Die Seidenstrassen-Allianz
publiziert: Freitag, 27. Jan 2006 / 11:36 Uhr / aktualisiert: Freitag, 27. Jan 2006 / 12:00 Uhr

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Amerika ist ein Emporkömmling. Ebenso wir Westeuropäer. Dass es diesen erfolgreich gelang, die alten Kulturen von China und des Iran zu unterdrücken, war jenen schon lange ein Dorn im Auge. Jetzt scheint die Zeit der Abrechnung anzubrechen.

Es wundern sich viele, warum China immer mehr seine schützende Hand über das Mullah-Regime in Teheran hält. Ob es nun das Verhindern von Resolutionen im UN-Sicherheitsrat ist, der Verkauf von Waffen und die Kooperation in der Nukleartechnologie. Was bringt die neue Wirtschaftssupermacht China dazu, mit dem religiösen Iran zu kooperieren, wo die Chinesen doch sonst immer so pragmatisch sind?

Pragmatismus! Denn die Interessen von Teheran und Peking sind, so unterschiedlich die Regime auch sein mögen, sehr ähnlich und die beiden Länder verbindet eine lange Geschichte. Bereits vor 2200 Jahren begannen die Länder, Handel miteinander zu betreiben und sich kulturell auszutauschen. Mit der Seidenstrasse führte eine Handelsader nicht nur von China in den Westen sondern auch in den Iran. Die Jahrtausende währenden Beziehungen zerbrachen auch nicht während des kalten Krieges, sondern wurden bereits unter dem Schah wieder aktiviert. Mit der wirtschaftlichen Revolution im China der 90er Jahre und dem wachsenden Selbstbewusstsein des Iran fanden sich plötzlich zwei Mächte wieder, die kaum Konfliktpotential hatten. Aber gemeinsame Gegner.

Schon regional sehen sich die Schiiten im Iran und die Kommunisten in China mit den aufmüpfigen sunnitischen Gruppen und Ländern in Zentralasien konfrontiert, die in den Grenzregionen beider Staaten immer wieder für Unruhe sorgen.

Auch die Tatsache, dass beide Länder über das Verfügen, was das andere gerne will, ist einer Freundschaft zuträglich. Während der Iran jede Menge Öl und Gas produziert, verfügt China über Waffensysteme und Know-How in der Kerntechnik; Güter, die bereitwillig ausgetauscht werden. Seit Jahrzehnten rüstet China die iranische Armee aus und auf, während es Energie aus Persien bezieht.

Doch ganz zuoberst steht die Verachtung gegenüber den Emporkömmlingen. Schon fast erledigt ist Russland, das unterdessen vom grossen Feind Irans und Chinas zu einem willigen Zuträger der beiden Staaten geworden ist. Die USA steht noch, aber die Karten der Chinesen beginnen zu stechen. Die Eskalation im Iran verlangt immer grössere Aufmerksamkeit und militärische Reserven der USA. Es ist jedem klar, dass ein Eingreifen im Iran militärisch nicht mit dem Irak (der ja erst NACH dem 'Krieg' verlustreich wurde), zu vergleichen wäre. Ein solcher Konflikt würde die USA bis zum Limit, das laut manchen Kommentatoren schon erreicht sei, belasten. Und auch Europa könnte da nichts gross daran ändern.

China kann der ganzen Sache unterdessen entspannt zu sehen. Es gewinnt Zeit, lenkt von der eigenen Aufrüstung ab und verstärkt seine Bindung an den Iran. Zudem hat sich noch ein dritter Partner etabliert, der rasant an Gewicht gewinnt: Auch Indien ist in grossem Mass von iranischem Öl abhängig und baut seinen Handel mit China aus.

Was hier entsteht, ist ein neuer Machtblock, der den Westen herausfordert und womöglich die Mittel hat, ihn – langfristig – auch zu schlagen. Die Abhängigkeit von Indien und China vom Iranischen Öl und Gas gibt diesem mächtige Verbündete, die alles unternehmen werden, um eine Intervention abzuwenden.

In diesen Co-Dependenzen liegt womöglich auch eine Chance, das Schlimmste zu verhindern. Wenn China und Indien ihre Energieversorgung durch die Politik des Iran ernsthaft gefährdet sehen, werden sie im Hintergrund grossen Druck auf Teheran ausüben, einen Druck, dem auch ein fanatischer Präsident kaum widerstehen könnte.

Doch eines ist auch in diesem Fall klar: Wenn es nach China und dem Iran geht, werden die Tage der Emporkömmlinge an der Macht der Welt bald gezählt sein.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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