprints und am Sonntag in einer Woche mit der Vergabe des 21. Medaillensatzes nach dem 50-km-Langlauf der Männer enden, versprechen Spektakel. Die Welt des Sports freut sich auf ein erinnerungswürdiges Sport- und Volksfest; da darf die Schweiz nicht abseits stehen. Aus den zwölf Entscheidungen im Langlauf, den fünf Wettkämpfen im Skispringen und den vier Bewerben in der Nordischen Kombination sollen mindestens zwei Medaillen resultieren.

Geschaffen für den Grossanlass

Simon Ammann bewies zur Genüge, dass er für Grossanlässe geschaffen ist. Wenn andere nervös werden, fängt für ihn der Spass erst an, oft kann er noch einen Zacken zulegen. Als vierfacher Olympiasieger von Salt Lake City und Vancouver sowie dreifacher WM-Medaillengewinner mit Gold und Silber 2007 in Sapporo sowie Bronze 2009 in Liberec tritt er unbeschwert auf. Der zweifache Saisonsieger und Zweitklassierte im Gesamtweltcup zählt auf beiden Schanzen zu den Favoriten. Doch einen Trumpf wie vor einem Jahr durch den Materialvorteil mit dem gekrümmten Bindungsstab scheint er dieses Mal nicht zu besitzen.

Seinen letzten Sprung auf Weltklasse-Niveau zeigte Andreas Küttel vor zwei Jahren. Dieser Flug trug ihn zu WM-Gold. Danach ging es sportlich nur noch bergab. Nun muss der Titelverteidiger ohne einen einzigen Weltcuppunkt im Gepäck nach Oslo reisen. Er wird in der norwegischen Kapitale den letzten Wettkampfsprung seiner Karriere absolvieren. Welcher es sein wird, weiss er nicht. In seiner Form kann die Karriere bereits nach der Qualifikation auf der Grossschanze am 2. März beendet sein.

Chancenlos werden die Schweizer im Teamwettkampf sein. Das Quartett mit Ammann, Küttel, Marco Grigoli und Pascal Egloff profitierte von den milden Selektionskriterien von Swiss-Ski und darf mit dem Wettkampf von der Normalschanze an einem der beiden Mannschaftsspringen teilnehmen.

Fünf Starts, drei Medaillenchancen

Dario Cologna geht in Oslo als Weltcup-Führender in die Loipe. Seit dem souveränen Sieg in der Tour de Ski sind schon sechs Wochen vergangen. Im Gegensatz zu den Skispringern gab es nicht mehr derart viele aussagekräftige Wettkämpfe, doch die Hauptprobe am Samstag in Drammen mit einem 4. Rang über 15 km klassisch stimmt zuversichtlich. Der bald 25-Jährige aus dem Münstertal hat vor zwei Jahren in Liberec Blut geleckt. Die Medaillen schienen greifbar, doch zugelangt haben andere. An den Olympischen Spielen in Vancouver holte dies der Schweizer mit Gold über 15 km Skating teilweise nach. Nun sollen auch die ersten WM-Podestplätze folgen.

Der Allrounder plant auf dem Holmenkollen fünf Starts, einzig den Teamsprint lässt er aus. Über 15 km klassisch, in der Verfolgung sowie im Skatingrennen über 50 km zählt Cologna zum engsten Favoritenkreis. Möglicherweise holt er wie an den Olympischen Spielen im Rennen mit Einzelstart zum grossen Schlag aus. In den Massenstartrennen wird er versuchen, die Entscheidung frühzeitig herbeizuführen. Gegen die schnellkräftigen Petter Northug (No) oder Marcus Hellner (Sd) wird er im Endspurt einen schweren Stand haben. Deshalb zählt der Sprint nicht zu seinen aussichtsreichsten Disziplinen.

An den Weltmeisterschaften 2005 in Oberstdorf war die helvetische Staffel nach der Überrundung aus dem Rennen genommen worden. Toni Livers, Cologna, Curdin Perl und Remo Fischer tilgten diese Schmach im Dezember mit dem Weltcupsieg in La Clusaz (Fr). Mit einer Medaille würde die neue Generation in Oslo einen Exploit schaffen, der ähnliche Strahlkraft wie der Bronzegewinn von Alois Kälin, Albert Giger, Fredel Kälin und Edi Hauser 1972 an den Olympischen Spielen in Sapporo hätte. Die Vorzeichen standen allerdings schon besser. Das Schweizer Team, das ohne valablen Ersatz auskommen muss, kann sich auf keiner Position nur die geringste Schwäche erlauben. Doch Perl, mit seinem 4. Rang an der Tour de Ski die eigentliche Entdeckung des Winters, und Livers schlagen sich mit gesundheitlichen Problemen herum. Livers scheint die Viruserkrankung immer noch nicht überwunden zu haben, Perl kuriert einen Leistenbruch.

Das Duo räumt der Staffel Priorität ein. Die restlichen Einsätze stehen noch nicht fest. Remo Fischer, der 2008 am Holmenkollen mit einem 3. Rang überraschte, peilt beim «Fünfziger» am Schlusstag eine Top-6-Klassierung an. Für die Sprintspezialisten Christoph Eigenmann, Martin Jäger und Jöri Kindschi stellt bereits die Qualifikation für die Viertelfinals eine hohe Hürde dar.

Im 20-köpfigen Team von Swiss-Ski figurieren vier Frauen. Bigna Windmüller vertrat die Schweizer Farben bei der WM-Premiere des Frauen-Skispringens 2009 in Liberec, nun geht ihre ältere Schwester Sabrina an den Start. Im Langlauf sind Silvana Bucher (Sprint und 30 km), Laurien van der Graaff (Sprint) und Doris Trachsel (10 km) zu sehen.

Stagnation bei den Kombinierern

Die Kombinierer kamen in den letzten Jahren nicht vom Fleck. Die Probleme im Skispringen haben sich akzentuiert, da international das Niveau gestiegen ist. Seppi Hurschler war für die beiden einzigen Schweizer Top-Ten-Plätze in der laufenden Saison besorgt, Ronny Heer schaffte die Qualifikation mit fünf Top-20-Klassierungen. Bezüglich Teamwettkampf liessen die Selektionäre Gnade vor Recht walten. Die Selektionskriterien wurden nicht vollständig erfüllt. Als Kompromiss stellt Swiss-Ski erst im zweiten Teamwettkampf von der Grossschanze eine Mannschaft. Tim Hug darf zur Vorbereitung auch den zweiten Einzelwettkampf bestreiten.

(bert/Si)

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