Die SBB ist die Bank der Immigranten
publiziert: Montag, 2. Jan 2006 / 09:12 Uhr

Zürich - Der Bahnhof ist auch eine Bank. Zumindest für Immigranten und Gastarbeiter, die ihren Familien in der Heimat Bargeld zuschicken.

Rund 180 Bahnhöfe dienen als Ein- und Auszahlstellen für Western Union.
Rund 180 Bahnhöfe dienen als Ein- und Auszahlstellen für Western Union.
Die Überweisungen sind aber mehr als nur ein Zustupf für Angehörige. Ein Augenschein im Zürcher Hauptbahnhof.

In der abseits im Seitenflügel gelegenen Schalterhalle geht's vielfach genau so hektisch zu und her, wie an den Billettschaltern bei der Haupthalle. Wer sich bei den vier Schaltern vis-à-vis des Landesmuseums anstellt, bucht aber keine Bahnreise, sondern schickt stattdessen sein Geld auf Reisen.

In der Schweiz ist die SBB offizielle Vertreterin von Western Union. Rund 180 Bahnhöfe dienen als Ein- und Auszahlstellen des internationalen Geldtransferunternehmens. An den Schaltern von Western Union im Hauptbahnhof Zürich zeigt sich auch, wer die Überweisungsdienstleistungen am meisten beansprucht: in der Schweiz wohnhafte Ausländerinnen und Ausländer.

Schweizerinnen und Schweizer geraten mit Western Union allenfalls in Kontakt, wenn ihnen auf Reisen Geld und Kreditkarten gestohlen wurden. Und sie sich von Bekannten einen Notbatzen schicken lassen. In einem solchen Fall werden auch Spesen von 10 bis 20 Prozent des überwiesenen Betrags gerne in Kauf genommen.

Kleine Beträge, hohe Gebühren

Anders sieht die Situation für die Immigranten und Gastarbeiter aus. Sie nutzen Western Union, um ihren Familien in der Heimat Geld zu schicken. Meist sind es nur kleine Beträge, die überwiesen werden.

Umso mehr fallen da aber die Gebühren ins Gewicht, die sie zu entrichten haben, damit die Angehörigen das Geld in einer Western-Union-Agentur abholen können. Für einen Überweisungsbetrag von 500 Franken werden 50 Franken Gebühren erhoben, für 100 Franken sogar 21 Franken.

Nichts anderes übrig als diese Gebühren zu schlucken bleibt einem Albaner, der gerade vom Schalter wegtritt. «Für mich ist dies die einzige Möglichkeit, wie ich meiner Familie Geld schicken kann», sagt er. Dank des 13. Monatslohns hat er für einmal einen etwas grösseren Betrag in die Heimat überweisen können.

Und er ist nicht der einzige, der an jenem Nachmittag Ende Dezember im Hauptbahnhof eine Western-Union-Überweisung tätigen will. An allen Tischchen ist jemand am Ausfüllen der Formulare, die verschiedensten Fremdsprachen schwirren durch den Raum.

Über den Überweisungsservice herrscht weitgehend Einigkeit: Der ist unkompliziert und zuverlässig. Und schneller als Banküberweisungen. Solche sind aber oft ohnehin nicht möglich, weil die Verwandten in den Heimatländern gar keine Bankkonti haben.

17 Prozent des Bruttoinlandproduktes

Den Zahlungen an die Familienangehörigen in den Herkunftsländern kommt indes eine grössere Bedeutung zu als jene eines finanziellen Zustupfs für die Liebsten. In einer Studie der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wird von einer Summe von 72,3 Milliarden Dollar gesprochen, die so weltweit von den Industrie- in Entwicklungsländer verschoben werden.

Diesen Zuwendungen kommt dabei eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung zu. In Albanien zum Beispiel machen sie 17 Prozent des Bruttoinlandprodukts aus, in Serbien fast 13. Wichtig sind die privaten Zahlungen auch für zahlreiche Länder Lateinamerikas und Afrikas sowie für die Philippinen.

In der Schweiz, aus der gemäss der IOM-Studie jährlich 8,1 Milliarden Dollar transferiert werden, werden die Geldüberweisungen der Migranten in ihre Heimat nun ein politisches Thema. Der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga fordert in einem Postulat Massnahmen, wie die Gebühren reguliert und reduziert werden können.

(Jürg Rüttimann/sda)

 
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