Die Trinkgeld-Frage
publiziert: Montag, 21. Dez 2015 / 15:54 Uhr
Geld im Bett bedeutet Trinkgeld.
Geld im Bett bedeutet Trinkgeld.

Wem gibt man wie viel? Ab wann ist es geizig kein Trinkgeld zu geben und ab wann protzig eines zu geben. Der Grad ist schmaler als eine Rasierklinge. Egal, wie man's macht, es ist falsch.

Eigentlich ist die Trinkgeld-Frage in der Schweiz gesetzlich klar geregelt - es gibt keines. Und dennoch gibt es einen gesellschaftlichen Zwang bestimmten Leuten ein Trinkgeld zu geben. Warum eigentlich?

In einer Beiz ist es klar - man rundet auf - bei gutem Service sogar auf einen noch runderen Betrag. Aber warum nicht auch in einem Flugzeug? Beim Coiffeur ist der Fall eindeutig, sofern er oder sie die Sache nicht versaut hat. Ebenso Dienstleister wie Taxifahrer, wenn sie einem sicher, schnell und günstig nach Hause bringen. Hingegen ist es bei Uber nicht üblich Trinkgeld zu geben. Warum gibt es für dieses Chaos nicht einen hilfreichen Knigge, ein internationales Standardwerk für Trinkgelder?

Wer bekommt wie viel? Bekommt der Mann, der mir das Heizöl liefert, Trinkgeld? Was ist mit dem Kaminfeger? Warum der Handwerker nicht? Oder schon? Früher gab man auch den Leuten von der Müllabfuhr ein Trinkgeld. Ich hab's noch nie getan und trotzdem haben sie noch nie was stehenlassen. Auch dem Pöstler steckte man zu Weihnachten eine Note zu. Aber ist es nicht verboten einem Beamten Geld zu geben? Wenn der Pöstler aber damit rechnet, hält er mich womöglich für unhöflich, wenn ich ihm kein Trinkgeld gebe. Und was ist mit dem Hausarzt? Immerhin hilft er einem zuverlässig bei kleinen oder grösseren Problemen.

Akut wird die Trinkgeldfrage, wenn man in Luxus-Herbergen absteigt, also dort, wo es einen Portier, Concierge, Gepäckträger, Valet-Parker, Liftboys und Hotel-Manager gibt; an Orten, wo Gästen den Arsch nachgetragen wird und Trinkgeld dazu gehört wie der Willkommen-Sekt auf dem Zimmer. Gibt man dem Portier und dem Concierge schon Geld, wenn man ankommt? Wie viel? Verteilt es der Concierge auf seine fleissigen Mitarbeiter, die Gepäckträger und die Valet-Parker? Oder muss ich jedem Einzelnen was geben? Sind zwei Franken zu wenig, ein Fünflieber zu viel? Als beleidigend empfindet es hingegen ein Hotel-Manager, wenn man ihm Trinkgeld zustecken will - obwohl dieser für einen Restaurant-Reservierungen und andere Specials klar macht.

Verwirrend, nicht? Weiter geht's: Muss man dem Valet-Parker jedes Mal etwas geben, wenn er einem die Karre aus der Tiefgarage holt? Und was ist mit den Putzfrauen? Es heisst ja, das Kleingeld, das auf dem Tisch liege, dürfe das Putzpersonal behalten. Aber es kann ja auch sein, dass ich dort einfach mein Münz zwischengelagert habe? Denn Münz braucht es ganz viel in einem noblen Hotel. So viel, dass es praktischer wäre, wenn es in der Hotellobby einen Trinkgeld-Wechsel-Automaten gäbe - inklusive Tipps wie viel «Tip» man welchem Typ gibt. Es ist ein echter Ferien-Job, all den Bediensteten Geld zuzustecken wie ein Cop verdeckten Informanten.

Man stelle sich vor, jeder andere Job wäre so. Ein Bäcker, der eigentlich drei Franken für ein Brot verlangt, aber beleidigt ist, wenn man ihm nicht fünf Franken fürs Brot gibt? Die Welt würde im Chaos versinken. Zum Glück gibt's eine gesetzliche Regelung, auch wenn sich gewisse Branchen nicht daran halten.

(jz/news.ch)

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