Beltrametti macht seinen Kollegen Mut
Die Schweizer fahren in Val Gardena für Silvano
publiziert: Mittwoch, 12. Dez 2001 / 17:05 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 12. Dez 2001 / 19:06 Uhr

Val Gardena - Die beiden Abfahrten im Val Gardena vom Freitag und Samstag werden zu den Rennen für Silvano Beltrametti. Die Schweizer wollen für ihren verletzten Teamkollegen fahren und auf diese Weise einen Teil zum Verarbeitungsprozess beitragen.

Die positive Austrahlung des schwer verunglückten Silvano Beltrametti prägte das erste Training zur Doppelabfahrt im Val Gardena vom Freitag und Samstag. Er liess über den Trainer Fritz Züger der Mannschaft die Botschaft zukommen, für ihn zu fahren und wünschte ihr viel Glück.

«Wir müssen das, was passiert ist, so akzeptieren und dürfen nicht in Selbstmitleid verfallen», sagt Beltramettis ständiger Zimmerkollege Franco Cavegn. «Silvano hat im letzten Winter viel für uns getan und den entscheidenden Schub ausgelöst. Jetzt versuchen wir, das zurückzugeben.»

Er hätte noch in der Gondel an Silvano gedacht, sagte Rolf von Weissenfluh, «aber als ich oben am Start stand, vergass ich alles andere -- da hätten auch tausend Personen schreien können.»
Aber die Energie, die von Silvano ausströmt, hätte sich übertragen.

Als einer der wenigen gab Jugendfreund Ambrosi Hoffmann offen zu, nicht voll gefahren zu sein: «Ich bin einfach runtergekommen. Aber das war schon in Val d'Isère im ersten Training so.» Er wolle sich nun auf die Rennen konzentrieren und «dafür im Frühling viel Zeit mit Silvano verbringen. Ich wünsche ihm, dass er die schwere Situation meistert.»

Dilemma zwischen Gefühlen und Leistung

Zumindest international ist man bereits zur Tagesordnung übergegangen. «Ich habe bei der Besichtigung keinen Unterschied zu andern Rennen gespürt», fand Bruno Kernen. «Wir führen unser Leben, Silvano nun seines, zu dem ich ihm viel Glück wünsche. Ich bin überzeugt, Silvano denkt genau gleich.»
Man dürfe die Gefühle nicht auf die Seite schieben, «aber wenn Leistung verlangt wird, muss man solche Ereignisse verdrängen können oder sonst einen andern Job suchen.»

Dieser Verarbeitungs- oder Verdrängungsprozess läuft individuell. Während es Abfahrtstrainer Fritz Züger hilft, offen und direkt über den Unfall zu sprechen, sagt Didier Cuche: «Unter uns braucht man nicht viel darüber zu reden, weil die meisten ähnlich denken. Das Bedürfnis nach Diskussion haben eher die Leute ausserhalb des Skisports.»
Für Cuche ist auch der Sicherheitsaspekt kein Thema: «Ich bin nach wie vor überzeugt, dass wir auf der Piste sicherer sind als auf der Strasse bei der Fahrt in einen Wettkampfort.»
Auf der Saslong in Val Gardena (3446 m lang) sind zum Beispiel rund 6,5 km Netze postiert.

Diskussionen um die Sicherheit

Trotzdem heben die Diskussionen über die Sicherheitsvorkehrungen allmählich an, zum Teil emotional gefärbt, zum Teil auch aus Eigennutz. Obwohl FIS-Renndirektor Günther Hujara versichert, dass in Val d'Isère das beste zur Zeit erhältliche Material verwendet worden war, gibt es -- insbesondere aus Deutschland -- Kritik, die Netze in Val d'Isère seien von minderer Qualität gewesen.
Das Ergebnis der Untersuchung von Val d'Isère, die von Amtes wegen eingeleitet worden war, wird darüber Klarheit bringen.

Auch Vorwürfe bezüglich der extremen Taillierung zielen an der Realität vorbei. Im Gegensatz zu den technischen Disziplinen, wo Radien bis gegen 20 m gefahren werden, hat sich in der Abfahrt diese Entwicklung in Grenzen gehalten. Die FIS-Limite beträgt 40 m, und Silvano Beltramettis Ski in Val d'Isère hatten einen Radius von 43,5 m. Das neuste Abfahrtsmodell der Firma Head, das schon vor dem Unfall entwickelt worden war, weist einen Radius von 45,3 m auf.

Ungeachtet der Diskussionen erzielten die Schweizer im ersten Training trotz der schwierigen Umstände ein bemerkenswertes Ergebnis mit drei Fahrern unter den ersten zehn: Franco Cavegn erzielte hinter Kristian Ghedina und Stephan Eberharter die drittbeste Zeit, Didier Cuche wurde Siebenter und Bruno Kernen Neunter. Ausser Cavegn (6. in der Saison 1996/97) weist von diesem Trio in Val Gardena noch keiner eine Top-Ten-Klassierung auf.

Erstaunlich waren die grossen Abstände. Kristian Ghedina, bereits dreifacher Gardena-Sieger, war acht Zehntel schneller als Eberharter und 1,74 Sekunden als Franco Cavegn. Bereits 1999 hatte Ghedina das Rennen mit fast anderthalb Sekunden Vorsprung auf Pepi Strobl gewonnen. Weltcup-Leader Eberharter ist dagegen in Val Gardena noch nie über einen 5. Platz hinausgekommen.

(sk/sda)

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