Die Trennung von Kirche und Staat ist überfällig
publiziert: Montag, 25. Okt 2010 / 10:15 Uhr
Die materiellen Privilegien der Landeskirchen müssen ins Zentrum der Diskussion gerückt werden.
Die materiellen Privilegien der Landeskirchen müssen ins Zentrum der Diskussion gerückt werden.

Die Frage der Woche lautet: Kruzifixstreit in Luzern und Wallis: Wie säkular soll der Schweizer Staat sein? Heute der Beitrag von Michael Köpfli, Berner Stadtrat und Vorstandsmitglied der Grünliberalen Schweiz.

8 Meldungen im Zusammenhang
Obwohl es zweifellos weitaus grössere Probleme gibt als Kruzifixe in Schulzimmern, ist der durch einen Walliser Lehrer losgetretenen Diskussion einiges zu verdanken. Endlich erhält die Debatte über das Verhältnis zwischen Kirche und Staat in der Schweiz neuen Auftrieb. Es bleibt zu hoffen, dass sich der Schwerpunkt dabei möglichst schnell weg vom Symbolischen hin zum Handfesten bewegt oder anders ausgedrückt, weg von den Kruzifixen hin zu den materiellen Privilegien der Landeskirchen.

Und diese Privilegien sind gewaltig. So übernimmt die öffentliche Hand in fast allen Kantonen ganz selbstverständlich die Eintreibung der Mitgliederbeiträge für die Landeskirchen in Form der Kirchensteuern. Als Rechtfertigung wird dann oft das Engagement der Kirchen für die Gemeinschaft vorgebracht. Nur, gleiches gilt auch für den WWF, Médecins Sans Frontières und unzählige weitere Organisationen, welche sich dennoch selbst um ihre Finanzen kümmern müssen.

Noch viel stossender sind die Kirchensteuern für juristische Personen, welche in vielen Kantonen immer noch bezahlt werden müssen. Da ein Unternehmen im Gegensatz zu einer Privatperson nicht aus der Kirche austreten kann, subventioniert also auch der buddhistische Gastronom oder der konfessionsfreie Treuhänder über seine Unternehmenssteuern ganz direkt die Landeskirchen.

Geradezu haarsträubend ist die Verbandelung von Kirche und Staat schliesslich im Kanton Bern. Hier wird die Beziehung hochoffiziell als «Partnerschaft» bezeichnet und den Landeskirchen wird sogar ein Vorberatungs- und Antragsrecht in den sie betreffenden Angelegenheiten eingeräumt. Dem nicht genug, übernimmt der Kanton auch noch die Löhne für die Pfarrer, diese werden im Kanton Bern nämlich mit über 70 Millionen Franken ordentlichen Steuergeldern und nicht etwa über die Kirchensteuern finanziert.

Es ist deshalb nichts als verständlich, dass viele Konfessionsfreie diese Zustände nicht mehr länger hinnehmen möchte oder dass andere Religionsgemeinschaften in der Schweiz eine Gleichbehandlung mit den privilegierten Landeskirchen einfordern. Diese Gleichbehandlung ist wichtig, darf aber nicht dadurch erreicht werden, dass weiteren Glaubensgemeinschaften ähnliche Privilegien zugestanden werden, denn so würden die Konfessionsfreien ein weiteres Mal übergangen.

Vielmehr ist es an der Zeit, dass Kirche und Staat in der Schweiz nach dem laizistischen Ideal komplett getrennt werden. Nur dies wird künftig ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben aller Weltanschauungen ermöglichen. Wenn der durch den Walliser Lehrer losgetretene Kruzifix-Streit ein erster Schritt dahin ist, wäre das zu begrüssen. Einstweilen wünsche ich ihm aber viel Erfolg bei der Stellensuche!

(Michael Köpfli/news.ch)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Sitten - Ein Walliser Lehrer, der kein ... mehr lesen
Im Zentrum des Streites steht ein Kruzifix. (Symbolbild)
Kirchensteuern seien Ausdruck des Engagement für die Katholische Kirche.
Mariastein SO - Die Schweizer ... mehr lesen
Luzern - In öffentlichen Gebäuden ... mehr lesen
Kruzifix.
Luzern - In den Luzerner Schulzimmern sollen Kreuze hängen dürfen. Der Luzerner Kantonsrat hat sich am Dienstag diskussionslos der Meinung der Regierung angeschlossen. mehr lesen 
Das Christentum ist ein Teil der Schweizerischen Identität, ein Wesensmerkmal der Schweiz.
Simon Oberbeck Das Thema der Woche ist der Kruzifixstreit in Luzern und Wallis: Wie säkular soll der Schweizer Staat sein? Heute der ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Luzern - Jetzt rüsten sich die ... mehr lesen
Die Anhänger der Kreuze rüsten in Luzern auf.
Der Vater zweier Kinder verlangte die Entfernung der Kruxifixe.
Triengen LU - Die Freidenker-Familie, ... mehr lesen 3
Olten - Mit einem Festakt hat die Freidenker-Vereinigung Schweiz (FVS) in Olten ... mehr lesen
Der Einfluss auf die Tagespolitik nehme zu, so die FVS. (Symbolbild)
Kein kirchlicher Staat im Staat
Kirchenlobbyisten provozieren und setzen sich bewusst über Urteile des Bundesgerichts und aus Strasbourg hinweg. Es geht aber nicht an, dass Religionsvertreter für sich eine ihnen gefügige Paralleljustiz einfordern.
Das Primat der Politik darf nicht aufgeweicht werden - im Gegenteil. Auch deshalb brauchen wir die vollständige Trennung von Staat und Kirchen.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Energie- statt Mehrwertsteuer - Grundpfeiler der Energiepolitik der GLP.
Energie- statt Mehrwertsteuer - Grundpfeiler der ...
Die Frage der Woche lautet: Der Wahlkampf ist lanciert - welches werden die bestimmenden Themen sein? Heute der Beitrag von Michael Köpfli, Berner Stadtrat und Vorstandsmitglied der Grünliberalen Schweiz. mehr lesen 
Die Frage der Woche lautet: AKW-Desaster in Japan - Welches müssen die Konsequenzen für die Schweiz sein, oder kann unsere Energiepolitik weiterhin bestehen? Heute der Beitrag von Michael ... mehr lesen
Wasser von hier: Das Kraftwerk Eglisau-Glattfelden.
Talentshow auf SRF: Gebührenpflichtiges Seichtprogramm
Die Frage der Woche lautete: Sehr viele Leute beklagen sich über die Billag und die Art, wie die Radio- und Fernsehgebühren erhoben werden. Muss ... mehr lesen  1
Grundsätzlich ist richtig, dass der Bundesrat Anreize dafür schaffen möchte, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz den Wohn- und den Arbeitsort möglichst nahe zusammenlegen. mehr lesen
Elektronisches Road Pricing in Singapur.
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 10°C 17°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen Gewitter mit Schneeregen
Basel 11°C 18°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen starker Schneeregen
St. Gallen 10°C 15°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen gewittrige Schneeschauer
Bern 9°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen Schneeschauer
Luzern 13°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen gewittrige Schneeschauer
Genf 4°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen starker Schneeregen
Lugano 7°C 18°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten