Die Stumme Symbolfigur
publiziert: Sonntag, 20. Mrz 2005 / 22:19 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 24. Mrz 2005 / 16:39 Uhr

Washington - Vor dem Woodside-Hospiz in Pinellas Park knieen die Demonstranten. Manche singen Hymnen, sprechen Gebete, andere bleiben stumm - ihre Münder sind mit rotem Band mit der Aufschrift "Life" verklebt.

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In dem durch Bauzäune vor den Medien und Demonstranten abgeschirmten Hospiz in Florida ist Terri Schiavo untergebracht, die berühmteste Koma-Patientin der USA. Ärzte hatten ihr am Freitag auf richterliche Anweisung die lebenserhaltende Magensonde entfernt. Damit wird sie innerhalb von zwei Wochen sterben, bleibt sie von dem Gerät abgekoppelt.

Die Entscheidung von Landkreisrichter George Greer sandte am Freitag eine Schockwelle durch die Menge vor dem Hospiz. "Heiliger Gott, habe Gnade mit unserem Land. Wir haben alle versagt", rief Rob Schenck, Vorsitzender des Nationalrats der Kleriker, bestürzt aus.

Mächtige Verbündete

Doch noch gibt sich die religiöse Rechte, für welche die Frau zu einer Symbolfigur ihres Kulturkampfes geworden ist, nicht geschlagen. Denn schliesslich verfügt die Bewegung über mächtige Verbündete in Washington.

So hatte US-Präsident George W. Bush erst vor wenigen Tagen gefordert, im einem komplexen Fall wie diesem, sollten die Gesellschaft, die Gesetze und die Richter Stellung "für das Leben" beziehen.

Vor allem aber setzen die republikanischen Führer in Senat und Repräsentenhaus, Bill Frist und Tom DeLay, weiter alles daran, um die Patientin am Leben zu halten.

Sie basteln hektisch an einem neuen Gesetz, das den Fall der regionalen Justiz entziehen und an die Bundesgerichte übertragen würde - Greer wäre damit kalt gestellt.

Seit 15 Jahren im Koma

Begonnen hatte es vor 15 Jahren, als das Herz der Frau wegen Kaliummangels aussetzte. Der Sauerstoffentzug im Hirn verursachte dauerhafte Schäden, und die damals 26-Jährige fiel ins Koma.

Seit Jahren kämpft ihr Mann nun schon dafür, dass die lebenserhaltenden Geräte abgestellt werden. Seine Frau habe ihm gesagt, sie wolle nicht künstlich am Leben gehalten werden, führt er an.

Die streng religiösen Eltern dagegen streiten erbittert für die Beibehaltung der Geräte. Sie werfen ihrem Schwiegersohn vor, er wolle sich nur den Weg für die Ehe mit seiner neuen Freundin frei schaffen, mit der er zwei Kinder hat.

Sonde bereits zweimal entfernt

In den vergangenen Jahren war die Magensonde bereits zwei Mal entfernt und dann wieder eingesetzt worden - beim zweiten Mal auf Betreiben von Jeb Bush, dem Gouverneur von Florida und Präsidentenbruder. Dies nährt die Hoffnungen auf ein drittes Mal.

Mögen renommierte Rechtsexperten die jüngsten Initiativen des Kongresses auch als Angriff auf die verfassungsmässige Gewaltenteilung verurteilen; für die religiöse Rechte ist der Kampf gegen die Sterbehilfe zu einem ebenso wichtigen Thema geworden wie der gegen die Homo-Ehe oder die Abtreibung.

Biblische Worte

Die Worte von Tom DeLay werden den Demonstranten in Pinellas Park jedenfalls süss in den Ohren geklungen haben. Den Millionen Menschen, die für die Frau beteten, sage er in biblischer Rhetorik: "Fürchtet Euch nicht".

Sie "wird nicht verlassen werden", fügte der fromme Texaner hinzu - eine Anspielung auf die verzweifelten letzten Worte Christi am Kreuz (Matthäus 27,46).

(Von Daniel Jahn/afp)

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